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Medizin

China: Hohe Schwebstaubbelastung verkürzt Lebenserwartung

Dienstag, 9. Juli 2013

dpa

Cambridge – Mit einem Gesetz, dass allen Chinesen nördlich des Huai-Flusses kosten­lose Kohle für die Winterheizung garantierte, hat die Regierung unter Mao Zedong dazu beigetragen, dass die Lebenserwartung der Bevölkerung deutlich niedriger war als im Süden des Landes, was eine Studie in den Proceedings of the National Academy of Sciences PNAS (2013; doi: 10.1073/pnas.1300018110) auf die im Norden höhere Schwebstoffbelastung zurückführt.

Die kommunistische Zentralregierung räumte in der Zeit zwischen 1950 und 1980 allen Chinesen ein Grundrecht auf kostenlose Kohle für die Winterheizung ein. Da das Geld nicht ausreichte, trat das Gesetz jedoch nur für die Bewohner nördlich des Huai-Fluss in kraft, der in Ost-West-Richtung fließt, und das Reich der Mitte in den kalten Norden und den wärmeren Süden teilt.

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Eine ungewollte Folge der Gesetzgebung war eine deutliche Verschlechterung der Luft­qualität im Norden, wo auch heute noch die Schwebstaubkonzentration in der Luft um etwa 55 Prozent höher ist als im Süden. Da die „hukou“-Politik die Mobilität der Chinesen lange Zeit beschränkte, konnte das Team um Michael Greenstone vom Massachusetts Institute of Technology in Cambridge untersuchen, welche Auswirkungen die Luftver­schmutzung auf die Sterblichkeit hat.

Die Auswertung der Gesundheitsstatistiken zeigte, dass die Bewohner des Nordens im Durchschnitt 5,5 Jahre früher sterben als ihre Landsleute im Süden, wobei die Über­sterblichkeit vor allem auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen zurückzuführen ist. Bezogen auf die etwa 500 Millionen Nordchinesen ergibt dies einen Gesamtverlust von 2,5 Milliarden Lebensjahren.

Greenstone korreliert die Sterbeziffern mit den Schwebstoffkonzentrationen (total suspended particulates, TSE) in der Luft, die heute – trotz Aufhebung des Gesetzes – im Norden zu 55 Prozent höher ist als im Süden. Nach seinen Berechnungen geht jeder Anstieg der TSE um 100 µg/m3 mit einer Verminderung der Lebenserwartung um 3,0 Jahre einher.

Da Greenstone allerdings keine Messwerte aus den 50er bis 80er Jahren zur Verfügung standen, müssen diese Ergebnisse sicherlich mit Fragezeichen versehen werden. Auf Europa oder die USA lassen sich die Ergebnisse kaum übertragen, da die Luftqualität hier wesentlich besser ist.

Nach den offiziellen Statistiken (die durchaus noch geschönt sein könnten) liegt die TSE-Konzentration in China bei mehr als 400 µg/m3. In Peking – ebenfalls nördlich des Huai-Flusses gelegen – wurden zuletzt mehr als 700 µg/m3 gemessen. In Deutschland liegt Schwebstoffkonzentration auch in den Städten bei unter 30 µg/m3. © rme/aerzteblatt.de

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