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Bayer AG: 150 Jahre „Forschung für ein besseres Leben“

Dienstag, 16. Juli 2013

Bayer-Vorstandsvorsitzender Marijn Dekkers /dpa

Köln - Aspirin™ ist wohl das bekannteste Arzneimittel der Bayer AG, die mit einem Festakt in Köln heute ihre Gründung vor 150 Jahren gefeiert hat. Mehr als 1.000 Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft nahmen daran teil. Ehrengäste waren Bundeskanzlerin Angela Merkel und die nordrhein-westfälische Minister­präsidentin Hannelore Kraft.

„Es ist schwer, sich heute vorzustellen, wie unauffällig alles in Barmen im Jahr 1863 begann. Der Kaufmann Friedrich Bayer und der Färber Johann Friedrich Weskott gründeten ihre eigene Firma. Heute würde man es Start-up-Unternehmen nennen“, erklärte Vorstandsvorsitzender Marijn Dekkers. Ihr Ziel sei es gewesen, synthetische Farbstoffe aus Steinkohlenteer herzustellen.

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„Das war keine einfache Aufgabe in dieser Zeit. Experimentiert wurde noch in der hauseigenen Küche. Die Produkte kamen am Markt gut an, die Industrie wuchs und das Unternehmen entwickelte sich weiter. Und es wurde bald klar, dass die chemische Industrie noch viel mehr bewegen konnte“ so Dekkers.

Unter dem Motto „Science For A Better Life“ ist das Unternehmen heute ein weltweit agierender Pharma- und Chemiekonzern mit 110.500 Mitarbeitern und fast 40 Milliarden Euro Umsatz. Die Forschungs­schwerpunkte im Pharmageschäft liegen in den Gebieten Kardiologie und Hämatologie, Onkologie, Frauengesundheit und Diagnostische Bild­gebung. Aber auch mit der Entwicklung von Insektiziden, Saatgut und hochwertigen Kunststoffen hat sich der Konzern weltweit Ansehen verschafft.

  • 150 Jahre Bayer AG (1)

    • 1881: Bayer wird in eine Aktiengesellschaft umfirmiert.
    • 1899: Das Schmerzmittel Aspirin wird als Warenzeichen registriert und tritt seinen weltweiten Siegeszug an.
    • 1912: Bayer verlegt den Firmensitz von Barmen nach Leverkusen.
    • 1925: Bayer verliert seine Selbstständigkeit. Die großen deutschen Chemieunternehmen schließen sich zur I.G. Farbenindustrie AG zusammen.
    • 1939-45: Neben Eisen, Stahl und Kohle wird auch die Chemie voll in die Kriegswirtschaft der Nazis eingebunden.
  • 150 Jahre Bayer AG (2)

    • 1945: Die Alliierten zerschlagen die I.G. Farben, der Chemieverbund gilt als Symbol für die Verbindung von Industrie und Krieg.
    • 1951: Bayer wird neu gegründet. Die Werke Leverkusen, Dormagen, Elberfeld und Uerdingen kommen unter ein Dach. Auch die Agfa GmbH gehört dazu.
    • 1964: Zusammenschluss der Fotoproduzenten Agfa und der belgischen Gevaert-Gruppe.
    • 1994: Rückkauf des Firmennamens in den USA durch eine Übernahme. Die Leverkusener dürfen dort wieder unter dem Bayer-Kreuz auftreten.
    • 1999: Bayer forciert den Konzernumbau: Agfa-Gevaert wird verkauft. Das Unternehmen konzentriert seine Geschäft auf die Bereiche Gesundheit, Pflanzenschutz und hochwertige Kunststoffe.
  • 150 Jahre Bayer AG (3)

    • 2001: Mit dem milliardenschweren Erwerb von Aventis CropScience stärkt Bayer sein Agrargeschäft.
    • 2001: Im August erschüttert die Rücknahme des Blutfettsenkers Lipobay den Konzern. Das Medikament wird mit dem Tod von zahlreichen Patienten in Zusammenhang gebracht - vor allem in den USA.
    • 2005: Das traditionelle Chemiegeschäft wird abgetrennt und als Lanxess AG an die Börse gebracht.
    • 2006: Bayer stärkt seine Pharmasparte mit dem Erwerb des Berliner Konkurrenten Schering. Mit rund 17 Milliarden Euro ist es der teuerste Zukauf der Firmengeschichte.
    • 2010: Als erster externer Topmanager übernimmt der US-Niederländer Marijn Dekkers die Führung des Bayer-Konzerns.

„Genau wie früher geht es noch heute um die Entwicklung von neuen Molekülen - und wer die besten Ideen hat, wer innovativ ist“ beschrieb Dekkers seine Philosophie für das Unternehmen. „Dabei müssen wir schneller und besser sein als die Konkurrenz.“ Zwar werde der Erfindergeist „made in Germany" international hoch geschätzt, „aber die Welt wartet nicht darauf. Wir müssen in den kommenden Jahren noch einen Zahn zulegen“, mahnt der Vorstandsvorsitzende.

Zur Innovation gehöre aber auch Akzeptanz. „Selbst die weitreichendsten Innovationen haben kaum eine Chance, wenn die Gesellschaft sie nicht akzeptiert. Natürlich dürfen wir niemals mögliche Risiken außer Acht lassen. Aber manchmal habe ich das Gefühl, dass so lange über Risiken gesprochen wird, bis die Chancen komplett vertan sind“, bemerkte Dekkers kritisch.

Zudem wünsche er sich mehr Wertschätzung und Anerkennung von neuen Produkten. Nahezu jeder kenne auf Anhieb den Hersteller seines Smartphones, aber nur in den seltensten Fällen den Produzenten eines Arzneimittels, das einem geholfen hat, gesund zu werden oder vielleicht sogar das eigene Leben zu retten: „Hier müssen wir sicherlich als Branche noch besser werden.“

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bezeichnete den Konzern als „wichtiges Stand­bein der deutschen Industrie”. Merkel dankte dem Unternehmen dafür, dass es „ein Symbol eines Innovations- und Hightech-Standorts Deutschland ist mit sicheren und guten Arbeitsplätzen, mit einer guten Gemeinschaft von Unternehmensführung und Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und mit spannenden Herausforderungen.“

NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) bekräftigte: „Es ist uns eine Freude, dass auf diesen regionalen Wurzeln ein internationaler Konzern gewachsen ist, ein echter Global Player. Uns allen muss bewusst sein, wie sehr wir die Chemie für eine gute Zukunft brauchen – für effizientere Brennstoffe, bessere Nahrungsmittel und Batterien oder  wirksamere Wärmedämmung. „Das kann nur mit Beiträgen der Chemie erreicht werden – nicht ohne und schon gar nicht gegen sie.“ © zyl/aerzteblatt.de

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dr.med.thomas.g.schaetzler
am Mittwoch, 17. Juli 2013, 15:35

Das "Merkel"-würdige Verhalten ausgewachsener Politiker zur Bundestags-Wahlzeit!

Frei nach dem Film "Das merkwürdige Verhalten geschlechtsreifer Großstädter zur Paarungszeit" von Marc Rothemund. Die Bundeskanzlerin Frau Dr. Angela Merkel zeigt bei Ihrem Auftritt zum Jubiläum "150 Jahre Bayer AG" eine immer wieder befremdlich wirkende, ambivalente Attitude, wenn es um Pharma- und Großindustrie bzw. Banken und Versicherungen geht.

Mit Effekt heischendem Blick auf das einfache Wahlvolk werden eigentlich stramm öko-sozialistische und sozialreformerische Phrasen gedroschen nach dem Motto: 'Die CDU ist die grünste SPD, die es je gab!'. Vorrang der Ökologie vor Ökonomie, Umweltverträglichkeitsprüfungen, Atomkraftmoratorium, Begrenzung des industriellen Wachstums, ökologische Energiewende, EEG-Umlage und Offshore-Haftungsumlage, vorurteilsfreie Endlagerungsmetaphorik, Kontrolle der Pharmaindustrie durch AMNOG, IQWiG, G-BA und BfArM, Bankenaufsicht, Rettungsschirm mit Zwangsauflagen, verstärkte BAFin-Kontrollen der Versicherungswirtschaft, aber auch KITA-Bereitstellungspflicht und „Herdprämie“ zugleich.

Kaum steht die Bundeskanzlerin aber vor Meinungsbildnern, Entscheidern, Vorständen und Aufsichtsräten nicht nur aus Wissenschaft, Forschung, Technik und Pharmaindustrie, wird augenblicklich ein Kapital- und Industrie- freundlicher Schmusekurs eingeschlagen. Im Sinne eines allgemeinen Wohlfühl-Gefühls versucht die Kanzlerin, das Interesse der Politik an pharmazeutischen Innovationen, Patententwicklungen, Forschungs- und Exzellenz-Standorten, verbesserter Gesundheitsversorgung in Diagnostik, Therapie und Prävention vorzugeben. Das Alles soll dann auch noch bezahlbar und im Rahmen bleiben. Ganz so, als gäbe es keine Partei übergreifenden Kostenexplosionen öffentlicher Bauvorhaben, Großprojekte und politisch motivierte, grandiose Fehlinvestitionen in Bund und Ländern.

Doch beim Einlösen der Worthülsen werden rasch Grenzen deutlich. Was ist mit dem nur 20 Jahre dauernden Patentschutz? Im Gegensatz zum 70-jährigen Urheberrechtsschutz werden Pharmafirmen mit immer höheren Forschungs- und Entwicklungskosten zu Innovationen im Eiltempo bis zur Marktreife gezwungen, o h n e Langzeit-, Nebenwirkungen und Risiken ausreichend evaluiert zu haben. Bevor sich bewährte, etablierte Therapieverfahren im ärztlichen Alltag positiv auswirken, werden sie schon von Pseudo-Innovationen oder überhasteten 'Rote-Hand'-Briefen überholt. Im Wettbewerbsfieber spielen Patienten- und Hausarztinteressen keine Rolle mehr. Wo ist die unabhängige epidemiologische Forschung, frei von Lobby- und Kapitalverwertungsinteressen? Wo bleibt die Sicherung des Forschungs- und Entwicklungsstandorts Deutschland? Wer stoppt in der derzeitigen Bundesregierung die Abwanderung von Wissenschaftlern, Pharmazeuten, Ärzten u n d Pflegewissenschaftlern? D a s sind die Kernfragen zum 150 Jahre Bayer-Jubiläum, denen die Bundeskanzlerin, wie so oft, konsequent ausgewichen ist. Kernkompetenz und Markenkern dieser schwarz-gelben Bundesregierung schwinden in beachtlichem Tempo.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
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