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Politik

Forensische Klinken im Nordosten haben zu wenige Plätze

Dienstag, 23. Juli 2013

Ueckermünde/Schwerin – Die Kliniken zur psychiatrischen Behandlung von Straftätern in Mecklenburg-Vorpommern haben zu wenige Plätze. „Wir brauchen dringend einen Ausbau, damit könnten auch höhere Kosten eingespart werden, die derzeit bei der Betreuung solcher Patienten in anderen Bundesländern entstehen“, sagte der Direktor der Ameos-Klinik Ueckermünde (Kreis Vorpommern-Greifswald), Kai Firmeisen. Hintergrund der Zunahme sei, dass die Gerichte immer mehr Straftäter aufgrund von Sucht- und psychischen Problemen als „vermindert schuldfähig“ einstufen und eine Behandlung anordnen.

Im Nordosten gibt es in den drei forensischen Kliniken in Ueckermünde, Stralsund und Rostock 207 Plätze, mit 80 Plätzen die meisten in Rostock. Ein Ausbau in Rostock ist von 2014 an geplant, teilte das Schweriner Sozialministerium mit. Es sollen 20 Plätze dazu kommen, das sei allerdings sehr spät, meinten Fachleute. An diesem Donnerstag wollen sich die Vizepräsidentin des Schweriner Landtages, Silke Gajek (Grüne), und der CDU-Abgeordnete Andreas Texter in der Einrichtung in Ueckermünde ein Bild von den Problemen machen.

„Durch die demografische Entwicklung sinkt zwar die Einwohnerzahl und damit auch die Kriminalität“, sagte Firmeisen. Aber der Anteil der Menschen mit psychischen Erkrankungen sinke nicht im gleichen Verhältnis. „Solche Probleme gibt es in allen Bundesländern“, erklärte der Leiter der Arbeitsgruppe Forensische Psychiatrische MV, Frank Leeder in Stralsund. Der sogenannte Maßregelvollzug sei Ländersache und so habe jedes Bundesland unterschiedliche Kostensätze. Laut Ministerium werden derzeit 13 Straftäter aus dem Nordosten in anderen Bundesländern therapiert, 5 Straftäter wurden von dort zur Behandlung „importiert“.

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„Solche Erweiterungen sind sicher nicht populär“, erläuterte der Klinikleiter. Politiker würden natürlich lieber eine Kita erweitern. „Aber unsere Mitarbeiter sollen dafür sorgen, dass Straftäter nicht rückfällig werden und bräuchten dafür die entsprechenden Arbeitsbedingungen.“ Das sei auch im Interesse der Allgemeinheit. Die Ueckermünder seien bereit, aufgrund einfacherer Baumöglichkeiten deutlich schneller einen Anbau um 10 bis 12 Betten hinzustellen, als es in Rostock möglich sei. „Damit würde sich die gesamte Situation im Land entspannen.“ Der Klinikträger wolle das bei einer Zusage durch das Land auch vorfinanzieren.

In den forensischen Kliniken werden schuldunfähige und vermindert schuldfähige Straftäter therapiert. Laut Justizministerium entfallen rund ein Drittel der Straftaten auf Sexualdelikte. Die zu Therapierenden durchlaufen bei ihrer Behandlung verschiedene Stufen, um später wieder in die Gesellschaft eingegliedert werden zu können. © dpa/aerzteblatt.de

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