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Medizin

EMA: Vorsicht mit Reserveantibiotika in der Viehzucht

Dienstag, 30. Juli 2013

London – Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) will die Verwendung von Colistin in der Viehzucht einschränken, aber nicht verbieten. Tigecyclin – wie Colistin in der Human­medizin ein wichtiges Reserveantibiotikum – sollte jedoch nicht zur Verwendung in der Viehzucht zugelassen werden, heißt es in einer Antwort auf eine Anfrage der Europäischen Kommission, bei der in dieser Frage die Entscheidungskompetenz liegt.

Colistin und Tigecyclin gehören zu den wenigen Antibiotika, die auch bei multiresistenten Bakterien noch wirksam sind. Colistin ist ein älteres Antibiotikum aus der Gruppe der Polymyxine. Es wurde bereits 1959 eingeführt, aufgrund seiner nephrotoxischen Wirkung lange Zeit aber nicht in der Humanmedizin eingesetzt.

Erst im letzten Jahr wurde es zur parenteralen systemischen Therapie beim Menschen wieder eingeführt. Tigecyclin, der erste Vertreter aus der Klasse der Glycylcycline, wurde gezielt als Alternative zu Tetrazyklinen entwickelt. Es kam erst 2007 in Deutschland auf den Markt.

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Colistin wird in der Veterinärmedizin seit längerem zur parenteralen Therapie von schweren Infektionen eingesetzt, und es besteht die Befürchtung, dass die dabei induzierten Resistenzen auf menschliche Bakterien transferiert werden könnten. Dafür gibt es nach Ansicht der EMA derzeit allerdings keine Hinweise. Die Behörde räumt aber ein, dass nur eingeschränkte Informationen zu dieser Frage verfügbar sind und die Situation sich jeder Zeit ändern könnte.

Sie rät deshalb dazu, den Einsatz in der Tiermedizin auf die Behandlung von erkrankten Tieren zu beschränken und jede präventive Anwendung zu verbieten. Gleichzeitig sollte die Surveillance zur Entstehung und Verbreitung von Resistenzen verbessert werden. In diesem Fall müsse das Nutzen-Risiken-Verhältnis von Colistin überprüft werden.

Tigecyclin ist derzeit nicht für die Anwendung in der Tiermedizin zugelassen, es wird nach Information der EMA jedoch gelegentlich Off-label zur Behandlung von Katzen und Hunden eingesetzt. Die EMA sieht derzeit keine Notwendigkeit für eine Zulassung in der Tiermedizin, und sollte sich diese doch ergeben, müsste die Möglichkeit eines Resistenz­transfers auf den Menschen in die Beurteilung des Nutzen-Risiken-Verhältnisses ein­fließen, heißt es in der Pressemitteilung.

Die Europäische Kommission ist nicht an die Ratschläge der EMA gebunden, befolgt sie aber in aller Regel. Im Fall einer Richtlinie muss sie nach einer gewissen Frist von den Mitgliedsländern umgesetzt werden. © rme/aerzteblatt.de

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