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Politik

Aut-idem Verhandlungen zwischen Kassen und Apotheken gescheitert

Donnerstag, 25. Juli 2013

Offenbach – Die Verhandlungen zwischen dem Deutschen Apothekerverband (DAV) und der Gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung (GKV) über die sogenannte Aut-idem-Liste sind gescheitert. Offenbar sieht der DAV keine Möglichkeit mehr, bis Anfang August zu einer Einigung zu kommen und hat gestern Abend die Schiedsstelle angerufen. Die Politik hatte Apothekerverband und GKV-Spitzenverband aufgefordert, eine Regelung zur Substitution von Schmerzmitteln, Schilddrüsenmedikamenten und anderen Präparaten bis zum 1. August vorzulegen.

Die Politik zeigte für die gescheiterten Verhandlungen wenig Verständnis: So sprach Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Daniel Bahr (FDP) in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung von einem „Armutszeugnis“ für Kassen und Apotheker. Der Vizevorsitzende des Hessischen Apothekerverbandes (HAV), Hans Rudolf Diefenbach, bezeichnete die gescheiterten Verhandlungen dagegen als „Offenbarungseid der gesetzlichen Krankenkassen“.

So hätte beispielsweise die Deutsche Schmerzliga bereits vor zwei Jahren in einer vom Deutschen Bundestag unterstützten Petition gefordert, dass Apotheker Medikamente für Patienten mit starken Schmerzen nicht mehr gegen preisgünstigere Präparate gleichen Wirkstoffs austauschen dürften. Grund dafür seien mögliche Unverträglichkeiten sowie gesundheitliche Folgen.

„Zurzeit entscheidet jedoch nur der Preis. Das nutzt dem Patienten nichts und blockiert die Therapiefreiheit der Ärzte. Die pharmazeutische Verantwortung der Apotheker wird ad absurdum geführt. Das muss aufhören!", forderte Diefenbach. © hil/aerzteblatt.de

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dr.med.thomas.g.schaetzler
am Freitag, 26. Juli 2013, 19:30

"Geiz ist Geil" muss tatsächlich aufhören!

Nach meinen Informationen war es die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA), die nach gescheiterten Verhandlungen mit dem GKV-Spitzenverband (SpiBu) vorgestern Abend die Schiedsstelle angerufen hatte. Beide Interessenverbände diskutierten seit Monaten ergebnislos ü b e r die "aut idem"-Problematik, ohne m i t den eigentlich betroffenen Ärzten und Patienten zu sprechen. SpiBu und ABDA suchen äußerst selten mit einem "Kassenrezept" in der Hand Apotheken auf und verfügen beide n i c h t über die Heilkunde-Erlaubnis, sowohl bezüglich der Schmerz-, Schilddrüsen- als auch sonstiger Therapien.

Hierin liegt der eigentliche Skandal: Es war und ist der Politik, den Gesetzlichen Krankenkassen und auch manchen Apotheken-Funktionären entgegen allen Beteuerungen und Schuldzuweisungen eigentlich vollkommen egal, w i e unsere Patienten ärztlich-medizinisch-pharmakotherapeutisch versorgt werden - Hauptsache billig, verbunden mit maximaler Demontage des Arztberufs!

Diese "Geiz-ist-Geil"-Nummer der beliebigen Generika- (und auch Originalpräparate)-Austauschmöglichkeiten fängt schon damit an, dass jeder Kassenpatient sein in der Apotheke quittiertes Rezept nicht zur belegbaren Qualitätssicherung seiner Arzneimittelversorgung z u r ü c k erhält, z. B. um Preis, Präparate-Namen, Hersteller und Dosierangaben besser überprüfen zu können. Er wüsste dann im ärztlichen Notdienst oder bei der Urlaubsvertretung sogar den N a m e n seines Medikaments und müsste nicht mit Beschreibungen wie rund, klein, weiß und mit einem länglichen Schlitz auf der Rückseite, je nachdem wie die "Pille" gehalten wird, Rätsel aufgeben.

Zum zweiten sollte die Bedeutungs-U m k e h r des Aut-idem-Kreuz, mit dem Ärzte früher semiotisch korrekt den Präparate- und Wirkstoff-Austausch erlaubten, jetzt aber a u s s c h l i e ß e n sollen, zusätzliche Verwirrung schaffen.

Zum dritten sollten ausgerechnet diejenigen, die als Experten für Applikationsformen, Galenik, Pharmakokinetik, Bioverfügbarkeit und pharmakologische Reinheits- bzw. Vergleichbarkeitsprüfungen gelten, sich mit den unsere Patienten/-innen g e m e i n s a m versorgenden Ä r z t e n zusammensetzen. Und nicht im Kräftemessen mit Medizin-bildungsfernen Schichten der GKV-Funktionärs- und Verwaltungsebenen groß angekündigte Verhandlungen platzen lassen.

Grob zusammengefasst, der Bäcker trifft sich nicht mit seinem Steuerberater und schon gar nicht mit dem Finanzamt, um mit diesen beiden qualifiziert über substanzielle Verbesserungen seiner Brotback-Rezepte und die Austauschbarkeit von generischen Fabrik-Brötchen zu verhandeln, auch wenn diese (Ausnahme: Sternsemmeln) alle einen Einschnitt in der Mitte haben.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund (z. Zt. Gorges du Cians/F)

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