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Medizin

Erhöhtes Fehlbildungsrisiko bei Cousinenehe

Donnerstag, 4. Juli 2013

Bradford – Wenn Cousin und Cousine heiraten, kommt es unter den Kinder häufiger zu Fehlbildungen. Dies zeigt eine Studie im Lancet (2013; doi: 10.1016/S0140-6736­(13)61132-0), die in einer der größten pakistanischen Gemeinschaften in England durchgeführt wurde. Königin Victoria und Prinz Albert, Kaiser Franz Joseph und Sisi, Albert und Elsa Einstein, Charles Darwin und Emma Wedgwood. Ehen unter Blutsver­wandten waren in der Vergangenheit in Westeuropa nicht ungewöhnlich.

Auch die genetischen Risiken waren bekannt. Darwin und Wedgwood verloren drei ihrer zehn Kinder, und die Folgen der Konsanguinität im europäischen Adel haben mehrmals den Verlauf der Geschichte beeinflusst. Heute finden sich Verwandtenehen vor allem bei Migranten aus islamischen Ländern, in denen der Anteil der Ehen unter Vettern hoch ist. (In einigen Regionen Saudi-Arabiens ist er mit einem Anteil von über 50 Prozent eher die Regel als die Ausnahme.

Bei der sogenannten Cousinenehe I. Grades stammen 1/8 der Gene von einem gemeinsamen Vorfahren: 6,25 Prozent aller Gene sind auf beiden Chromosomen identisch. Jedes rezessive Merkmal kann dann zu einer Erkrankung führen. Eine mög­liche Manifestation sind Fehlbildungen.

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In Großbritannien sind Verwandtenehen vor allem bei Einwanderern aus Pakistan häufig. In Bradford, der Stadt mit dem höchsten Anteil pakistanischstämmiger Einwohner in Großbritannien, liegt der Anteil der Ehen zwischen Cousins und Cousine in dieser Bevölkerungsgruppe bei 37 Prozent. Hinzu kommen noch einmal 22 Prozent Blutsverwandte entfernteren Grades.

Zu den Zielen der „Born in Bradford Study“ gehört es, die Folgen der Konsanguinität zu untersuchen. Die Kohorte umfasst 13.500 Kinder, die zwischen März 2007 und Dezember 2010 an der Bradford Royal Infirmary geboren wurden, und seither regelmäßig nachbeobachtet werden. Fast die Hälfte der Kinder sind pakistanischstämmig.

Der Anteil der angeborenen Fehlbildungen beträgt in dieser Gruppe 5 Prozent gegenüber 2 Prozent im weißen britischen Bevölkerungsanteil. Von den 233 Fehlbildungen von Kindern pakistanischer Mütter entfiel die Hälfte (120 Kinder) auf Kusinenehen I. Grades und ein weiteres Viertel (59 Kinder) auf andere Blutsver­wandtschaften.

Diese Rohdaten sind allein nicht aussagekräftig, da es neben der Konsanguinität noch andere Faktoren (wie Alter der Eltern oder auch soziale Herkunft) gibt, die das Fehlbildungsrisiko beeinflussen können. Aufgrund der Fülle der gesammelten Daten konnten Eamonn Sheridan vom Bradford Institute for Health Research und Mitarbeiter in ihrer Analyse jedoch verschiedene Verzerrungen ausschließen.

Es blieb bei einem deutlichen Einfluss der Konsanguinität. Die Cousinenehe I. Grades erhöhte laut der Multivariat-Analyse das Risiko auf eine Fehlbildung des Kindes um den Faktor 2,19 (95-Prozent-Konfidenzintervall 1,67-2,85). Laut den Berechnungen von Sheridan könnten 31 Prozent aller Fehlbildungen bei den Kindern pakistanischer Herkunft in Bradford auf eine Cousinenehe I. Grades zurückzuführen sein.

Zum "Fingerzeigen" auf die pakistanischen Traditionen besteht übrigens kein Anlass. Die Tendenz unter der weißen britischen Bevölkerung, die Kinder zu einem immer höheren Lebensalter zu bekommen, war in der Analyse von Sheridan ebenfalls mit einem um 83 Prozent erhöhten Fehlbildungsrisiko assoziiert (multivariates relatives Risiko 1,83; 1,14-3,00).

Ein guter Ausbildungsstand war dagegen ein protektiver Faktor. Mütter mit einem Diplom bekamen nur halb so häufig Kinder mit Fehlbildungen – auch wenn sie pakistanisch­stämmig sind. Diese Mütter meiden häufiger Risiken, die Fehlbildungen bei den Kindern auslösen. Bei Frauen pakistanischer Herkunft kann Bildung vermeiden, an einen Verwandten verheiratet zu werden. © rme/aerzteblatt.de

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