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Medizin

Multiple Sklerose: Rauchen als Brandbeschleuniger

Montag, 15. Juli 2013

dpa

Nottingham – Rauchen geht bei der multiplen Sklerose (MS) mit einem erhöhten Grad an Behinderungen einher, der nach den Ergebnissen einer Kohortenstudie in Brain (2013; 136: 2298-304) durch einen Raucherstoff abgeschwächt werden kann. Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) bezeichnet Rauchen als Brandbeschleuniger und rät den Patienten dringend, das Rauchen aufzugeben.

Das Nottingham University Hospital betreut mehr als 98 Prozent aller MS-Patienten der angrenzenden Grafschaften, so dass die Kohorte, die das Team um Cris Constan­tinescu, dem dortigen Leiter der Neurologie, beschreibt, als bevölkerungsbasiert gelten darf. Von 895 der 1.032 Patienten fand das Team in den Klinikakten genaue Angaben zum Raucherstatus über einen Krankheitsverlauf von durchschnittlich 17 Jahren.

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Während der Diagnosestellung hatte jeder zweite geraucht. Der Raucherstatus hatte zwar keinen Einfluss auf den Verlauf der Erkrankung: Der Anteil der Patienten mit einer primär progredienten MS war bei den Rauchern nicht signifikant höher. Die Raucher wiesen jedoch eine stärkere Behinderung auf. Der Unterschied auf der Expanded Disability Status Scale (EDSS), die den Schweregrad der Behinderung erfasst, betrug im Mittel 0,68 Punkte.

Raucher hatten auch ein um 64 Prozent höheres Risiko, den Schweregrad 4 auf der EDSS-Skala zu erreichen, bei dem sie nicht mehr voll gehfähig sind. Das Risiko, den Schweregrad 6 zu erreichen, ab dem sie ohne Unterstützung nicht weiter als 100 Meter gehen können, war für Raucher um 49 Prozent erhöht. Nach Auskunft des DGN-Vor­stands­mitglieds Ralf Gold, Direktor der Neurologischen Klinik an der Ruhr Universität Bochum, ergänzt die Studie die Ergebnisse einer Studie des Karolinska-Instituts in Stockholm, die bei rauchenden Frauen teilweise eine noch größere Erhöhung des Risikos gefunden hatte.

Die britische Studie fand erstmals Hinweise auf einen möglichen Nutzen eines Rauch­stopps. Der Verzicht auf Zigaretten nützte sowohl Patienten, die vor dem Ausbruch der MS mit dem Rauchen aufgehört hatten, als auch denjenigen, die erst später auf Zigaretten verzichteten. Für beide Gruppen sank das Risiko, einen EDSS-Wert von 4 oder 6 zu erreichen, um etwa ein Drittel im Vergleich zu Patienten, denen es nicht gelang, mit dem Rauchen aufzuhören.

Die Studie kann letztlich nicht klären, ob der höhere Grad der Behinderung auf eine allgemein schädliche Wirkung des Tabakrauchs (Komorbidität) zurückzuführen ist, oder ob sich die Schadstoffe direkt auf den Verlauf der MS auswirkt.  Gold vermutet aber, dass der heiße Rauch und die Teerstoffe das Immunsystem der Lunge anregen und auf diese Weise die Autoimmunität der MS verstärken. © hil/aerzteblatt.de

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