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Ausland

Warum in Spanien mehr Organe gespendet werden

Dienstag, 9. Juli 2013

Berlin – Kritik am deutschen System der Organspende hat der Direktor der spanischen Nationalen Transplan­tations­organisation, Rafael Matesanz, geübt. „Ich halte es für eine völlig ungeeignete Strategie, Geld in Kampagnen zu stecken, wenn das Ziel sein soll, die Organspende zu steigern“, sagte er im Interview mit der Zeitung taz. Laut Matesanz ist es nicht vorrangig, dass viele Bürger eine positive Einstellung zur Organspende haben: „Es ist unerheblich, wie viele Menschen einen Ausweis tragen oder sich theoretisch zur Organspende bekennen. Was zählt, ist die Zahl der tatsächlichen Spender“, betonte er.

Dies aber sei in erster Linie eine Frage der Organisation in den Krankenhäusern. „Wir haben die Überzeugung der Menschen Überzeugung sein lassen und stattdessen unsere Kräfte konzentriert auf diesen einen Moment am Lebensende, wenn es darum geht, ob Organe gespendet werden dürfen“, so Matesanz.

Die spanische Nationale Transplantationsorganisation habe daher seit 1989 mehr als 15.000 Intensivmediziner, Krankenpfleger, Notfallärzte und Transplantationsbeauftragte geschult. Dabei gehe es um Gesprächsführung mit den Angehörigen, aber auch darum, potenzielle Spender zu identifizieren. „Es ist unser Ziel, in jeder Notaufnahme eine Person zu haben, die nur dafür zuständig ist, potenzielle Spender zu entdecken“, sagte er.

Die Gespräche mit den Angehörigen um die Organspende bezeichnete er als „proaktiv“. Es sei die Aufgabe des Transplantationsbeauftragten, die Familie von den Vorzügen der Organspende zu überzeugen. Zwar werde sich niemand über den Willen von Patienten oder Angehörigen hinwegsetzen, aber, „ich glaube, dass in Deutschland viele das Problem nicht verstanden haben: Aufgrund des Organmangels sterben Menschen!“, sagte er.

Er betonte, dass die Transplantationsbeauftragten an spanischen Kliniken keine Kopfprämie bekämen. „Aber sie erhalten ein zusätzliches Gehalt, dessen Höhe von der Größe des Krankenhauses und der Gesamtzahl der Spender abhängt“, erklärte er.

Matesanz kritisierte, dass in Deutschland Organspenden nur nach dem Hirntod erlaubt sind und nicht nach einem Herzstillstand. „Es ist mir ein Rätsel, weshalb in Deutschland verboten ist, was Ihre Nachbarn für legal und bioethisch vertretbar halten“, sagte er.

Mit 35,3 Organspenden pro eine Million Einwohner ist Spanien innerhalb der EU Spitzenreiter. In Deutschland gibt es 14,7 Spender pro eine Million Einwohner. © hil/aerzteblatt.de

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