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Medizin

Zöliakieartige Durchfälle unter Blutdruckmedikament Olmesartan

Donnerstag, 4. Juli 2013

Rockville – Unter der Behandlung mit dem Angiotensin-II-Rezeptorblocker Olmesartan kann es zu einer schweren Durchfallerkrankung mit Gewichtsverlust kommen, die wie die Zöliakie (einheimische Sprue) mit einer Atrophie und Entzündung der Dünndarmmukosa einhergeht. Die US-Arzneibehörde FDA hat jetzt den Hinweis auf eine „Sprue-ähnliche Enteropathie“ in die Fachinformation des Antihypertensivums aufgenommen.

Der Zusammenhang war zuerst Gastroenterologen der Mayo Clinic in Rochester, genauer gesagt zwei ihrer Patienten aufgefallen. Diese litten unter einer schweren Sprue, die sich wundersamerweise während eines Kranken­haus­auf­enthaltes vorübergehend gebessert hatte.

In der Klinik hatten die Ärzte die Hochdruckmedikamente wegen eines Blutdruckabfalls abgesetzt, als die Patienten nach der Entlassung wieder Olmesartan einnahmen, kam es erneut zur Sprue. Dem Team um Alberto Rubio-Tapia, das an der Mayo Clinic die Zöliakie-Diagnostik betreibt, wurde stutzig, weil ein Drittel der Patienten mit kollagenöser Sprue Olmesartan auf der Medikationsliste hatte.

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Im letzten Jahr publizierten die Mediziner eine Serie von 22 Patienten, bei denen sich die Symptome und die histologischen Darmbefunde besserten, nachdem sie Olmesartan abgesetzt hatten (Mayo Clinic Proceedings 2012; 87: 732-8).

Die FDA recherchierte in ihrer Datenbank FAERS (Adverse Event Reporting System) 23 UAW-Meldungen mit schweren Durchfallerkrankungen, die sich nach dem Absetzen von Olmesartan besserten. Bei zehn Patienten kam es bei einer erneuten Exposition mit Olmesartan wieder zu Darmbeschwerden. Die FDA geht deshalb von einem kausalen Zusammenhang aus. Die Ursache der „Sprue-ähnliche Enteropathie“ ist unklar. Da sie bei Patienten auftrat, die bereits über Monate oder Jahre mit Olmesartan behandelt worden waren, könnte es sich um eine verzögerte Hypersensitivität oder um eine zellvermittelte Immunantwort handeln, heißt es in der Drug Safety Communication der FDA.

Die Patienten werden gebeten, sich an ihren Arzt zu wenden, wenn es unter der Thera­pie mit Olmesartan zu einer chronischen Durchfallerkrankung mit Gewichtsverlust kommt. Die Ärzte sollen dann, sofern keine andere Ursache vorliegt, auf einen anderen Wirkstoff wechseln und die Entwicklung beobachten. In den USA wurde im letzten Jahr 1,9 Millionen Patienten Olmesartan verschrieben. Die Nebenwirkung ist demnach selten. Es ist aber nicht auszuschließen, dass Ärzte mangels Kenntnis des Zusammenhangs die Diagnose nicht gestellt haben. © rme/aerzteblatt.de

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