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Medizin

Malaria: Vestibuläre und psychiatrische Nachwirkungen von Mefloquin

Dienstag, 30. Juli 2013

Rockville – Die US-Arzneibehörde FDA hat die Fachinformation des Malariamittels Mefloquin mit umrahmten Hinweisen versehen, die vor vestibulären und psychiatrischen Neben- und Nachwirkungen des Mittels warnen. Das Medikament war zuletzt von US-Medien mit dem Amoklauf eines US-Soldaten in Afghanistan in Verbindung gebracht worden.

Die anfängliche Begeisterung für Mefloquin, das 1989 von der US-Armee und dem Schweizer Unternehmen Hoffmann-La Roche (heute Roche) zusammen entwickelt wurde und das bei nur einmal wöchentlicher Einnahme in vielen Malaria-Regionen vor einer Infektion schützt, hat in den letzten Jahren stark abgenommen. Berichte über psychia­trische Symptome von Angst, Wahnvorstellungen und Depressionen bis zu Hallu­zinationen und psychotischem Verhalten hatten die FDA bereits 2003 zu einer Änderung der Fachinformation und zur Herausgabe eines Medication Guide veranlasst, der die Patienten auch auf die vestibulären Symptome wie Schwindel, Gleichgewichtsstörungen und Tinnitus hinwies.

In den Folgejahren häuften sich in der US-Armee, die ihre Soldaten im Irak und in Afghanistan mit Mefloquin vor Malaria-Infektionen geschützt hatten, die Beschwerden. Am 11. März letzten Jahres erschoss dann der US-Soldat Robert Bales in der Provinz Kandahar bei einer nächtlichen Patrouille 16 Zivilisten, darunter 9 Kinder und 3 Frauen. Ob Bales unter Einwirkung von Mefloquin stand, wie sein Anwalt vermutet, ist unklar. An den schweren psychiatrischen Nebenwirkungen des Medikamentes bestehen aus Sicht der FDA jedoch keine Zweifel.

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Nach der aktuellen Einschätzung der Arzneibehörde können Angstzustände, Verwirrungen, Wahnvorstellungen und Halluzinationen noch Monate, ja Jahre nach Absetzen des Medikaments persistieren. Die neurologischen Nebenwirkungen, die vor allem das Gleichgewichtsorgan betreffen, könnten sogar lebenslang bestehen bleiben, schreibt die FDA.

Die Behörde schränkt die Indikation von Mefloquin, das Menschen mit psychiatrischen Erkrankungen schon jetzt nicht einnehmen sollen, nicht weiter ein. Sie fordert die Anwender jedoch auf, bei den geringsten neurologischen oder psychiatrischen Symptomen das Mittel abzusetzen und mit dem Arzt über Alternativen nachzudenken. Die detaillierten Schilderungen im Medication Guide dürften dazu beitragen, dass das Mittel als Malaria-Prävention weiter an Beliebtheit einbüßen wird. © rme/aerzteblatt.de

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