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Medizin

Häufige Mutation von Fehlbildungen der Harnwege gefunden

Donnerstag, 18. Juli 2013

New York – US-Forscher haben in einer sardischen Familie einen Gendefekt entdeckt, der zu angeborenen Fehlbildungen des Urogenitaltrakts führt. Weitere Untersuchungen im New England Journal of Medicine (2013; doi: 10.1056/NEJMoa1214479) ergaben, dass Mutationen im gleichen Gen für mehr als 2 Prozent aller Fehlbildungen des Urogenitaltrakts verantwortlich sind, die nicht an Syndrome gebunden sind.

Etwa ein Viertel aller angeborenen Fehlbildungen entfallen auf die Nieren und die abführenden Harnwege. Diese Fehlbildungen sind für 40 bis 50 Prozent aller Fälle eines dialysepflichtigen chronischen Nierenversagens im Kindesalter und für 7 Prozent aller Fälle eines dialysepflichtigen chronischen Nierenversagens im Erwachsenenalter verantwortlich.

Die anatomischen Defekte sind sehr unterschiedlich. Die Bandbreite reicht von einer Nierenagenesie oder -dysplasie über eine Nierenbeckenabgangsenge bis zu einem vesikoureteralen Reflux. Nur etwa 5 bis 10 Prozent der Fehlbildungen sind Bestandteil eines Syndroms. Für die restlichen wurden bisher keine genetischen Ursachen gefunden.

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Dies dürfte sich in den nächsten Jahren ändern, da mit der Genomsequenzierung ein äußerst starkes Instrument zur Verfügung steht. In der Praxis beginnt die Suche in einer Familie mit mehreren betroffenen Familienmitgliedern. Für das Team um den Nephro­logen Ali Gharavi vom Columbia University Medical Center in New York war eine sardische Familie der Ausgangspunkt. Sieben Mitglieder waren betroffen, drei waren bereits im Alter von 8,10 und 23 Jahren dialysepflichtig.

Um nicht das gesamte Exom (die Summe aller proteinkodierenden Gene) sequenzieren zu müssen, führte das Team zunächst einen punktuellen Genomvergleich durch. Dabei wurden fünf Genabschnitte gefunden, auf denen alle sieben betroffenen Mitglieder Veränderungen zeigen. Die genaue Sequenzierung führte dann zur Entdeckung einer Mutation im DSTYK-Gen.

Das DSTYK-Gen wurde dann bei 311 weiteren nicht mit der Familie verwandten Personen aus Europa untersucht, die Fehlbildungen im Urogenitaltrakt hatten. Dabei wurden sieben weitere Mutationen entdeckt. Dies ergibt eine Häufigkeit von 2,3 Prozent, eine für Genfehler hohe Frequenz. In einer Kontrollgruppe von Gesunden wurden niemals Mutationen im DSTYK-Gen nachgewiesen.

Weitere Untersuchungen ergaben, dass das in DSTYK kodierte Enzym, eine Proteinkinase, in vielen Epithelien während der embryonalen Entwicklung gebildet wird. Es ist wahrscheinlich an der Signalweiterleitung eines Wachstumsfaktors (fibroblast growth factor) beteiligt. Der Ausfall könnte die Entwicklung von unterschiedlichen Fehlbildungen des Urogenitaltrakts erklären. © rme/aerzteblatt.de

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