NewsÄrzteschaftKV Baden Württemberg für Zentralisierung bei den Kliniken
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ärzteschaft

KV Baden Württemberg für Zentralisierung bei den Kliniken

Donnerstag, 11. Juli 2013

Stuttgart – „Wir halten es für wichtig, dass die Landesregierung ihren eingeschlagenen Weg weitergeht und die Krankenhauslandschaft konsequent den künftigen Heraus­forderungen anpasst.“ So kommentierte der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Baden Württemberg, Norbert Metke, die Diskussion um die Krankenhauslandschaft in Baden-Württemberg.

„Gerade der Krankenhausbereich hat die höchsten Zuwachsraten hinsichtlich der Mittel, so dass niemand um die Überprüfung und Optimierung der Krankenhauslandschaft herumkommt“, sagte der stellvertretende KV-Vorstandsvorsitzende Johannes Fechner. Die Versorgung auf leistungsstarke und wirtschaftliche Krankenhäuser zu zentralisieren, sei daher „unumgänglich“.

Anzeige

„Fortschritt und die Komplexität der Medizin erfordern zentrale Versorgungseinheiten, die die vorhandenen Ressourcen optimal nutzen. Bekanntlich steigt auch die Qualität ärztlicher Leistung bis zu einem gewissen Punkt mit der Frequenz“, sagte Metke und kritisierte die Haltung von einigen Landräten und Teilen der Politik, die sich für eine „Überregionalisierung und Parzellierung“ der medizinischen Versorgung im Lande einsetzten.

„Es ist schon grotesk, wenn Kran­ken­haus­struk­tu­ren außerhalb jeglichen Bedarfs als lokale Denkmäler geschaffen werden. Wir erwarten von der Politik, dass sie da einen Riegel vorschiebt, auch wenn es den eigenen Landkreis betreffen sollte“, so der KV-Vorsitzende. © hil/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #93325
rostm
am Freitag, 12. Juli 2013, 15:57

Plädoyer für die kleineren Krankenhäuser

Herrn Metke muss man zumindest in Teilen widersprechen.
Die Bevölkerungsentwicklung führt dazu, dass vor allem in ländlichen Regionen immer mehr alte Menschen wohnen. Für diese Menschen ist ein überschaubares Krankenhaus in erreichbarer Entfernung wichtiger als eine Klinik der Maximalversorgung in weiter Entfernung, in dem die ganze Maximaldiagnostik oft unnötigerweise über sie gestülpt wird.
Als Mitarbeiter eines kleinen Krankenhauses im ländlichen Raum weiß ich, wie wichtig es für solche Menschen ist, überschaubare Strukturen vorzufinden und Menschen, die sie individuell nach ihren Bedürfnissen und mit Vernunft versorgen. Das ist letztendlich auch kostengünstiger als die „Fabrikmedizin“. Immer wieder höre ich nach einem „Ausflug“ in die Großklinik: „Gott sei dank bin ich wieder hier!“.
Aber auch jüngere Menschen suchen – mit immer weiter sinkender kassenärztlicher Präsenz – das nahe Krankenhaus auf, wenn sich akute Gesundheitsstörungen bemerkbar machen. Viele davon sind auch ohne Maximalversorgung gut zu behandeln, und diejenigen, welche eine Schwerpunkt- oder Maximalversorgung benötigen, werden weitergeleitet. Letztendlich entlastet dies auch die Schwerpunkthäuser von Routinefällen.
Ich weiß auch von den niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen, dass sie die Nähe, die persönlichen Kontakte, die wirklich vorhandene flache Hierarchie und die gute Erreichbarkeit von kompetenten Ansprechpartnern in ihrem lokalen Krankenhaus schätzen. Und für neu Niedergelassene bedeutet es immer eine zusätzliche Sicherheit, hier jederzeit Ansprechpartner bei Problemen zu haben. Das Großklinikum in der fernen Kreisstadt kann solches nicht leisten.
Nicht zuletzt sollten auch bei unweigerlich steigenden Treibstoffpreisen die immer weiter steigenden Transportkosten berücksichtigt werden, und zwar sowohl was die öffentliche Logistik (d.h. Rettungsdienst, Notarztdienste, Hubschrauber usw.) betrifft als auch den privaten Bereich, wenn nämlich der Besuch der kranken Mutter im Großklinikum der fernen Kreisstadt zum fast unbezahlbaren Luxus werden wird.
Ich bin überzeugt – in 10 Jahren wird man neidvoll auf die Regionen blicken, die der Zentralisierungstendenz widerstanden und ihre kleineren örtlichen Krankenhäuser erhalten haben.
Dass hierzu eine Änderung der Finanzierungsstrukturen und bessere Arbeitsbedingungen erforderlich sind, um die Attraktivität für die dort Arbeitenden zu erreichen, und um das notwendige Personal zu rekrutieren, steht für mich allerdings außer Zweifel. Ansonsten tritt ein Teufelskreis in Bewegung: immer weniger Infrastruktur auf dem Land führt zu immer weniger Menschen, die dort noch wohnen und arbeiten mögen, was seinerseits zu einem weiteren Abbau der Infrastruktur führt.
LNS
LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER