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Politik

Ein Fünftel der Deutschen nicht gegen Masern geimpft

Mittwoch, 17. Juli 2013

© Lopata

Berlin – Jeder fünfte Erwachsene in Deutschland ist einer Umfrage zufolge nicht gegen Masern geimpft. 21 Prozent haben demnach keinen Impfschutz gegen das Virus, 12 Prozent wissen nicht, ob sie immunisiert wurden. Das ergab eine repräsentative, online durchgeführte Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Nachrichtenagentur dpa. Nicht erfasst wurde in der Umfrage, ob die Interviewten bereits einmal an Masern erkrankt waren. Nach einer Masern-Infektion ist man in der Regel immun gegen das Virus.

Erst seit 2001 ist die Krankheit meldepflichtig, zu vorherigen Zeiträumen existieren demnach keine Meldedaten. Die registrierten Fälle schwanken von Jahr zu Jahr stark: 2001 gab es laut Statistik rund 6.037 Erkrankte, im vergangenen Jahr wurden nur noch 165 Fälle registriert. 2013 schossen die Zahlen aber wieder nach oben: Laut einer aktuellen Schätzung des Berliner Robert Koch-Instituts (RKI) waren in diesem Jahr zum Stichtag am 14. Juli bereits 1.207 Menschen an Masern erkrankt. Expertenschätzungen gehen davon aus, dass die Zahlen im vergangenen Jahrhundert um ein Vielfaches höher lagen.

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Die Meinungsforscher befragten vom 12. bis 15. Juli insgesamt 1051 Bürger ab 18 Jahren. Nur 67 Prozent der Interviewten gaben an, gegen Masern geimpft zu sein. Für die Ausrottung der Krankheit sind aber weltweit Quoten von über 95 Prozent nötig. Die Welt­gesund­heits­organi­sation WHO hat sich dieses Ziel bis 2015 auf die Fahnen geschrieben. Seit 1973 gehört die Immunisierung zu den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission in Deutschland.

Derzeit prüft das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium, wie die Ausbreitung der Masern verringert werden kann. In Erftstadt bei Köln musste vor kurzem eine Waldorfschule geschlossen bleiben, nachdem dort mehr als zehn Schüler an Masern erkrankten. Nur ein Viertel der Schüler konnte einen Impfschutz nachweisen. Allein im ersten Halbjahr 2013 wurden dem RKI mehr als 1.070 Fälle gemeldet, der Großteil davon in Bayern (478) und Berlin (400).

Masern gelten als eine der ansteckendsten Krankheiten überhaupt. Schwere Kompli­kationen sind selten, aber es gibt sie. Im Juni starb ein 14-Jähriger an den Spätfolgen einer Infektion. Er hatte sich als Säugling in einem Wartezimmer mit Masern angesteckt, weil ein nicht geimpftes Kleinkind die Krankheit weitertrug. Auch ein Mädchen starb Jahre später durch diese Wartezimmer-Infektion.

Nach den Ergebnissen der Umfrage ist eine deutliche Mehrheit von 76 Prozent der Befragten für eine deutschlandweite Impfpflicht gegen bestimmte Krankheiten. Ärzte­vertreter und Politiker hatten zuletzt verpflichtende Schutzimpfungen ins Gespräch gebracht, darunter zwischenzeitlich auch Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Daniel Bahr (FDP). Zudem erwägt das Ge­sund­heits­mi­nis­terium, nichtgeimpfte Schüler bei einem Masern-Ausbruch in ihrer Schule künftig auf Zeit vom Unterricht auszuschließen. Bisher geht das nur bei bereits erkrankten Kindern.

Mediziner empfehlen, Kinder bis zum 23. Lebensmonat zweimal gegen Masern zu impfen, damit der Schutz zuverlässig wirkt. Rund zehn Prozent der 524 befragten Elternteile haben dies zufolge nach eigenen Angaben bislang versäumt. Die Gründe dafür sind

unterschiedlich: Früher sei die Doppel-Impfung unüblich gewesen, Kinderärzte hätten das nicht empfohlen oder sogar abgeraten. Einige der Befragten gaben allerdings an, „Impfgegner“ zu sein und Impfungen für einen „der zahlreichen Irrglauben unserer Wissenschaft“ zu halten. „Gilt für mich als Kinderkrankheit, die man durchmachen kann und muss“, lautete eine weitere Begründung für den Verzicht auf die zweifache Masern-Impfung.

Für mehr als drei Viertel der Interviewten sind die Masern keine harmlose Kinder­krankheit. Das systematische Impfen wird in der Praxis entsprechend unterschiedlich gehandhabt: 82,3 Prozent haben laut der Umfrage einen Impfpass, 15,3 Prozent verzichten auf das Dokument. 2,4 Prozent wissen es nicht. © dpa/aerzteblatt.de

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Avatar #110206
kairoprax
am Mittwoch, 17. Juli 2013, 21:23

die Zahl der Nichtgeimpften dürfte größer sein


An diesem Beispiel kann man sehr deutlich den strukturellen Nachteil einer Online-Befragung aufzeigen. Die Masernimpfung wurde erst 1968 eingeführt und hat sogar erst Mitte der 70er Jahre eine weite Verbreitung erreicht.
Masern gelten bis heute zudem als Kinderkrankheiten.

Das bedeutet, daß vermutlich fast jeder Bundesbürger, der vor 1970 geboren wurde als nicht geimpft anzusehen ist, also das Gros der Menschen über 40. Nach der Bevölkerungspyramide sind das rund 50%.

Die Online-Befragung wendet sich stark überwiegend an den jüngeren Teil der Bevölkerung. Auch wenn etliche Senioren mit dem Internet vertraut sind, gibt es doch einen deutlichen Schnitt der Internetnutzer und -nichtnutzer, der bei einem Alter von etwa 55 Jahren liegt.

Fast man jetzt beide Ergebnisse zusammen, sind von den unter 50-jährigen gerade einmal 70% geimpft, von den über 50-jährigen vielleicht 10% (eine pure Schätzung meinerseits, allerdings plausibel). Im Mittel dürfte die Impfquote daher bei eher noch bescheideneren 40-60% liegen.

Das ist jedoch trotzdem nicht unbedingt ein Problem, denn in den höheren Altersstufen ist zwar nicht von einer Impfung, aber mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit von einer stattgehabten Infektion auszugehen.

Verwunderlich ist, daß die Masern nicht wegen ihrer extrem hohen Ansteckungsrate längst von selbst verschwinden sind. Die Impfquote von 95 %, die nach WHO notwendig wäre, um die Masern überhaupt auszurotten, dürfte durch die Infektion selbst über das gesamte 19. und 20. Jahrhundert erreicht worden sein.

Auch wenn das die Robert-Koch-Leute nicht hören wollen, ist das Verschwinden der Kinderlähmung auf diesen Effekt, und nicht auf die Impfung zurückzuführen. Die letzte große Welle von Polio trat 1953 auf. Die Impfung begann flächendeckend erst nach 1960 - ein Beleg dafür, daß hohe Zahlen von Infektionen eine Virusepidemie beenden.

Statistisch belegbar ist das durch die Pockenzüge des Mittelalters ebenso wie durch die Grippewellen. Aber wie gesagt, das hört das RKI nicht gerne, tut es als Humbug ab, ist baber nicht bereit und in der Lage die Epidemieverläufe durch Mathematiker analysieren zu lassen.

Ich bin gespannt, was man aus diesen - wie ich hoffentlich darstellen konnte - nicht unbedingt aussagekräftigen Zahlen der Umfrage machen wird.

Dr. Karlheinz Bayer, Bad Peterstal
LNS

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