Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Erste Mini-Leber aus Stammzellen

Donnerstag, 4. Juli 2013

Zwei mikroskopische Aufnahmen zeigen Leberknospen dpa

Yokohama – Japanische Stammzellforscher haben im Labor humane embryonale Leberanlagen gezüchtet, die nach einer Transplantation in Mäuse sich zu funktions­fähigen Leberinseln entwickelten. Die Studie in Nature (2013; doi: 10.1038/nature12271) könnte ein Durchbruch zur Entwicklung von Spenderorganen sein, doch eine Anwen­dung beim Menschen scheint noch in weiter Ferne zu liegen.

Seit der Entdeckung embryonaler Stammzellen im Jahr 1981 haben Forscher vergeblich versucht, die pluripotenten Zellen zur Bildung von komplexen Organen wie der Leber zu bewegen. Dabei funktioniert dieser Vorgang in der Natur wie von selbst. Während der Embryonalphase bildet sich in der ventralen Wand des Vorderdarms zunächst eine Knospe aus epithelialen Zellen. Schon bald sind erste Blutgefäße zu sehen und am Ende formt ein Gerüst aus Bindegewebszellen die Architektur der Leber.

Die Leber entsteht mithin aus drei unterschiedlichen Zellarten, den endodermalen Epithelien sowie mesenchymalen und endothelialen Vorläuferzellen. Genau diese drei Zutaten benötigten Takanori Takebe von der Universität von Yokohama und Mitarbeiter, um funktionsfähige Leberknospen im Labor zu züchten.

Die hepatischen endodermalen Zellen hatten sie aus induzierten pluripotenten Stamm­zellen differenziert, die Endothelzellen stammten aus Nabelschnüren. Wurden beide mit mesenchymalen Stammzellen zusammengebracht, kam es mehr oder weniger spontan zur Bildung von Leberknospen, die denen der Embryonalphase des Menschen glichen.

Das Team transplantierte die Leberknospen zunächst ins Gehirn (um die weitere Entwicklung über ein intrakranielles Fenster beobachten zu können) und schließlich in die Peritonealhöhle von (immunsupprimierten) Mäusen. Schon nach 48 Stunden hatten die transplantierten Leberknospen Kontakt zum Gefäßsystem der Mäuse aufgenommen.

In den nächsten Tagen reiften die Leberzellen aus und begannen schließlich mit ihren Syntheseaufgaben. Die japanischen Forscher konnten im Blut der Mäuse menschliches Albumin und Alpha-1-Antitrypsin nachweisen. Nach der Gabe von Ketoprofen und Debrisoquin wurden die für die menschliche Leber typischen Abbauprodukte gebildet – sie unterscheiden sich von den Metaboliten bei der Maus. Ein Tier überlebte laut Takebe nach der Transplantation von 12 Leberknospen sogar ein Leberversagen, das die Forscher zuvor durch Gabe von Ganciclovir induziert hatten.

Takebe sieht in den Experimenten ein enormes therapeutisches Potenzial, weist aber gleichzeitig darauf hin, dass die Forschung sich noch in einem sehr frühen Stadium befindet. Zunächst sind weitere tierexperimentelle Studien notwendig. Mit einer Anwendung beim Menschen sei frühestens in einigen Jahren zu rechnen. © rme/aerzteblatt.de

Anzeige
Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

08.05.17
Yinchuan/Leipzig – Das Leipziger Stammzellenunternehmen Vita34 und die chinesische Firma Avic Biology bauen eine Stammzellenbank in dem asiatischen Land auf. Ein entsprechendes Abkommen sei heute in......
06.04.17
Multiples Myelom: Medikamentöse Therapie in Studie einer Stammzelltherapie gleichwertig
Toulouse – Die Effektivität der medikamentösen Therapie des Multiplen Myeloms hat sich in den letzten Jahren so weit verbessert, dass in einer Phase 3-Studie im New England Journal of Medicine (2017;......
27.03.17
Unsterbliche Zelllinien produzieren Erythrozyten im Reagenzglas
Bristol – Britische Forscher haben eine immortalisierte Zelllinie aus Erythroblasten geschaffen, die im Prinzip in der Lage wäre, rote Blutkörperchen in unbegrenzter Menge herzustellen. Das in Nature......
16.03.17
Miami und Kyoto – In den USA haben drei Frauen nach einer vermeintlichen Stammzelltherapie der altersbedingten Makuladegeneration einen schweren Sehverlust erlitten. In Japan blieben Forscher mit......
03.03.17
Cambridge/England – Das Forscherteam, das im letzten Jahr menschliche Embryonen im Labor bis zum 13. Tag nach der Befruchtung heranreifen ließ, hat seine Experimente – dieses Mal an Mäusen –......
06.02.17
Denver – Eine autologe Stammzelltherapie könnte die effektivste Behandlung der Multiplen Sklerose sein. In einer Phase-2-Studie waren fast alle Patienten mit der schubförmig remittierenden Variante......
27.01.17
Forscher bilden chimäre Embryonen mit menschlichen Anteilen
Palo Alto/La Jolla - Zwei Forschergruppen sind dem Ziel, menschliche Organe in Tieren zu züchten, um sie zu wissenschaftlichen Zwecken oder zur Transplantation zu verwenden, einen Schritt näher......
VG Wort

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige