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Medizin

Finnland: Inzidenzanstieg des Typ-1-Diabetes gestoppt

Mittwoch, 24. Juli 2013

dpa

Helsinki – In Finnland, dem Land mit der weltweit (soweit bekannt) höchsten Inzidenz des Typ 1-Diabetes, hat die Zahl der Neuerkrankungen bei Kindern unter 15 Jahren in den letzten Jahren nicht weiter zugenommen. Die Autoren bringen die günstige Entwicklung in JAMA (2013; 310: 427-428) mit der Anreicherung von Milchprodukten mit Vitamin D in Verbindung.

Finnland steht stellvertretend für den Anstieg der Erkrankungen am Typ 1 Diabetes, zu dem es nach dem 2. Weltkrieg in den hoch-entwickelten Ländern gekommen ist. In Finnland hat sich die Inzidenz seit den 50er Jahren verfünffacht. Zuletzt war die Zahl der Neuerkrankungen jedes Jahr um 3,6 Prozent gestiegen. Im Jahr 2006 kamen auf 100.000 Kinder im Alter bis zu 15 Jahren 63 neue Fälle der Autoimmunerkrankung.

Seither hat die Inzidenz jedoch ein Plateau erreicht, wie Valma Harjutsalo von der Nationalen Gesundheitsbehörde in Helsinki in einer Auswertung zeigt, die bis zum Jahr 2011 reicht. Auch der Trend zu einem immer früheren Krankheitsbeginn scheint gestoppt. In der Altersgruppe der 10 bis 14-Jährigen ist es noch zu einem Anstieg gekommen, und da Harjutsalo keine Zahlen anderen Altersgruppen hat, kann sie einen weiteren Anstieg bei älteren Teenagern nicht ganz ausschließen.

Da in den letzten Jahren aus Schweden ebenfalls ein Plateau gemeldet wurde, könnte es sich aber um eine echte Trendwende handeln, die zu der Frage nach den Ursachen führt. Harjutsalo kann sie nicht beantworten. Eine Adipositas (ein etablierter Risikofaktor für den Typ 2-Diabetes) scheidet als Erklärung aus. Der Trend zu dickeren Kindern habe sich in Finnland in den letzten Jahren nicht umgekehrt, schreibt Harjutsalo. Auch Infekt­ionen mit Enteroviren, die als Trigger für die Autoimmunerkrankung in der Diskussion sind, haben in Finnland in den letzten Jahren stark zugenommen.

Eine plausible, aber alles andere als belegte Erklärung könnte die Einführung der Vita­min D-Anreicherung von Milchprodukten und Margarine sein, die 2003 in Finnland eingeführt wurde. Gegen diese Vermutung spricht allerdings, dass die meisten Kinder in den hochentwickelten Ländern als Säugling zur Rachitis-Prophylaxe bereits Vitamin D erhalten, und im russischen Teil von Karelien, wo die Versorgung mit Vitamin D vergleich­bar mit Finnland ist, erkranken achtmal weniger Kleinkinder am Typ 1-Diabetes. © rme/aerzteblatt.de

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