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Medizin

IVF: Mentale Retardierung nach ICSI geringfügig häufiger

Mittwoch, 3. Juli 2013

dpa

London – Die erste umfassende Untersuchung zur geistigen Entwicklung von Kindern, die mit reproduktionsmedizinischer Unterstützung gezeugt wurden, ergab insgesamt keine bedenklichen Auswirkungen. Nur nach einer intrazytoplasmatischen Spermieninjektion (ICSI), die vor allem bei männlicher Infertilität zur Anwendung kommt, scheint das Risiko einer geistigen Behinderung etwas erhöht zu sein, wie eine Publikation im US-amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2013; 310: 75-84) zeigt.

Weltweit sind seit 1978 mehr als 5 Millionen Kinder durch verschiedene Techniken der In-vitro-Fertilisation (IVF) gezeugt worden. Die anfänglichen Befürchtungen, dass die IVF-Kinder im Leben benachteiligt sind, haben sich nicht erfüllt, auch wenn verschiedene Studien auf eine erhöhte Rate von neurologischen Erkrankungen hingewiesen haben, einschließlich von Zerebralparesen sowie seltenen Störungen wie Beckwith-Wiedemann- oder Angelman-Syndrom.

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Das erhöhte Risiko von Zerebralparesen ist vermutlich Folge der häufigen Mehrlings­schwangerschaften, die heute nach Möglichkeit vermieden werden. Eine offene Frage betraf die mentale Entwicklung der Kinder, da Behinderungen oft erst im Schulalter erkannt werden. Sven Sandin vom King's College London konnte zusammen mit Forschern des Karolinska Instituts in Stockholm diesen Punkt jetzt dank der guten Vernetzung verschiedener Personenregister in Schweden untersuchen. Das Land verfügt außerdem über eine vorbildliche vorschul- und schulärztliche Kultur, so dass mentale Retardierungen einschließlich von autistischen Erkrankungen im engeren Sinne kaum übersehen werden können. 

Kein gravierendes Risiko
Die Analyse von mehr als 2,5 Millionen Kindern, die zwischen 1982 und 2007 geboren wurden, darunter 1,2 Prozent nach unterschiedlichen Verfahren des IVF, liefert keine Hinweise auf ein gravierendes Risiko. Zwar wurde bei IVF-Kindern später zu 14 Prozent häufiger ein Autismus und zu 18 Prozent häufiger eine mentale Retardierung (IQ unter 70) diagnostiziert.

Die Assoziation mit dem Autismus war jedoch nicht signifikant (also möglicherweise ein Zufall) und das signifikant erhöhte Risiko einer mentalen Retardierung konnte auf die höhere Rate von Mehrlingsschwangerschaften zurückgeführt werden. Bei insgesamt 6.959 Kindern mit Autismus, davon 103 nach IVF, und 15.830 Fällen einer mentalen Retardierung, davon 180 nach IVF, wäre auch das absolute Risiko gering: Die Prävalenz einer mentalen Retardierung könnte durch IVF von 40 auf 46 pro 100.000 Personenjahre steigen.

Höheres Risiko bei der ICSI
Lediglich nach intrazytoplasmatischer Spermieninjektion scheint das Risiko einer mentalen Retardierung deutlich höher zu sein. Vor allem, wenn die Spermien per Biopsie aus dem Hoden gewonnen werden mussten, was ein Zeichen für eine schwere Infertilität ist: Im Vergleich zur konventionellen IVF kam es mehr als vierfach häufiger zum Autismus. Die Prävalenz stieg von 30 auf 136 pro 100.000 Personenjahre. Das Risiko auf eine mentale Retardierung war 2,35-fach erhöht mit einem Anstieg der Prävalenz von 61 auf 144 pro 100.000 Personenjahre.

Wenn die ICSI mit Spermien aus dem Ejakulat möglich war, was eine geringgradige Infertilität anzeigt, war das Risiko deutlich geringer. Ein Teil des erhöhten Risikos ließ sich erneut auf Mehrlingsschwangerschaften zurückführen. Doch für die ISCI mit chirurgisch extrahierten Spermien blieb das Risiko um den Faktor 2,36 erhöht, wenn ein Embryo nach Kryokonservierung verwendet wurde.

Bei Verwendung eines frischen Embryos war das Risiko noch um 60 Prozent erhöht. Die Prävalenz stieg im ersten Fall von 51 auf 119 pro 100.000 Personenjahre und im zweiten Fall von 51 auf 80 pro 100.000 Personenjahre. Die Ursache für den Anstieg ist unklar. Es könnte sich um eine Folge der hochtechnisierten ICSI-Intervention sein oder aber eine Begleiterscheinung der männlichen Infertilität. © rme/aerzteblatt.de

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