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Medizin

Alzheimer: Bluttest rückt näher

Dienstag, 30. Juli 2013

dpa

Homburg/Saar – Der Nachweis einer genetischen Signatur aus 12 sogenannten microRNA könnte die Diagnose eines Morbus Alzheimers mit einem Bluttest ermöglichen. In einer ersten Studie in Genome Biology (2013; 14: R78) überzeugte der Test durch eine hohe diagnostische Genauigkeit. Er könnte auch die Differenzialdiagnose verschiedener neurologischer Erkrankungen erleichtern.

MicroRNA sind kurze Nukleinsäuren. Anders als die Messenger-RNA transportieren sie keine Baupläne für Proteine. Die microRNA können jedoch an der Messenger-RNA binden und dadurch Einfluss darauf nehmen, welche Proteine in der Zelle gebildet werden. Frühere Studien hatten gezeigt, dass es beim Morbus Alzheimer zu einer veränderten Bildung von MicroRNA kommt, die nicht nur im Gehirn in den betroffenen Zellen, sondern auch im peripheren Blut auftritt. Die Gründe hierfür sind letztlich nicht klar, sie liefern jedoch Ansatzpunkte für die Entwicklung eines Bluttests.

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Ein Team um Andreas Keller vom Institut für Humangenetik der Universität des Saarlandes in Homburg hat mit Unterstützung von Siemens Healthcare in Erlangen jetzt einen Test auf der Basis von MicroRNA entwickelt. Im ersten Schritt wurden in Blutproben von 48 Patienten mit gesicherter Alzheimer-Diagnose sämtliche MicroRNA sequenziert. In einem Vergleich zur Signatur bei 22 gesunden Kontrollen entdeckten sie 140 Unterschiede, von denen 12 für einen Bluttest ausgewählt wurden.

Der Test wurde dann in einer Kohorte von 220 Personen validiert, unter denen sich neben Gesunden und Alzheimer-Kranken auch Patienten mit anderen neurologischen oder psychiatrischen Erkrankungen befanden. Die Prüfung ergab, dass der Bluttest mit einer hohen Genauigkeit von 93,3 Prozent (Spezifität 95,1 Prozent, Sensitivität 91,5 Prozent) Alzheimer-Patienten von Gesunden unterscheiden konnte.

Die Abgrenzung der Alzheimer-Kranken von Patienten mit psychiatrischen Erkrankungen wie Major-Depression oder bipolarer Störung gelang sogar mit einer Genauigkeit von 97,1 Prozent. Mit einer Genauigkeit von 82,8 Prozent konnte die Alzheimer-Erkrankung von anderen neurodegenerativen Erkrankungen wie dem Morbus Parkinson differenziert werden.

Der Test könnte, wenn sich die Ergebnisse in weiteren Studien bestätigen sollten, die Diagnose des Morbus Alzheimer erleichtern. Sie war lange Zeit erst postmortal möglich. Inzwischen geben bildgebende Verfahren wie die Positronen-Emissions-Tomographie (PET) gewisse Hinweise, und eine Untersuchung des Liquors auf Amyloide kann einen klinischen Verdacht bestätigen. In der klinischen Praxis werden diese Verfahren jedoch selten eingesetzt.

Die Studie unterstreicht zudem die Beteiligung der microRNA an der Pathogenese. Zwei der in den Test integrierten microRNA sind nach Auskunft der Autoren vermutlich an der Plaques-Bildung beteiligt. Andere sollen Wachstum und die Form der Nervenzellen bei der Entwicklung des Gehirns beeinflussen. © rme/aerzteblatt.de

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