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Medizin

SSPE: Risiko von tödlicher Masernkomplikation häufig

Dienstag, 16. Juli 2013

Masernvirus in der Transmissions-Elektronen- Mikroskopie (TEM) CDC

Würzburg – Die subakute sklerosierende Panenzephalitis (SSPE), die am meisten gefürchtete Komplikation einer Maserninfektion, ist möglicherweise häufiger als bisher angenommen. Nach einer Studie in PLoS ONE (2013; 8: e68909) kommt es bei einem von 3,300 Kindern im Alter unter 5 Jahren nach der Maserninfektion zu einer SSPE. Das Risiko steigt mit abnehmenden Alter an. Besonders gefährdet sind Kinder im ersten Lebensjahr, die noch zu jung für eine MMR-Impfung sind.

Die SSPE ist eine Spätkomplikation, die in der Regel 4 bis 10 Jahre nach der Masern­infektion einsetzt. Es wurden aber auch Fälle beschrieben, die einen Monat oder erst 27 Jahre nach der Infektion auftraten. Die Erkrankung verläuft in vier Stadien. Zuerst fallen die Kinder durch Veränderungen der Persönlichkeit und durch ein Schulversagen auf. Im zweiten Stadium kommt es zu massiven, repetitiven und häufigen Myoklonien, Krampf­anfällen und einer Demenz, berichtet das Team um Benedikt Weißbrich vom Institut für Virologie und Immunbiologie der Universität Würzburg, wo die SSPE seit 30 Jahren ein Schwerpunkt ist.

Im dritten Stadium kommt es dann zu Rigidität, extrapyramidalen Symptomen und einer fortschreitenden Teilnahmslosigkeit. Sie geht im vierten Stadium über in Koma, apallisches Syndrom oder einen akinetischen Mutismus. Vom Einsetzen der Symptome bis zum Tod vergehen meistens ein bis drei Jahre, schreibt Weißbrich. Die Pathogenese der SSPE ist weiter unbekannt, an der Ätiologie gibt es jedoch keinen Zweifel, da in jedem Fall Bestandteile von Masernviren (vom Wildtyp, aber bisher niemals vom Impfvirus) nachgewiesen werden konnten.

Die Latenz hat die Bestimmung der Inzidenz erschwert, doch je mehr sich die Forschung mit dem Thema beschäftigt, desto mehr Fälle werden entdeckt. Die Angaben zur Inzidenz sind von 1:100.000 in älteren Lehrbüchern auf zuletzt 1 zu 9.100-15.400 in einer US-Studie gestiegen, die allerdings nur auf 11 Fällen beruhte. Weißbrich konnte bei seinen Recherchen insgesamt 31 Kinder ermitteln, die zwischen 2003 bis 2009 in deutschen Kliniken behandelt wurden.

Seine Recherche basiert auf der Auswertung der „Erhebungseinheit für seltene pädiatrische Infektionen in Deutschland“ (ESPED), die monatlich bundesweit die Chefärztinnen/-ärzte aller Kinderkliniken anschreibt (beziehungsweise per Email kontaktiert) und nach ungewöhnlichen Erkrankungsfällen befragt, zu denen auch die SSPE gehört.

Um das SSPE-Risiko zu berechnen, musste Weißbrich noch Ort und Zeit der Erkrankung recherchieren. Dies war zwar nicht immer möglich, bei 13 Kindern konnte der Virologe jedoch eine Maserninfektion im Zeitraum von 1994 bis 2001 ermitteln. Alle Kinder waren zum Zeitpunkt der Maserninfektion jünger als fünf Jahre alt, berichtet Weißbrich und bestätigt damit die Vermutung, dass die SSPE vor allem eine Spätkomplikation der Masern im frühen Lebensalter ist.

Wie Weißbrich weiter durch die Auswertung von Krankenhausstatistiken herausfand, sind in den Jahren 1994 bis 2001 vermutlich 42.600 Kinder der betroffenen Altersgruppe an Masern erkrankt. Somit ergab sich ein SSPE-Risiko von 1 zu 3.300 nach Masernvirus-Infektionen in den ersten fünf Lebensjahren.

Das SSPE-Risiko von 1 zu 3.300 ist ein Durchschnittswert für die ersten 5 Lebensjahre. Laut Weißbrich steigt das Risiko um so mehr, je früher die Kinder an Masern erkranken. Im ersten Lebensjahr sei das Risiko wahrscheinlich deutlich höher. Das habe besondere Konsequenzen, schreibt Weißbrich: Zwar schütze eine Masern-Impfung vor SSPE. Sie werde aber erst ab dem vollendeten elften Lebensmonat durchgeführt.

Gerade Kinder im ersten Lebensjahr, für die das SSPE-Risiko am höchsten ist, könnten somit durch eine Masern-Impfung nicht vor der SSPE geschützt werden, warnt der Experte und appelliert dringend an alle Eltern, ihre Kinder impfen zu lassen. Ein Schutz vor SSPE sei nur durch die Eliminierung der Masern möglich. Aktuelle Meldedaten mit bisher schon mehr als 1.000 Masernfällen im Jahr 2013 zeigten jedoch, dass Deutschland davon noch weit entfernt ist. © rme/aerzteblatt.de

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Alternativmed
am Mittwoch, 24. Juli 2013, 14:56

SSPE-Risiko von 1:3.300 und 1000 Infektionen pro Halbjahr kleiner 1 Fall pro Jahr

und das soll eine häufige Komplikation und ein massives Bedrohungsszenario für Deutschland sein?

Gemessen an möglichen Impfkomplikationen und den für wichtigere Zwecke durch dieses aufgebauschte Impfszenario, das immerhin viele hunderte Millionen jährlich kostet, nicht zur Verfügung stehenden Ressourcen erscheinen mir staatliche Zwangsmaßnahmen mehr als fragwürdig.

Was wäre übrigens, wenn sich im Zuge der Globalisierung ein genetischer Shift der Masernviren vollziehen würde? Eine natürlicherweise vollzogene Immunisierung dieser im Gegensatz zu den immer wieder bemühten Pocken eher harmlosen Kinderkrankheit, der in einem Wohlstandsland wie Deutschland nur ausnahmsweise Menschen erliegen, würde dann möglicherweise einen besseren Schutz bieten, insbesondere auch für die besonders gefährdeten Kinder im Alter von bis zu einem Jahr.

Das Geld für die geplante 95%-ige Durchimpfung sollte für dringendere Probleme im Gesundheitswesen verwandt werden. Die Impfentscheidung sollte unter Berücksichtigung des individuellen Immmunstatus des Impflings vom Kinderarzt und den Eltern getroffen werden, Impfpflicht sollte es, wenn überhaupt, nur für Erzieher und Lehrer geben.

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