NewsÄrzteschaftPatienten sind mit ihren Ärzten sehr zufrieden
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ärzteschaft

Patienten sind mit ihren Ärzten sehr zufrieden

Dienstag, 9. Juli 2013

dpa

Berlin ­ – Die Patienten sind in der überwiegenden Mehrzahl mit ihren Ärzten zufrieden. Jeweils 46 Prozent bewerten die Fachkompetenz des zuletzt von ihnen besuchten Arztes als sehr gut und gut. Das Vertrauensverhältnis zu diesem Arzt empfinden 51 Prozent zudem als sehr gut sowie 40 Prozent als gut. Das geht aus der Versichertenbefragung 2013 der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) hervor, die heute in Berlin vorge­stellt wurde. „Die Kontinuität bei der Bewertung des Vertrauensverhältnisses und der Fachkompetenz ist erstaunlich hoch“, befand Matthias Jung, Vorstand der Forschungs­gruppe Wahlen, die im Auftrag der KBV 6.093 Menschen im Alter von 18 bis 79 Jahren befragt hatte. Denn seit der Umfrage im Jahr 2006 hätten sich diese Werte kaum verändert.

„Wir sehen: Auch wenn Ärzte in der öffentlichen Diskussion immer wieder unter den Generalverdacht unlauteren Handelns gestellt werden, so sind die persönlichen Erfahrungen der Versicherten in der Regel positiv und werden auch entsprechend gewürdigt“, kommentierte der Vorstandsvorsitzende der KBV, Andreas Köhler.

Anzeige

Wartezeiten auf einen Arzttermin sind nicht zu lang
Konstant sind auch die Angaben der Befragten zum Thema Wartezeit. Seit 2008 gab die Hälfte der Befragten an, auf einen Arzttermin nicht gewartet zu haben beziehungsweise eine Praxis aufgesucht zu haben, die keine Termine vergibt. Etwa jeder Fünfte wartete zudem bis zu drei Tagen auf einen Termin und jeder Dritte mehr als drei Tage.

Elf Prozent der gesetzlich Versicherten warteten darüber hinaus länger als drei Wochen auf einen Termin sowie vier Prozent der privat Versicherten. „Bei der Wartezeit gibt es durchaus Unterschiede zwischen der gesetzlichen und der privaten Kranken­versicherung“, erklärte Köhler. Es sei jedoch absurd zu glauben, dass es diese Unterschiede auch in Bezug auf die medizinische Behandlungsqualität gebe.

Länger als drei Wochen müssen Patienten vor allem auf einen Facharzttermin warten: 21 Prozent der Versicherten machten diese Angabe – auf einen Hausarzttermin mussten im Vergleich nur drei Prozent der Befragten so lange warten. „Wir müssen das Thema Warte­zeit bei Fachärzten dringend angehen“, sagte Köhler. In der Kassenärztlichen Vereinigung Mecklenburg-Vorpommern sei beispielsweise ein Anreizsystem umgesetzt worden, das eine monetäre Belohnung für beide beteiligten Ärzte vorsehe, wenn ein Hausarzt für seinen Patienten kurzfristig einen Termin bei einem Facharzt vereinbare. „Das funktioniert sehr gut“, so Köhler.

Die überwiegende Mehrheit der Befragten fand die Wartezeit auf einen Arzttermin im Übrigen nicht zu lang: Lediglich neun Prozent machten diese Angabe.

„Immer mehr Fachärzte fehlen in der wohnortnahen Grundversorgung“
Einen Ärztemangel spüren die Versicherten insbesondere im fachärztlichen Bereich. Während 19 Prozent der Befragten angaben, es gebe nicht genügend Hausärzte in ihrer Wohnortnähe, waren es bei den Fachärzten bereits 38 Prozent. Zu wenige Hausärzte sehen insbesondere die Befragten in den ostdeutschen Bundesländern Sachsen-Anhalt (45 Prozent), Thüringen (41 Prozent), Brandenburg (37 Prozent) und Sachsen (35 Prozent). Zu wenige Fachärzte sehen die Befragten in Brandenburg (61 Prozent), Thüringen (60 Prozent) sowie Sachsen und Sachsen-Anhalt (jeweils 59 Prozent). Am häufigsten fehlten aus Sicht der Versicherten Orthopäden, Augenärzte, Hautärzte, Psychiater und HNO-Ärzte.

„Diese Ergebnisse bestätigen den Trend, wonach immer mehr Fachärzte für die wohnortnahe Grundversorgung fehlen“, sagte KBV-Vorstand Regina Feldmann. Wenn der Ärztemangel durch den Hinweis auf insgesamt steigende Arztzahlen negiert werde, so werde damit das eigentliche Problem verkennt. Denn es komme nicht nur darauf an, dass Ärzte ausgebildet würden und sich niederließen, sondern auch welche. „Die immer stärkere Spezialisierung in der Medizin trägt nicht dazu bei, die Grundversorgung in einer ganz normalen Kleinstadt zu sichern“, so Feldmann. „Im Gegenteil.“

Thema IGeL ist für Versicherte kein Problem
Bei den individuellen Gesundheitsleistungen (IGeL) gaben neun von zehn Befragten an, ausreichend Bedenkzeit nach dem Angebot erhalten zu haben. Jeder fünfte Patient hatte bei seinem letzten Arztbesuch eine IGeL-Leistung von seinem Arzt angeboten be­kommen. In 77 Prozent der Fälle kam dieses Angebot von einem Facharzt – ein Anstieg um 14 Prozent.

„Hier zeigen die Ergebnisse, dass dieses Thema von den Versicherten überhaupt nicht als problematisch angesehen wird“, sagte Feldmann. 65 Prozent der Versicherten hätten das IGeL-Angebot ihres Arztes schließlich angenommen. Interessant sei in diesem Zusammenhang, dass unter den Facharztgruppen, die ein hohes Vertrauen der Patienten genießen, auch gerade solche sind, die angeblich besonders IGeL-affin sind, wie etwa Frauen- und Augenärzte. „Das alles spricht für einen entspannten und pragmatischen Umgang mit IGeL in der Praxis“, so Feldmann.

116 117 ist kaum bekannt
Die neue Nummer für den ärztlichen Bereitschaftsdienst ist den wenigsten Versicherten bekannt. Nur vier Prozent der Gesamtbevölkerung kenne die Nummer 116 117, sagte Jung. Zwei von drei Befragten hatten angegeben, die Nummer gar nicht zu kennen. Etwa jeder Dritte nannte zudem eine falsche Nummer, zum Beispiel die 112.

23 Prozent der Befragten wenden sich nachts oder am Wochenende an den ärztlichen Bereitschaftsdienst, wenn sie Hilfe brauchen. 27 Prozent benachrichtigen den Rettungsdienst und 38 Prozent gehen ins Krankenhaus oder eine Notfallambulanz. „Dabei ist es in den meisten nicht lebensbedrohlichen Fällen auch für die Patienten angenehmer, wenn sie nicht ins Krankenhaus oder den Rettungsdienst verständigen müssen“, sagte Köhler. Hinzu komme, dass der ärztliche Bereitschaftsdienst für das Gesundheitssystem viel kostengünstiger sei. Es wäre also im Interesse aller, wenn die Nummer 116 117 den Menschen genauso bekannt wäre wie die Nummer 112.

Köhler: Wartezeit auf Psychotherapieplatz kürzer als oft kolportiert
Erstmals wurde im Rahmen der KBV-Versichertenbefragung auch die psychotherapeutische Versorgung thematisiert. 12 Prozent der Befragten gaben dabei an, in den letzten drei Jahren ärztliche oder psychologische Hilfe infolge seelischer Probleme benötigt zu haben. Zwei von drei dieser Versicherten haben dann auch tatsächlich eine Psychotherapie begonnen.

Die Wartezeit auf einen Termin beim Psychotherapeuten sei dabei nicht ganz so negativ ausgefallen wie oft kolportiert werde, betonte Köhler. Denn ein gutes Drittel der Patienten habe innerhalb einer Woche einer Termin bekommen. Gut ein Viertel habe sich einen Monat gedulden müssen, ein weiteres Drittel länger als einen Monat. Und nur 16 Prozent hätten länger als drei Monate warten müssen. © fos/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

18. Juni 2020
Dresden – Ärzte und Psychotherapeuten, die in unterversorgten oder unzureichend versorgten Regionen Sachsens tätig werden wollen, erhalten ab 1. Juli mehr Geld. Der Landesausschuss der Ärzte und
Sachsen: Mehr Geld soll Ärzte in unterversorgte Regionen locken
9. Juni 2020
Saarbrücken – Für ein Medizinstudium im Rahmen der neu eingeführten Landarztquote im Saarland haben sich 112 junge Menschen beworben. Das teilte heute das saarländische Ge­sund­heits­mi­nis­terium mit.
Saarland: 112 Bewerber auf Landarztquote
9. Juni 2020
Stuttgart – Mit einem reformierten Angebot für Medizinstudierende und mit zusätzlichen Studienplätzen will die Landesregierung Baden-Württemberg für mehr Landärzte sorgen. Einen entsprechenden
Kabinett in Baden-Württemberg billigt Pläne für mehr Landärzte
4. Juni 2020
Stuttgart – Mit einem flexibleren Medizinstudium will die Landesregierung in Baden-Württemberg das Interesse am Arztberuf auf dem Land steigern und die Lücken in der Versorgung füllen. Von den
Baden-Württemberg will den „Landarzt 2.0“
27. Mai 2020
Berlin – Die Deutsche Gesellschaft Interdisziplinäre Notfall- und Akutmedizin (DGINA) fordert mehr Personal für die Notfallmedizin und bessere Rahmenbedingungen. „Gerade die vergangenen Wochen der
Fachgesellschaft will mehr Stellen in der Notfallmedizin
25. Mai 2020
Mainz – Jeder zweite berufstätige Arzt in Rheinland-Pfalz ist 50 Jahre oder älter, jeder vierte 60 oder darüber. „Immer mehr Ärzte rücken immer näher an die Phase ihres Ruhestandes heran, aber immer
Jeder vierte berufstätige Arzt in Rheinland-Pfalz ist 60 Jahre oder älter
15. Mai 2020
Halle/Leipzig – Forscher der Universitäten Leipzig und Halle haben ein neues Lehrkonzept „MiLaMed“ (Mitteldeutsches Konzept zur longitudinalen Integration landärztlicher Ausbildungsinhalte und
VG WortLNS LNS LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER