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Medizin

Pulmonale Hypertonie: Neuer Wirkstoff verlängert Gehstrecke

Donnerstag, 25. Juli 2013

Gießen – Der Hersteller Bayer Healthcare hat zwei Wirkstoffe in der Entwicklung, die durch die Stimulierung oder Aktivierung des Enzyms lösliche Guanylatzyklase die Lungenarterien dilatiert. Riociguat, der erste der beiden Wirkstoffe, hat jetzt in zwei randomisierten kontrollierten Studien die Gehstrecke von Patienten mit zwei unterschiedlichen Formen der pulmonalen Hypertonie verbessert.

Die lösliche Guanylatzyklase ist in den Blutgefäßen Teil einer Signalkette, die ausgelöst durch einen Anstieg von Stickstoffmonoxid (NO) die Gefäße erweitert. Bei der pulmonal-arteriellen Hypertonie (PAH) und bei der chronisch-thromboembolischen pulmonalen Hypertonie (CTEPH), zwei unterschiedlichen Formen des Lungenhochdrucks, besteht ein Mangel an NO, dem der Wirkstoff Riociguat auf doppelte Weise begegnen soll.

Zum einen verbessert der Wirkstoff die Bindungsfähigkeit von NO an der löslichen Guanylatzyklase, darüber hinaus kann er das Enzym unabhängig von NO „stimulieren“. Cinaciguat, der andere der beiden Wirkstoffe, soll das Enzym dagegen auch dann „aktivieren“, wenn es bei der chronischen Herzinsuffizienz durch Oxidation geschädigt ist. Beide Wirkstoffe werden auf diese Weise für unterschiedliche Indikationen positioniert. Die klinischen Studien zu Cinaciguat laufen noch, für Riociguat liegen jetzt die Ergebnisse zu den für die Zulassung zentralen Studien vor.

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In der CHEST-1-Studie wurde Riociguat mit Placebo verglichen bei 261 Patienten mit CTEPH, die als inoperabel eingestuft wurden, oder bei denen es trotz einer pulmonalen Endarteriektomie (der Therapie der Wahl bei der CTEPH) zu einem Lungenhochdruck gekommen war. Wie Hossein-Ardeschir Ghofrani vom Universitätsklinikum Gießen und Mitarbeiter im New England Journal of Medicine (NEJM 2013; 369: 319-329) mitteilen, konnte Riociguat nach 16 Wochen Behandlung die Sechs-Minuten-Gehstrecke um 46 Meter (gegenüber einem Ausgangswert von 347 Metern) verbessern.

Das ist zwar weniger als in anderen Studien durch eine Endarteriektomie (plus 100 Meter) erzielt wurde, da viele Kliniken sich vor der riskanten Operation scheuen, könnte Riociguat hier zu einer Option werden. Der Vorteil für den Patienten mag gering entscheiden, da für die Zulassungsbehörden die statistische Signifikanz ausschlag­gebend ist, und die Verträglichkeit gut zu sein scheint – häufigste Nebenwirkungen waren Kopfschmerzen, Schwindel, periphere Ödeme sowie Magen-Darmsymptome wie Verdauungsstörungen oder Übelkeit – dürften die Chancen auf eine Zulassung gegeben sein, die der Hersteller sowohl in Europa als auch in den USA beantragt hat.

Zweite Indikation PAH
Zur zweiten angestrebten Indikation PAH wurden ebenfalls im New England Journal of Medicine (NEJM 2013; 369: 330-340) Studienergebnisse vorgestellt. An der PATENT-1-Studie hatten 443 Patienten mit PAH teilgenommen, die teilweise unbehandelt waren, teilweise aber schon mit Endothelin-Rezeptorantagonisten oder nicht intravenös verabreichten Prostanoiden behandelt worden waren.

Die Studie verglich Riociguat (in zwei Armen mit und ohne Dosisbegrenzung) mit Placebo. Wie die gleiche Arbeitsgruppe mitteilt, wurde die Gehstrecke dieses Mal um 36 Meter verlängert (gegenüber einem Ausgangswert 363 Metern in diesem Fall).

Dies ist nach Ansicht des Editorialisten Stephen Archer von der Queen's University in Kingston/Ontario in Kanada ein mäßiges Ergebnis und Riociguat hebt sich hier nicht von den Ergebnissen anderer bereits zugelassener Wirkstoffe ab: Tadalafil erzielte in der PHIRST-Studie eine Verlängerung der Gehstrecke um 33 Meter (gegenüber einem Ausgangswert von 352 Metern), bei Bosentan waren es in der BREATHE-1-Studie 35 Meter (gegenüber einem Ausgangswert von 326 Metern), während die Patienten unter Sildenafil in der SUPER-Studie 50 Meter mehr zurücklegten (gegenüber einem Aus­gangs­wert von 339 Metern).

Der Hersteller kann jedoch darauf verweisen, dass Riociguat in beiden Studien weitere statistisch signifikante Verbesserungen über ein breites Spektrum von sekundären Studienendpunkten zeigte. Hierzu zählten der Lungengefäßwiderstand, das N-terminale pro brain natriuretic peptide sowie die WHO-Funktionsklasse. In der PATENT-1-Studie war auch die Zeit bis zum Eintritt von Ereignissen mit klinischer Verschlechterung (Time to Clinical Worsening) verlängert, und die Atemnot gemäß Borg-Dyspnoe-Index wurde gelindert. © rme/aerzteblatt.de

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