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Medizin

Computer­programm erleichtert die Erkennung von Medikamen­tenmissbrauch

Montag, 15. Juli 2013

Boston – Ein Computerprogramm könnte es Ärzten erleichtern, Patienten zu erkennen, die sich missbräuchlich Medikamente verschaffen wollen. Dies ist das Ergebnis einer prospektiven Studie am Tufts Medical Center in Boston. Die Arbeitsgruppe um Scott Weiner veröffentlichte ihre Ergebnisse in den Annals of Emergency Medicine (http://dx.doi.org/10.1016/j.annemergmed.2013.05.025 ).

Der Missbrauch von Opioiden kann Ärzte vor ein großes Problem stellen. Schmerz­empfindungen sind oftmals nicht objektiv überprüfbar. In der Regel sind Ärzte auf ihre Erfahrungen angewiesen. Gleichzeitig dürfen sie echten Schmerzpatienten eine professionelle Schmerztherapie nicht verwehren. Um Drogensüchtige und Schmerz­patienten besser zu unterscheiden, kommt in den USA immer häufiger ein Computer­programm mit dem Namen Prescription Drug Monitoring Program (PDMP) zum Einsatz.

Die Forscher sammelten zwischen Juni 2011 und Januar 2013 die Daten von 544 Patienten aus zwei Notaufnahmen. Die Patienten der Studie stellten sich mit Kopf-, Rücken- oder Zahnschmerzen vor. Diese Symptome waren in den Notaufnahmen die Hauptindikationen zur Verschreibung von Betäubungsmitteln. Die Ärzte trafen anhand von körperlicher Untersuchung und Anamnese die Entscheidung, dem Patienten Opioide zu verschreiben.

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Nachträglich überprüften sie ihre Therapieempfehlung mit Hilfe des Computer­pro­gramms. Eine unglaubwürdige Schilderung der Krankengeschichte, die Nennung spezieller Medikamentennamen oder ein fehlender klinischer Anhalt für die Symptome hat das Programm als Hinweise für einen Opioidmissbrauch gewertet. Die Sensitivität für die Erkennung ohne Programm betrug 63,2 Prozent, die Spezifität 72,2 Prozent und der positive prädiktive Wert 41,2 Prozent.

Nach Überprüfung durch das Computerprogramm änderten die Ärzte den Behand­lungsplan für 9,5 Prozent der Patienten. 6,5 Prozent der Patienten erhielten Medi­kamente, die zunächst nicht vorgesehen waren und drei Prozent wurde eine vorgesehene Medikation nicht verordnet. Insgesamt hatten die Ärzte häufiger einen Missbrauchsverdacht als das Programm.

Nach Meinung der Forschungsgruppe könnte das Programm dazu beitragen, den Ärzten eine praktische Entscheidungshilfe an die Hand zu geben. Die Autoren berichten außerdem, dass in anderen Studien durch das Programm ein Rückgang der oxyco­donbedingten Hospitalisierung zu verzeichnen war. Laut den Wissenschaftler sollten Ärzte sich vermehrt auf objektive Kriterien konzentrieren und „stereotypische Verdächtigungen“ vermeiden. © hil/aerzteblatt.de

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