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Medizin

Dialyse: Kalzium in Phosphatbindern als Sterberisiko

Montag, 22. Juli 2013

dpa

Toronto – Die bei Patienten im Endstadium der chronischen Nierenerkrankung nicht zuletzt aus Kostengründen bevorzugten kalziumhaltigen Phosphatbinder führen einer Meta-Analyse im Lancet (2013; doi: 10.1016/S0140-6736(13)60897-1) zufolge zu einem Anstieg der Mortalität.

Da die Nieren für die Ausscheidung von Phosphat zuständig sind, kommt es beim chronischen Nierenversagen zu einer Hyperphosphatämie mit dem Risiko von Phosphatablagerungen im Körper. Neben einer phosphatarmen Diät werden den Patienten (oft schon bevor sie dialysepflichtig sind) Medikamente verordnet, die das mit der Nahrung aufgenommene Phosphat im Darm binden und damit eine Resorption verhindern sollen.

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In den 1970er Jahren wurde erkannt, dass die anfangs bevorzugten aluminiumhaltigen Phosphatbinder eine Enzephalopathie auslösen können. Seit den 1980er Jahren werden deshalb kalziumhaltige Phosphatbinder eingesetzt, die aber ebenfalls nicht unproble­matisch sind. Das Kalzium wird teilweise vom Darm resorbiert und da es über die insuffizienten Nieren nur vermindert ausgeschieden werden kann, reichert es sich im Körper an, unter anderem in den Gefäßwänden. Kalziumhaltige Phosphatbinder werden mit einer beschleunigten Arteriosklerose in Verbindung gebracht, die bei vielen Dialysepatienten zu beobachten ist.

Seit 2004 steht mit Sevelamer ein metallfreier Phosphatbinder zur Verfügung, 2006 kam der erste lanthanhaltige Phosphatbinder auf den Markt. Beide konnten die kalzium­haltigen Phosphatbinder jedoch nicht verdrängen, da sie die Behandlungskosten erheblich verteuern und eine Überlegenheit nicht sicher nachgewiesen war.

Die Datenlage war aufgrund vieler kleiner Studien unklar, und in einer früheren Meta-Analyse fand Sophie Jamal von der Universität Toronto nur einen Trend zu einer geringeren Sterblichkeit unter den nicht-kalziumhaltigen Phosphatbindern. Eine Risk Ratio von 0,68 deutete auf eine Senkung der Mortalität hin, die aber bei einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 0,41 bis 1,11 statistisch nicht signifikant blieb (Nephrol Dial Transplant 2009; 24: 3168-74).

Für die aktuelle Publikation konnte die Endokrinologin die Datenbasis von 8 auf 11 randomisierte Studien (mit 4.622 statt zuvor 2.873 Patienten) ausweiten. Das Ergebnis fiel erneut zugunsten der nicht-kalziumhaltigen Phosphatbinder aus. Bei einer Risk Ratio von 0,78 war die Sterberate um 22 Prozent vermindert, bei einem 95-Prozent-Konfidenz­intervall von 0,61-0,98 war das Ergebnis dieses Mal statistisch signifikant.

Die Reduktion um ein Fünftel ist angesichts der hohen Sterberate (936 von 4.622 Patienten) sicherlich von klinischer Bedeutung, und die Editorialisten Alberto Ortiz und Maria Dolores Sanchez-Niño vom Netzwerk REDinREN in Madrid sagen bereits das Ende der kalziumhaltigen Phosphatbinder voraus.

Der Zeitpunkt der Meta-Analyse ist insofern günstig, als im nächsten Jahr der Patent­schutz des ersten nicht-kalziumhaltigen Phosphatbinders ausläuft und die Nephrologen auf eine gewisse Kostenbelastung hoffen. Zum Tenor von Studie Editorial gehört auch die Forderung nach weiteren Studien zu den Vorteilen und Risiken der Phosphat­binder.

© rme/aerzteblatt.de

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michelvoss
am Dienstag, 23. Juli 2013, 19:01

Phosphat in Lebensmitteln -Tabelle

Deutsches Ärzteblatt | Jg. 109 | Heft 4 | 27. Januar 2012, S.52: http://www.aerzteblatt.de/callback/image.asp?id=46933
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