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Medizin

Traumatologie: Ganzkörper-CT erhöht Überlebensrate

Donnerstag, 25. Juli 2013

München – Die unter Traumatologen umstrittene Ganzkörper-Computertomographie führt keineswegs zu einem für die Patienten tödlichen Zeitverlust. Nach der retrospektiven Auswertung eines Trauma-Registers in PLoS ONE (2013; 8: e68880) könnte die Untersuchung die Überlebenschancen von Schwerstverletzten sogar verbessern, selbst wenn sie hämodynamisch instabil sind.

Die Ganzkörper-Computertomographie ist verlockend, da sie gewissermaßen in einem Durchlauf eine umfassende morphologische Diagnostik ermöglicht. Die heute verfügbaren Geräte haben eine hohe Auflösung, bei der keine Verletzung oder innere Blutung übersehen werden sollte. Die Untersuchung wird aber auch kritisch beäugt, sie gilt als zeitaufwändig, und der langsame Transport durch den Tomographen wird auch als „Tunnel in den Tod“ bezeichnet.

Die von Privatdozent Stefan Huber-Wagner von der Klinik für Unfallchirurgie des Klinikums rechts der Isar durchgeführte Analyse des Trauma-Registers der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie belegt zunächst, dass die Technik immer beliebter wird. An den Kliniken, die sich am Register beteiligen, wird mittlerweile jeder zweite Patient durch die „Röhre“ gefahren, und die Erfahrungen zeigen, dass Patienten, bei denen diese Untersuchung durchgeführt wurde, häufiger lebend die Klinik verlassen als Patienten, bei denen darauf verzichtet wurde.

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Dies traf sowohl auf kreislaufstabile Patienten zu, bei denen in der Regel kein Zeitdruck besteht. Aber auch bei Patienten mit leichtem Schockzustand (systolischer Blutdruck 90 bis 110 mmHg bei Eintreffen in die Klinik) konnte Dr. Huber-Wagner keine erhöhte Sterberate finden. Im Gegenteil: In einer adjustierten Analyse, die eine Vergleichbarkeit der Patienten ermöglichen soll, war das Sterberisiko sogar um 27 Prozent vermindert (Odds Ratio 0,73; 95-Prozent-Konfidenzintervall 0,60-0,90).

Selbst bei Patienten in schwerem Schockzustand (systolischer Blutdruck unter 90 mmHg) könnte die Untersuchung dazu beigetragen haben, dass rechtzeitig die richtigen therapeutischen Schritte eingeleitet wurden. Die Odds Ratio von 0,67 (0,52-0,88) bedeutet, dass die Patienten die Verletzungen zu 33 Prozent häufiger überlebten. Wie immer bei retrospektiven Analysen lässt sich allerdings nicht ganz ausschließen, dass die Ärzte bei „gefühlt“ aussichtslosen Patienten eher auf die Untersuchung verzichtet haben, was zu einer gewissen Verzerrung der Ergebnisse geführt haben könnte.

Die Untersuchungsdauer ist kürzer, als Außenstehende vielleicht annehmen. In der Studie war das Ganzkörper-CT nach durchschnittlich drei bis sechs Minuten abgeschlossen. Die Untersuchung dürfte in der Praxis häufig Zeit einsparen, denn ohne CT dauert es häufig länger, bis stark blutende Verletzungen exakt lokalisiert sind und die Ärzte abschätzen können, welche Verletzung am meisten zur instabilen Kreislaufsituation beiträgt und deshalb priorisiert behandelt werden muss.

Für Dr. Huber-Wagner gehört deshalb ein Computertomograph zur Grundausstattung einer traumatologischen Abteilung. Der Trend werde sicherlich dahin gehen, noch leistungsstärkere Geräte  in den Schockraum baulich zu integrieren, meint der Mediziner, dessen Abteilung über mehrere 128-Zeilen-CTs verfügen kann. © rme/aerzteblatt.de

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