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Medizin

Prostatakarzinom: Autonomes Nervensystem fördert Wachstum

Freitag, 12. Juli 2013

New York – Prostatakarzinome lassen möglicherweise das autonome Nervensystem für sich arbeiten. Nach einer Studie in Science (2013; doi: 10.1126/science.1236361) könnte im Anfangsstadium des Krebsleidens das sympathische Nervensystem das Tumorwachstum fördern, während der Parasympathikus in den späteren Stadien involviert ist. Die Ergebnisse liefern eine Erklärung für eine in epidemiologischen Studien aufgefallene krebspräventive Wirkung von Betablockern und könnten zu neuen Therapieansätzen in der Krebstherapie führen.

Die Eigenschaft von Prostatakarzinomen, sich entlang der Nerven auszubreiten, wird als perineurale Invasion betrachtet. Bislang gingen die Pathologen davon aus, dass die Nerven als Leitschiene eine passive Rolle spielen. Eine Reihe von Experimenten an Mäusen und menschlichen Zellen, die das Team um Paul Frenette vom Albert Einstein College of Medicine in New York durchgeführt hat, lassen aber vermuten, dass die Nerven aktiv in das Krebsgeschehen eingreifen.

So könnten sympathische Neurone durch die Freisetzung von Adrenalin und Noradrenalin das Tumorwachstum fördern. Gen-Mäuse, denen die Rezeptoren für diese beiden Stresshormone fehlen, erkrankten in den Experimenten selten an einem Prostatakarzinom.

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Frenette weist in diesem Zusammenhang auf epidemiologische Studien hin, in denen die Einnahme von Betablockern mit einer niedrigeren Rate von Prostatakarzinomen (und anderen Krebserkrankungen) assoziiert war. Nicht ganz ins Bild passt allerdings, dass die zur Hochdrucktherapie eingesetzten Mittel an den Subtyp Beta 1 des Rezeptors binden, während in der Prostata die Subtypen Beta 2 und 3 vorkommen.

Der Parasympathikus scheint in den späteren Stadien der Krebserkrankung einzugreifen. Die Blockade der muskarinischen Acetylcholinrezeptoren vom Typ 1 blockierte in den Experimenten die Tumorstreuung in die Lymphdrüsen und verlängerte die Überlebenszeiten der Tiere. Untersuchungen an 43 menschlichen Tumorpräparaten zeigten, dass sich in der Nähe der Tumorkapsel sympathische Fasern befinden, während der Tumor selbst von parasympathischen Fasern durchzogen ist, deren Anzahl mit der Aggressivität des Tumors korrelierte.

Doch so verlockend diese Studienergebnisse auch sein mögen, ein Beleg für eine Behandlung der Tumorpatienten mit Betablockern oder eine Vagotomie lassen sich aus tierexperimentellen Studien nicht ableiten. Ob die Therapieansätze funktionieren, können nur klinische Studien zeigen. © rme/aerzteblatt.de

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