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Politik

Studie: Deutsche Ärzte hinken beim elektronischen Austausch von Patientendaten hinterher

Montag, 29. Juli 2013

dpa

Kronberg – 93 Prozent der Ärzte in Deutschland nutzen die elektronische Krankenakte, aber nur drei Prozent der Ärzte tauschen regelmäßig klinische Daten mit anderen Gesundheitsrichtungen aus. Das ergab eine Online-Studie der Unternehmensberatung Accenture, für die 3.700 Ärzte in Deutschland und sieben weiteren Ländern (Australien, Frankreich, Großbritannien, Kanada, Singapur, Spanien und USA) befragt wurden.

Fast die Hälfte der deutschen Ärzte gab dabei an, regelmäßig Healthcare-IT zu nutzen. Das sind zwölf Prozent mehr als 2011. Ein Großteil der Ärzte (59 Prozent) ist davon überzeugt, dass der Einsatz von Healthcare-IT dazu beitragen kann, unnötige Behand­lungen zu vermeiden. Im internationalen Vergleich nutzen die deutschen Ärzte vor allem Anwendungen wie elektronische Notizen im Patientengespräch (77 Prozent), IT-Tools für die Verwaltung (59 Prozent) und computergestützte Behandlungsleitfäden für Diagnose- und Therapieentscheidungen (18 Prozent).

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Mehr als die Hälfte der deutschen Ärzte (58 Prozent) recherchiert zudem im Internet nach medizinischen Informationen, um die Patienten gut zu beraten. 61 Prozent lesen laut Studie regelmäßig Online-Gesundheitsforen, 45 Prozent sehen sich Fachvideos im Internet an, und ebenfalls 45 Prozent haben bereits einen Beitrag auf einer Webseite oder in einem Online-Forum veröffentlicht.

Bei der Vernetzung im Gesundheitssystem zeigten sich der Umfrage zufolge jedoch erhebliche Defizite. Zwar gaben 39 Prozent der befragten deutschen Ärzte an, generell elektronischen Zugriff auf patientenbezogene Behandlungsdaten von anderen medizi­nischen Einrichtungen zu haben. Aber nur neun Prozent der Ärzte hierzulande erhalten regelmäßig Benachrichtigungen, wenn ein Patient in einer anderen Gesund­heits­einrichtung behandelt wurde. Im weltweiten Durchschnitt aller untersuchten Länder sind es dagegen 20 Prozent.

„Hier in Deutschland verschenkt das Gesundheitswesen wertvolles Potenzial. Die Effizienz und Qualität könnten deutlich verbessert werden, wenn Ärzte die Behandlungen noch effektiver untereinander koordinieren würden“, meinte Sebastian Krolop, Geschäfts­­führer für die Beratung im  Gesundheitswesen am deutschen Standort des Unternehmens. Würden die vorhandenen Technologien besser genutzt, könnten sowohl die Produktivität gesteigert als auch bessere Behandlungsergebnisse für die Patienten erzielt werden.

© KBr/aerzteblatt.de

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Kommentare

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Avatar #90037
malledoc
am Donnerstag, 1. August 2013, 18:02

Zusammenarbeit mit NSA

Da die Geheimdienste eh alle daten haben, könnten die ja als Helfer fungieren.
Im Ernst: Kairoprax guter Kommentar
Avatar #104249
Senbuddy
am Dienstag, 30. Juli 2013, 20:18

Vielen Dank für Ihren Kommentar...

...an Dr. Baier (kairopax).

Ich denke, Sie sprechen im Bezug auf Datenschutz und "Überwachungsbefürchtungen" vielen "aus der Seele".

Viele Grüße
S.
Avatar #110206
kairoprax
am Dienstag, 30. Juli 2013, 12:00

verschenktes Potential?


Das Potential, auf das wir Ärzte zurückgreifen ist in erster Linie und weit vor allen anderen das Vertrauen und das Wohl der Patienten.

Die IT-Technik dagegen, die E-Card, die Idee der elektronischen Vernetzung, alles das ist nach dem 11. September aufgekommen.
Das G7-Treffen in Genua, an dem von deutscher Seite kein Ge­sund­heits­mi­nis­ter beteiligt war, sondern Otto Schily, seinerzeit Innenminister, hat die Forderung von mehr IT in der Medizin aufgestellt. Ein Versorgungsdefizit gab es damals nicht, aber der Wunsch war da, mehr Kontrolle zu bekommen.

Ziel- und Rasterfahndung waren Schlagworte der damaligen Zeit, und sie sind es bis heute geblieben, wenn man an Dinge wie PRISM denkt. Wer denkt, daß PRISM vor dem Datenschutz und der Schweigepflicht halt machen, sollte der CSU beitreten und Innenminister werden.

Die Krankenkassen sind auf diesen Trend aufgesprungen und haben mit DMP- und HzV-Verträgen direkten Zugriff auf Patientendaten. Wir wissen alle, daß auf diese Daten auch die Pharmaindustrie zugreifen darf. Aber keiner von uns weiß, in welchem Umfang das auch geschieht, und wer och alles mitliest.

Diesem erklärten Willen nach mehr Einsicht steht eine ganze Reihe von Ärztetagen gegenüber, die sich der Gematik und der E-Card verschlossen haben.

Verschenktes Potential?

Mag ja sein, daß wir Schlußlicht sind, was die Schaffung des Gläsernen Patienten anbetrifft. Dafür stehen wir an der europäischen Spitze, wenn es um die Qualitätsanmutung der deutschen Medizin geht - was vielleicht auch ein wenig an dem doch deutlich erhöhten Zeitaufwand für das Verfassen eines strukturierten Arztbriefs zusammenhängt. Klar, die schnelle Versendung von Erst- und Rohdaten geht flotter.
Aber ist das auch besser?

Die Ereignisse, in denen oich als Niedergelassener eine tatsächlich schnellere oder gar simultane Datenübermittlung gebraucht hätte, kann ich nach 30 Arbeitsjahren an zwei bis drei Händen ablesen.

Zusammengefaßt: wer solche Studien bei solchen Instituten wie Accenture in Auftrag gibt, hat ein Eigeninteresse. Und das deckt sich nicht unbedingt mit den Interessen der Ärzteschaft oder gar der der Patienten.

Dr. Karlheinz Bayer, Bad Peterstal
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