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Medizin

Heilung? Zwei HIV-Infizierte nach Stammzell­transplantation virusfrei

Mittwoch, 3. Juli 2013

dpa

Kuala Lumpur – Zwei Patienten aus Boston, die sich wegen eines Lymphoms einer allogenen Stammzelltherapie unterziehen mussten, sind nach einer vorübergehenden antiretroviralen Therapie seit mehreren Wochen auch ohne Medikamente virusfrei und möglicherweise von ihrer HIV-Infektion kuriert, wie die behandelnden Ärzte auf einer Tagung der International Aids-Society in Kuala Lumpur mitteilten.

Bislang konnte weltweit nur ein Mensch von einer HIV-Infektion geheilt werden. Der US-Amerikaner Timothy Ray Brown hatte im Februar 2007 das „Glück“, an der Berliner Charité zur Behandlung einer akuten myeloischen Leukämie die Stammzellen eines Spenders zu erhalten, dessen CD4-Zellen aufgrund einer Mutation im CCR5-Gen nicht vom HI-Virus infiziert werden können. Der „Berliner-Patient“ soll heute virusfrei sein, aber nicht gesund. Er leidet dem Vernehmen nach unter den Folgen der aggressiven Chemotherapie, die vor der Stammzelltherapie das erkrankte Knochenmark ausradierte.

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Eine Situation wie 2007 wird sich nach Ansicht von Experten so schnell nicht wiederholen. Eine Heilung könnte aber auch mit „normalen“ Stammzellen (ohne mutiertes CCR5-Gen) möglich sein, wenn sich an die Stammzelltransplantation eine vorübergehende antiretrovirale Therapie anschließt. Sie müsste verhindern, dass einige wenige HI-Viren, die nach der Chemotherapie im Körper überleben, auf die neuen CD4-Zellen übergreifen, die sich nach der Stammzelltherapie bilden.

Das Team um Daniel Kuritzkes vom Brigham and Women’s Hospital in Boston, Massachusetts, hat diese Strategie bei zwei Patienten angewendet, die sich wegen eines Hodgkin-Lymphoms einer allogenen Stammzelltransplantation unterziehen mussten. Der Behandlung ging wie üblich eine Konditionierung mit einer Zytostatika-Kombination (Adriamycin, Bleomycin, Vinblastin und Dacarbazin, ABVD) voraus, um die Tumorzellen des Hodgkin-Lymphoms zu beseitigen. Dabei wird im Nebeneffekt auch das blutbildende Gewebe zerstört, darunter auch die meisten infizierten CD4-Zellen.

Nur wenige HI-Viren würden jedoch ausreichen, um die Infektion neu zu starten. Da die Mediziner nicht erwarten konnten, dass die Chemotherapie auch die letzten Reservoire der HI-Viren vernichtet, wurde die antiretrovirale Therapie nach der Stammzelltransplantation zunächst fortgesetzt. Dadurch sollte verhindert werden, dass die HIV-Infektion auf die neuen CD4-Zellen übergreift.

Wie die Mediziner kürzlich im Journal of Infectious Diseases (2013; 207: 1694–702) berichteten, waren die Viren in den ersten Monaten nach der Stammzelltransplantation noch im Plasma der Patienten nachweisbar. Die Patienten wurden deshalb weiter antiretroviral behandelt. Nach etwa einem Jahr waren die Patienten dann aber virusfrei.

Die Ärzte wagten zunächst nicht, die antiretroviralen Medikamente abzusetzen. Allmählich kam das Team um Kuritzkes jedoch zu der Überzeugung, dass die HI-Viren vollständig verschwunden waren. Sie führen dies auch auf eine Graft-Versus-Host-Reaktion zurück, die bei beiden Patienten aufgetreten war und möglicherweise die restlichen Reservoire beseitigt haben.

Vor 15 Wochen und vor sieben Wochen wurden dann die antiretroviralen Medikamente bei den beiden Patienten abgesetzt. Wie die Forscher jetzt auf einer Tagung der International Aids-Society in Kuala Lumpur versichern, sind beide Patienten weiterhin virusfrei. Von einer abschließenden Heilung der HIV-Infektion zu sprechen sei vielleicht noch zu früh, die Aussichten seien aber gut, meinen die Forscher.

Auch wenn die beiden Boston-Patienten tatsächlich von ihrer HIV-Infektion kuriert sein sollten, dürfte eine Stammzelltherapie für die Mehrheit der HIV-Infizierten keine Option sein. Zum einen ist die Therapie zu riskant. Ein dritter Patient, der in Boston behandelt wurde, starb an den Folgen der Therapie, zum anderen haben viele Lymphompatienten lebenslang unter den Folgen der Chemotherapie und der Stammzelltransplantation zu leiden. Diese Komplikationen können die Patienten eventuell stärker belasten als die Nebenwirkungen der antiretroviralen Therapie, auch wenn diese derzeit noch lebenslang durchgeführt werden muss. © rme/aerzteblatt.de

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