Politik

„Palliativmedizin besser als wenig wirksame Medikamente“

Montag, 15. Juli 2013

München – Der Palliativmediziner Gian Domenico Borasio hält nichts von teuren und kaum wirksamen Medikamenten am Lebensende. Diese seien „weder ethisch noch ökonomisch akzeptabel“, sagte Borasio dem Magazin Focus. Neue Krebsmedikamente, die das Leben der Patienten um einige Wochen verlängerten, verschlimmerten das Leiden oft erheblich. Dagegen erhöhe die Palliativmedizin die Lebensqualität.

Borasio warf der Gesundheitsindustrie vor, die Verzweiflung von Menschen auszunutzen. Eine Übertherapie halte die Patienten oft davon ab, „ihre letzte Lebensphase selbstbestimmt und mit einem Minimum an Beschwerden am Ort ihrer Wahl zu erleben“. Die Palliativmedizin sei eine Alternative, „die das Leben verlängert und dabei auch noch die Kosten senkt“, so der Arzt, der Mitbegründer des Zentrums für Palliativmedizin in München ist.

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Ziel der Palliativmedizin sei das Wohlbefinden der Sterbenden, betonte Borasio. Studien hätten gezeigt, dass Krebspatienten mit palliativer Betreuung länger lebten: „Es kommt gelegentlich vor, dass sich vermeintlich Sterbende bei uns so gut erholen, dass sie wieder mit einer Chemotherapie anfangen. Palliativmedizin ist keine Einbahnstraße zum Sterben.“ Dennoch fehle es an spezialisierten Pflegenden und Ärzten sowie an Betten auf Palliativstationen. © kna/aerzteblatt.de

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