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Medizin

Hypertonie: Schlechte Adhärenz steigert Schlaganfallrisiko

Mittwoch, 17. Juli 2013

Helsinki – Hypertoniker, die ihre Medikamente nicht regelmäßig einnahmen, hatten in einer bevölkerungsbasierten Studie im European Heart Journal (2013; doi: 10.1093/eurheartj/eht219) ein deutlich erhöhtes Risiko einen Schlaganfall zu erleiden oder daran zu sterben.

Der Schlaganfall gehört zu den wichtigsten Folgekrankheiten einer arteriellen Hypertonie. Eine medikamentöse Therapie kann das Risiko senken – allerdings nur, wenn der Patient seine Medikamente auch einnimmt. Eine gute Näherung für diese Therapieadhärenz ist die Zahl der Rezepte, die der Patient einlöst.

Die Rezeptierungen werden in Finnland seit 1995 gespeichert. Dank der persönlichen Identifikationsnummer der Einwohner, die in verschiedenen Registern verwendet wird, konnte Kimmo Herttua von der Universität Helsinki ermitteln, wie sich die Adhärenz auf die Rate von Hospitalisierungen wegen Schlaganfällen und Todesfällen am Schlaganfall auswirkte. Unter den 73.527 Patienten kam es im Verlauf von 22 Jahren zu 24.560 Hospitalisierungen und zu 2.144 Todesfällen am Schlaganfall.

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Der Einfluss war deutlich. Schon im zweiten Behandlungsjahr mussten die nicht-adhärenten Hypertoniker (die weniger als 80 Prozent der Rezepte eingelöst hatten) 2,7-fach häufiger aufgrund eines Schlaganfalls in der Klinik behandelt werden. Im zehnten Jahr der Behandlung war das Risiko für die Patienten mit unregelmäßiger Einnahme noch um den Faktor 1,7 erhöht. Das Risiko, an einem Schlaganfall zu sterben, war um den Faktor 3,8 (im zweiten Behandlungsjahr) und um 3,0 im zehnten Behandlungsjahr erhöht.

Herttua kann auch eine Dosis-Wirkung-Beziehung (immer ein Hinweis auf eine Kausalität) aufzeigen: Je häufiger die Patienten die Einnahme der Tabletten vergaßen, desto höher war das Schlaganfallrisiko. Im Jahr, in dem es zum Schlaganfall kam, war das Risiko für Patienten, die 30 bis 80 Prozent der Rezepte einlösten (intermediäre Adhärenz), um den Faktor 1,7 erhöht. Wenn sie weniger als 30 Prozent der Antihypertensiva einnahmen (schlechte Adhärenz), stieg das Risiko auf einen Schlaganfall um den Faktor 3,6. Einen tödlichen Insult erlitten Patienten mit intermediärer Adhärenz 2,6-fach häufiger. Bei schlechter Adhärenz war das Risiko achtfach höher.

Das Risiko war auch abhängig von der Art der eingenommenen Medikamente: Besonders riskant war die Non-Adhärenz bei einer Kombination aus ACE-Hemmer/Angiotensin-Antagonisten mit Diuretika oder Betablocker. Unter dieser Medikation hatten die nicht adhärenten Patienten ein 3,9-fach erhöhtes Risiko auf eine Hospitalisierung und ein 7,5-fach erhöhtes Risiko auf einen tödlichen Schlaganfall.

Zu den Stärken der Studien gehören die hohe Fallzahl und die Möglichkeit, die Adhärenz über einen langen Zeitraum zu erfassen. Herttua verfügte aber über keine Angaben zu Body-Mass-Index, Rauchen, Alkohol und Blutdruckwerten in Ruhe, so dass nicht auszuschließen ist, dass die Non-Adhärenz (auch) ein Marker für eine insgesamt ungesunde Lebensweise der Patienten ist, die der eigentliche Grund für das erhöhte Schlaganfallrisiko ist. © rme/aerzteblatt.de

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