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Medizin

Antidiabetikum Metformin verlängert Leben von Mäusen

Mittwoch, 31. Juli 2013

Molukulares Modell von Metformin /dpa

Baltimore – Das Biguanid Metformin, seit längerem Mittel der Wahl in der Behandlung des Typ 2-Diabetes, hat in Fütterungsversuchen an Mäusen die Lebenszeit verlängert. Die Autoren vergleichen die „Anti-Aging-Effekte“ in Nature Communications (2013; doi: 10.1038/ncomms3192) mit den Auswirkungen einer Kalorien-Restriktion – nur dass die Tiere unter Metformin nicht weniger, sondern mehr Nahrung zu sich nahmen.

Metformin wird von den Diabetologen präferiert, weil es das einzige orale Antidiabetikum ist, für das eine Senkung des Herzkreislaufrisikos belegt ist. Auch die leichte Gewichtsabnahme gilt bei den zumeist übergewichtigen Typ-2-Diabetikern als günstige Begleitwirkung, allerdings mit gastrointestinalen Nebenwirkungen wie Durchfall, Übelkeit und Erbrechen. In (letztlich aber nicht beweisenden) Kohortenstudien wurde Metformin zuletzt auch mit einer verminderten Krebsrate in Verbindung gebracht. Der Altersforscher Rafael de Cabo vom National Institute on Aging in Baltimore wurde auf Metformin aufmerksam, weil die Effekte im Körper in einigen Aspekten denen einer Kalorienrestriktion ähneln, die bei vielen einfachen und komplexeren Lebewesen die Lebenszeit verlängert hat.

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Im Rahmen eines Interventions Testing Program, das den Einfluss verschiedener Anti-Aging-Substanzen untersucht, wurden deshalb auch Experimente mit Metformin durchgeführt. Das Futter von männlichen Mäusen wurde ab der mittleren Lebensphase mit 0,1 Prozent oder ein Prozent Metformin versetzt. In der ersten Gruppe verlängerte Metformin die Lebenserwartung um 5,83 Prozent gegenüber einer Kontrollgruppe ohne Metformin im Futter. Die höhere Dosierung erwies sich dagegen als toxisch. Die Lebensphase wurde um 14,4 Prozent vermindert, was de Cabo mit der – auch von der humanmedizinischen Anwendung her bekannten – Nephrotoxizität von Metformin in Verbindung brachte.

Eine Reihe von Experimenten zeigte, dass 0,1 Prozent Metformin im Futter mehrere günstige Auswirkungen auf die Gesundheit hatte. Das orale Antidiabetikum steigerte die Fitness der Tiere und sie wogen weniger als die Mäuse in der Kontrollgruppe - obwohl sie mehr Kalorien zu sich nahmen. Metformin steigerte die Fettverbrennung, und die Tiere nahmen auch im Alter nicht zu. Sie entwickelten seltener Katarakte, ein bei den verwendeten Mäusen häufiges Gesundheitsproblem.

Erwartungsgemäß verhinderte Metformin die Entwicklung eines metabolischen Syndroms, der Kombination aus Adipositas, Hypertonie und Dyslipoproteinämie, die zusammen mit einer Insulinresistenz für den Typ 2-Diabetes verantwortlich gemacht wird. Laut de Cabo hatte Metformin auch auf genetischer Ebene die gleichen Auswirkungen auf Leber und Muskelgewebe, die in den Tierexperimenten zur Lebenszeitverlängerung durch Kalorienrestriktion gefunden wurden. De Cabo will auch antioxidative und antientzündliche Wirkungen gefunden haben, die ebenfalls weit oben auf der Wunschliste der Anti-Aging-Wirkungen stehen.

Ob die Ergebnisse auf den Menschen übertragen werden können, ist unklar. Die Fütterung mit 0,1 Prozent Metformin führte bei den Mäusen zu Serumkonzentrationen von 0,45 mMol, die laut de Cabo um eine Größenordnung höher sind als beim therapeutischen Einsatz von Metformin beim Menschen.

Metformin hat in der humanmedizinischen Anwendung zwar eine relativ große therapeu­tische Breite und die Nebenwirkungen verhindern häufig eine chronische Überdosierung. Sicherheit und Effektivität müssten allerdings zunächst in klinischen Studien geprüft werden. In den gewöhnlichen therapeutischen Dosierungen hat Metformin in klinischen Studien mehrfach eine diabetespräventive Wirkung erzielt. © rme/aerzteblatt.de

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