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Medizin

Herzecho als Bevölkerungs­screening in Studie ohne Nutzen

Dienstag, 23. Juli 2013

/wikipedia

Tromsø – Die transthorakale Echokardiographie als Screening für ältere Erwachsene hat in einer randomisierten Studie in JAMA Internal Medicine (2013; doi: 10.1001/jamainternmed.2013.8412) eine Fülle von Befunden zutage gefördert, langfristig die Sterberate jedoch nicht gesenkt.

Das Herzecho eignet sich zum allgemeinen Bevölkerungsscreening, da es non-invasiv und nicht mit einem Strahlenrisiko verbunden ist. Ein Nachteil ist allerdings der zeitliche Aufwand. Deshalb konnte die Untersuchung 1994/1995 in der Tromsø-Studie nicht allen 27.159 Einwohnern über 25 Jahren angeboten werden. Man entschied sich, das Screening auf die 55- bis 74-Jährigen zu beschränken (plus einer Stichprobe von jüngeren und älteren Einwohnern) und die Teilnehmer per Los auf eine Echo­kardio­graphie oder eine Kontrollgruppe zu verteilen. Damit wurde die Tromsø-Studie, die 1974 als prospektive Beobachtungsstudie begonnen wurde, in diesem Punkt zu einer randomisierten Studie.

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Haakon Lindekleiv von der Universität Tromsø hat jetzt die Auswirkungen des Screenings auf die Sterblichkeit der Bewohner untersucht. In den ersten 15 Jahren sind im Screening-Arm 880 von 3.272 Personen (26,9 Prozent) gestorben gegenüber 989 von 3.589 Personen (27,6 Prozent) im Kontroll-Arm. Dies ergibt eine Hazard Ratio von 0,97 (95-Prozent-Konfidenzintervall 0,89-1,06), aus der sich beim besten Willen kein Vorteil des Ultraschall-Screenings ablesen lässt.

Dabei wurden bei der sonographischen Untersuchung keineswegs selten pathologische Befunde erhoben: 290 Teilnehmer (8,9 Prozent) wurden zu einer Nachfolge-Unter­suchung eingeladen, und bei 249 Teilnehmern (7,6 Prozent) konnte der Verdacht erhärtet werden: Nicht weniger als 108 Patienten hatten einen Herzklappenfehler, bei den anderen wurden zumeist Störungen der Vorhof- oder Ventrikelfunktion gefunden.

Auch wenn viele dieser Befunde einen Krankheitswert haben, muss ihre Früherkennung für den Patienten nicht von Nutzen sein, schreibt Lindekleiv. Ein Vorteil sei nur zu erwarten, wenn eine frühzeitige Behandlung das Fortschreiten der Erkrankung aufhalten kann. Dies ist selbst bei Herzklappenfehlern nicht der Fall, die wegen der Risiken der Behandlung oft erst behoben werden, wenn die Patienten symptomatisch sind.

Auch die Editorialisten Erin Michos und Theodore Abraham von der Johns Hopkins University School of Medicine in Baltimore raten von einem generellen Ultraschall-Screening ab. Es könnte nicht nur unnötige Folgeuntersuchungen auslösen, sondern auch Personen mit einem Normalbefund in falscher Sicherheit wiegen. Ein normales Herzecho schließe eine schwere koronare Herzkrankheit, die häufigste Ursache für kardiale Todesfälle, nicht aus.

© rme/aerzteblatt.de

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