Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ausland

EU-Parlament warnt vor Folgen der Krise für Gesundheitsfürsorge

Donnerstag, 4. Juli 2013

Straßburg – Das Europaparlament hat sich alarmiert über die Auswirkungen der Wirtschaftskrise auf die Gesund­heitsfürsorge in der EU geäußert. Die Gesund­heitssysteme gerieten vor allem in den Krisenländern der Euro-Zone aufgrund des strikten Sparkurses zunehmend unter Druck, warnte die EU-Volksvertretung am Donnerstag in einer Entschließung.

Dies führe oft zum Ausschluss besonders schutzbedürftiger Bevölkerungsgruppen von ärztlicher Versorgung. Hart betroffen seien vor allem „chronisch Arme“ wie Lang­zeitarbeitslose oder Geringverdiener, alleinerziehende Frauen und ihre Kinder, Behinderte und alte Menschen.  

Das Parlament verwies auf Untersuchungen, nach denen im Jahre 2011 fast ein Viertel der EU-Bevölkerung – an die 120 Millionen Menschen – von Armut und Ausgrenzung bedroht waren. Wenn Schutzbedürftige von ärztlicher Versorgung ausgeschlossen würden, sei dies „falsche Sparsamkeit“, weil dadurch die Kosten im Gesundheitswesen langfristig stiegen.  

 In vielen EU-Staaten seien die Ausgaben für soziale Dienstleistungen drastisch gekürzt und die Eigenbeteiligung für ärztliche Versorgung und Medikament erhöht worden, heißt es in der Entschließung. Gleichzeitig seien Renten und Sozialleistungen gesunken und die Arbeitslosigkeit massiv angestiegen.  

Die EU-Kommission forderten die Abgeordneten auf, Informationen über die Sparmaßnahmen der EU-Staaten im Sozialbereich und bei der Gesundheitsfürsorge zu sammeln und auszuwerten. Die Brüsseler Behörde solle auch die sozialen Folgen dieser Sparmaßnahmen abschätzen. 

Vor allem in den Krisenländern der Euro-Zone, etwa in Griechenland, werde immer mehr Menschen der Zugang zu medizinischer Versorgung erschwert, betonte die SPD-Politikerin Birgit Sippel. Bedürftige seien heute auf die Unterstützung durch Hilfsorganisationen angewiesen, deren Arbeit bisher vor allem außerhalb der EU benötigt wurde. Es sei „ein Skandal“, dass in der EU Menschen für ihre Medikamente betteln oder aus Armut ganz auf eine medizinische Versorgung verzichten müssten.

Die sozialdemokratische Fraktion im Europaparlament forderte unterdessen einen Untersuchungsausschuss, der die Aktivitäten der Troika – Vertreter von EU-Kommission, Europäischer Zentralbank (EZB) und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) – in den EU-Krisenländern unter die Lupe nehmen soll. Dies teilte der SPD-Finanzexperte Udo Bullmann mit. Die Politik der Troika treibe die bereits angeschlagene Länder „immer weiter in die Rezession“, sagte er.

Das Parlament müsse die Vertreter der Troika in öffentlichen Anhörungen zur Rede stellen. „Die für die explodierende Arbeitslosigkeit und Armut Verantwortlichen müssen endlich Farbe für ihr Handeln bekennen.“ © afp/aerzteblatt.de

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

07.04.17
Hannover – Niedersachsen hat sich um den neuen Sitz der Europäischen Arzneimittel-Agentur beworben. Dies teilte die Landesregierung heute mit. Sollte die Bewerbung erfolgreich sein, würde die European......
05.04.17
EU-Parlament beschließt strengere Überwachung von Medizinprodukten und Diagnostika
Straßburg – Die strengere Überwachung von Medizinprodukten und In-vitro-Diagnostika hat das Europäische Parlament heute in Straßburg beschlossen. Mehr als vier Jahre hatten das Parlament, die......
23.03.17
Berlin – Nach dem Votum der Briten, aus der Europäischen Union auszutreten, wird die „European Medicines Agencies“ (EMA) aus London weg und in ein EU-Land umziehen müssen. Die Deutsche......
07.03.17
Brüssel – Vertreter der 28 Mitgliedstaaten im EU-Ministerrat haben heute den Kompromiss zur EU-Medizin­produkte­verordnung angenommen. Darauf hat der gesundheitspolitische Sprecher der größten Fraktion......
22.02.17
Hamburg – Nach Berlin und Bonn will nun auch Hamburg zum neuen Sitz der Europäischen Arzneimittelbehörde EMA werden. Die zuständigen Senatoren für Gesundheit und Wirtschaft hätten das Interesse der......
02.02.17
Brüssel/Berlin – Gesundheitsthemen gehören nicht zur offiziellen Prioritätensetzung der neuen EU-Ratspräsidentschaft Malta, die das Amt seit dem 1. Januar übernommen hat. Allerdings haben......
16.12.16
„Gezielte Angriffe auf Krankenhäuser“: Syriendrama schockt EU-Gipfel
Brüssel – Bundeskanzlerin Angela Merkel hat Russland und dem Iran schwerste Vergehen im Kampf um die syrische Stadt Aleppo vorgeworfen. Sie sprach von „gezielten Angriffen auf Zivilpersonen (...), auf......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige