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Medizin

EMA bezweifelt Pankreasrisiko durch GLP-1-basierte Antidiabetika

Montag, 29. Juli 2013

dpa

London – Während die US-Arzneibehörde FDA ihre Sicherheitsprüfung noch nicht abgeschlossen hat, sieht die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) derzeit keine Hinweise für eine ernsthafte Schädigung des Pankreas durch GLP-1-basierte Antidiabetika.

In den letzten Jahren waren vor allem von Peter Butler, dem Leiter der Abteilung für Endokrinologie an der Universität von Kalifornien in Los Angeles, Sicherheitsbedenken gegen GLP-1-Analoga und Dipeptidylpeptidase-4-Inhibitoren geäußert worden, die die Wirkung des körpereigenen Hormons Glucagon-like Peptid 1 (GLP-1) nachahmen oder deren Abbau durch das Enzym Dipeptidylpeptidase-4 hemmen.

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Butler glaubt, dass diese Medikamente dem Pankreas auf zweifache Weise schaden. Zum einen sollen sie eine Pankreatitis auslösen. Auf das Risiko wird in den Fachin­formationen hingewiesen. Sie wird dort jedoch als seltene Komplikation bezeichnet. Butler kam in seinen Studien dagegen zu dem Ergebnis, dass das Risiko bis um den Faktor 6 ansteigt.

Darüber hinaus befürchtet der Endokrinologe, dass die Medikamente Krebser­krankungen induzieren könnten. Hierzu legte Butler zuletzt in Diabetes (2013; doi: 10.2337/db12-1686) pathologische Befunde von 34 Organspendern vor, von denen 8 mit Sitagliptin oder Exenatid behandelt worden waren. Diese GLP-1-basierte Therapie ging laut Butler im Vergleich zu den anderen Organspendern, die keine GLP-1-basierten Antidiabetika erhalten hatten, mit einer auffälligen Dysplasie des exokrinen Pankreas einher sowie mit Veränderungen, die zur Bildung von Glukagon-produzierenden neuroen­dokrinen Tumoren führen könnten.

Der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der EMA kommt nach einer Prüfung jetzt zu dem Ergebnis, dass die Studie eine Anzahl von methodologischen Einschränkungen und potenziellen Verzerrungen aufweise. Unterschiede in Alter, Geschlecht, Erkran­kungs­dauer und Behandlung würden eine sinnvolle Interpretation der Studienergebnisse verhindern, heißt es in einer Pressemitteilung der EMA.

Der CHMP hält auch an der derzeitigen Bewertung hinsichtlich der Gefahr von akuten Pankreatitiden fest. Es gebe zwar eine „signifikante“ Anzahl von Spontanmeldungen, doch diese Berichte müssten behutsam interpretiert werden. Für die CHMP gibt es keinen Anlass, die Angaben in den Fachinformationen zu revidieren, nur die Wortwahl unter den einzelnen Wirkstoffen soll in nächster Zeit angeglichen werden.

Die FDA hat ihre Prüfung noch nicht abgeschlossen. Ihre letzte FDA Drug Safety Communication erwähnt allerdings die Ergebnisse einer im Februar veröffentlichten bevölkerungsbasierten Fall-Kontrollstudie, nach der die GLP-1-basierten Antidiabetika das Risiko einer Hospitalisierung aufgrund einer Pankreatitis um den Faktor 2 steigern. Das ist deutlich weniger als Butler ermittelt hatte, ginge aber über die bisherige Einschätzung hinaus. Ein Ergebnis der Prüfung liegt allerdings noch nicht vor.

GLP-1-basierte Antidiabetika werden von Diabetologen geschätzt, da sie zu den wenigen Medikamenten zählen, die die Bildung von Insulin in den Beta-Zellen steigern. Zu den GLP-1-Analoga gehören die Wirkstoffe Exenatid, Liraglutid und Lixisenatid. Zu den Dipeptidylpeptidase-4-Inhibitoren oder „Gliptinen“ gehören Sitagliptin, Saxagliptin, Linagliptin und Vildagliptin.

Die Diabetesfachverbände haben sich abwartend geäußert. Die American Diabetes Association, die European Association for the Study of Diabetes und die International Diabetes Foundation sahen im Juni keinen Grund, den Einsatz der GLP-1-basierten Antidiabetika einzuschränken. © rme/aerzteblatt.de

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