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Verbraucherzentrale kritisiert Versandapotheken: Kaum Beratung

Dienstag, 16. Juli 2013

dpa

Düsseldorf – Viele Versandapotheken gehen zu leichtfertig mit der Abgabe freiver­käufliche Arzneimittel um. „Das öffnet dem Medikamentenmissbrauch Tür und Tor“, kritisierte die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen nach der Prüfung von 50 Versandapotheken.

Bei dem Testkauf bestellten die Verbraucherschützer jeweils fünf Packungen mit 20 Tabletten Betadorm-D, einem Mittel zur Behandlung von Schlafstörungen, das bei Dauergebrauch abhängig machen kann. In dem Begleittext hatten sich die Tester als chronisch an Schlafstörungen leidende Kundin ausgegeben, die mit der Bestellung ein wirksames und verträgliches Mittel zur dauerhaften Einnahme suche und hierzu noch passende Hinweise benötige.

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„Solche exemplarischen Patientenanfragen verpflichten die Versandapotheken zu einer eingehenden Beratung und gegebenenfalls auch zum Einschreiten“, so die Verbraucher­zentrale. Die vermeintliche Patientin hatte bei dem Testkauf mit 100 Tabletten das Fünffache der empfohlenen Höchstmenge bestellt. Die Packungsbeilage rät nur zur Einnahme einer Tablette täglich – maximal 14 Tage lang. Bei langfristiger Einnahme steige die Gefahr, abhängig zu werden. Besonders gefährdet seien Personen mit einer Suchtvorerkrankung.

Lediglich fünf Versandapotheken berücksichtigten diese Warnhinweise und handelten nach Ansicht der Verbraucherzentrale NRW korrekt, indem sie die Abgabe des Medika­ments komplett verweigerten. 30 lieferten hingegen die gewünschte Menge. Acht Versand­apotheken reduzierten die Bestellmenge und lieferten nur eine Packung. Jeweils drei Apotheken lieferten zwei oder drei und eine Apotheke lieferte vier Tabletten­schachten.

Parallel zur Bestellung interessierten sich die Tester auch für die Qualität der beglei­tenden Beratung. Jede zehnte Versandapotheke antwortete auf die beigefügte E-Mail-Anfrage gar nicht. Die anderen 90 Prozent patzten in punkto ausreichender Beratung: Sechs Apotheken versäumten den wichtigen Hinweis, dass das Medikament nur kurzfristig einzunehmen sei. Auf Neben- und Wechselwirkungen wies rund jede vierte Apotheke hin, jede dritte verzichtete auf den Rat, einen Arzt aufzusuchen.

Nur knapp 30 Prozent erkundigten sich nach der bisherigen Medikation. Mit Blick auf dieses Ergebnis erfüllen nur sechs der 45 antwortenden Apotheken (13,3 Prozent) die von der Verbraucherzentrale definierten Mindestkriterien für die Beratung.

„Unter dem Strich nehmen die Versandapotheken ihre Informations- und Beratungs­pflichten nicht ernst genug und ignorieren die Vorgaben der Apotheken­betriebs­ordnung“, kritisierte Klaus Müller, Vorstand der Verbraucherzentrale NRW.

© hil/aerzteblatt.de

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