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Medizin

Pertussis: Booster bei Erwachsenen mit begrenzter Schutzwirkung

Donnerstag, 25. Juli 2013

Bordetella pertussis im Lichtmikroskop (Gram-Faerbung) wikipedia

Oakland – Während einer großen Keuchhusten-Epidemie in Kalifornien sind auch viele Erwachsene erkrankt, die in den Jahren zuvor eine Auffrischung ihrer Impfung erhalten hatten. Die Auswertung der Daten einer US-Gesundheitskasse im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2013; 347: f4249) bestätigt, dass die Schutzwirkung der Boosterung lückenhaft ist – was mit Einführung der azellulären Vakzine zusammenhängen könnte.

Bis in die 1990er Jahren enthielt der Kombinationsimpfstoff gegen Tetanus, Diphtherie und Keuchhusten noch inaktivierte B. pertussis-Bakterien. Diese wurden aus Sicherheitsgründen gegen eine azelluläre Pertussis-Komponente ausgetauscht, die zwar besser verträglich ist, aber offenbar einen kürzeren Impfschutz hinterlässt als der frühere Ganzkeimimpfstoff.

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Dies hat dazu geführt, dass es trotz einer hohen Durchimpfung der Bevölkerung immer wieder zu Keuchhusten-Epidemien kommt. So erlebte Kalifornien 2010 den schwersten Ausbruch der letzten 50 Jahre, obwohl die meisten Kinder geimpft waren und eine steigende Zahl von Erwachsenen die Boosterung durchführen lässt.

Neben den Säuglingen, die zu jung für eine Impfung waren, ermittelte Roger Baxter vom Kaiser Permanente Vaccine Study Center in Oakland zwei Impflücken. Die erste Gruppe waren Kinder im Alter von 4 bis 12 Jahren. Baxter machte hierfür kürzlich im New England Journal of Medicine (2012; 367: 1012-9) den raschen Abfall der Schutzwirkung nach einer Grundimmunisierung mit der azellulären Komponente verantwortlich. Viele Kinder erkrankten vor der geplanten Auffrischung im Alter von 11 Jahren.

Eine zweite Impflücke besteht bei Erwachsenen. Diese erhalten heute zwar immer häufiger anlässlich einer Tetanus/Diphtherie Auffrischung auch einen Booster gegen Keuchhusten, doch die Schutzwirkung fällt offenbar schwächer aus als erwartet. Während die Auffrischungen gegen Tetanus und Diphtherie eine fast hundertprozentige Schutzwirkung erzielen, betrug diese nach zwei unterschiedlichen Modellberechnungen Baxters nur 53 und 64 Prozent.

Nicht ganz klar ist, wie sich der Wechsel vom Ganzkeimimpfstoff zur azellulären Vakzine auswirken wird. In einer der beiden Berechnungen Baxters war die Schutzwirkung einer Auffrischung schwächer, wenn die Grundimmunisierung mit der azellulären Impfung statt mit dem Ganzkeimimpfstoff erfolgte (57,6 versus 68,3 Prozent), in der zweiten Berechnung war sie jedoch stärker (74,4 versus 63,6 Prozent).

Eine gewisse Unsicherheit ergibt sich daraus, dass während der Epidemie 2010 praktisch alle Erwachsenen ihre Impfung im Kindesalter noch mit dem Ganzkeimimpfstoff erhalten hatten. Wie sich er inzwischen abgeschlossene Wechsel auf die azelluläre Vakzine im weiteren Verlauf auf die Effektivität der Auffrischungen auswirken wird, lässt sich kaum vorhersagen.

Am Rande bemerkt sei, dass in Deutschland im Gegensatz zu Kalifornien Erwachsene den Impfschutz gegen Pertussis nur selten auffrischen lassen. Nach den von Baxter vorgestellten Zahlen hatten Ende 2011 mehr als die Hälfte der Kaiser-Permanente-Versicherten eine Auffrischung erhalten. In Deutschland gaben in einer Umfrage nur 5,9 Prozent der Ersachsenen an, in den letzten 10 Jahren eine Auffrischung erhalten zu haben.

Möglicherweise waren es noch weniger, denn die Befragung der Krankenhausapotheken ergab, dass der Kombinationsimpfstoff mit Pertussis-Komponente auf den Kranken­stationen nur für 3,5 Prozent aller Impfungen verwendet wurde. In den Notfallaufnahmen betrug der Anteil sogar nur 0,3 Prozent. In den anderen Fällen wird in den Kliniken eine Monoimpfung gegen Tetanus oder eine Kombination gegen Tetanus und Diphtherie vorgezogen (DMW 2013; 138: 1451-1457). © rme/aerzteblatt.de

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