Medizin

S3-Leitlinie zum kolorektalen Karzinom aktualisiert

Dienstag, 9. Juli 2013

Berlin – Auf ihre aktualisierte S3-Leitlinie „Kolorektales Karzinom“ hat die Deutsche Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) hingewiesen. „Die Behandlung des Kolorektalkarzinoms geschieht in Deutschland auf hohem Niveau, und seit der letzten Version der Leitlinien aus dem Jahr 2007 wurden erhebliche Fortschritte gemacht“, erläutert Wolff Schmiegel, Direktor der Medizinischen Universitätsklinik am Knappschaftskrankenhaus der Ruhr-Universität Bochum. Er leitet die Gruppe, die unter Federführung der DGVS die neue S3-Leitlinie entwickelt hat. Überarbeitet sind darin vor allem die Themen Diagnostik, Prävention, Risikogruppen, Screening sowie Therapie und Nachsorge. Ergänzt wurden außerdem Informationen zu erblichem Darmkrebs.

Standardverfahren für die Therapie von Darmkrebs ist laut der Leitlinie weiterhin die Operation. Den erkrankten Darmabschnitt entfernen Ärzte in vielen Kliniken minimal­invasiv. Im fortgeschrittenen Stadium schließt sich daran eine Chemotherapie an. „Diese adjuvante Therapie erhöht die Heilungschancen, garantiert allerdings nicht, dass der Krebs besiegt wird“, sagte der Leitlinienkoordinator Christian Pox von der Medizinischen Universitätsklinik Bochum.

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„Wir können der Bevölkerung deshalb nur dringend raten, an den Vorsorge­unter­suchungen teilzunehmen“, betonen die beiden DGVS-Experten. Die Leitlinie empfiehlt einen Beginn der Vorsorge mit 50 Jahren, bevorzugt mit einer Koloskopie. Eine Alternative seien Stuhluntersuchungen. Neue immunologische Stuhltests ergänzten die bisher standardmäßig eingesetzten Löschblatttests. Der Vorteil der Darmspiegelung bestehe darin, dass der Arzt dabei entdeckte Polypen direkt abtrage und so Krebs wirksam verhindere.

„Besonders wichtig ist die Identifikation von Patienten mit einer erblichen Form von Darmkrebs, da für diese Gruppe die Vorsorge schon deutlich früher beginnen sollte, in der Regel mit 25 Jahren“ betonte Schmiegel.

Die Leitlinie enthält auch Tipps zur Darmkrebsvorsorge. „Studien haben gezeigt, dass körperliche Aktivität, der Verzicht auf Zigaretten und übermäßigen Alkoholkonsum das Darmkrebsrisiko senken“, so Pox. Rotes Fleisch wie Rind, Kalb, Schwein und Lamm seien sparsam zu genießen, ebenso Wurst und Frikadellen. Die DGVS rät zu ballast­stoffreicher Kost mit viel Obst und Gemüse – wenn auch gesunde Ernährung Darmkrebs nicht völlig verhindern könne.

Mit mehr als 73 000 Neuerkrankungen pro Jahr gehört Darmkrebs zu den häufigsten bösartigen Tumoren in Deutschland. Etwa 27.000 Menschen sterben daran. © hil/aerzteblatt.de

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