Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Vermischtes

Mutmaßliche Pflegemängel im Altenheim: Staatsanwaltschaft ermittelt

Donnerstag, 1. August 2013

Mainz – Nach Vorwürfen wegen Pflegemängeln hat die Staatsanwaltschaft Mainz Ermittlungen gegen die Verantwortlichen eines Mainzer Altenpflegeheims aufgenommen. In dem Heim waren nach Angaben des Sozialministeriums bei zwei unangekündigten Kontrollen

Pflege- und Hygienemängel festgestellt worden. Unter anderem seien Bewohner unzureichend mit Flüssigkeit versorgt worden, sagte gestern eine Ministeriums­sprecherin. Der Leitende Oberstaatsanwalt Klaus-Peter Mieth erklärte, es werde wegen des Verdachts auf fahrlässige Körperverletzung ermittelt.

Auslöser für die Kontrollen waren nach Angaben des Ministeriums Beschwerden eines Angehörigen und eines Mitarbeiters der Einrichtung. Dabei seien „gravierende Mängel“ beanstandet worden. Das für die Heimaufsicht zuständige Landesamt für Soziales habe am vergangenen Wochenende gemeinsam mit dem Medizinischen Dienst der Kranken­kassen und dem Gesundheitsamt mehrfach Ärzte in die Einrichtung geschickt, um die Versorgung der Bewohner angesichts der hochsommerlichen Temperaturen zu überprüfen, sagte die Sprecherin.

Die Heimaufsicht habe den Betreiber angewiesen, die Defizite zu beheben und das Personal aufzustocken. „Offenbar gab es in der Einrichtung eine hohe Fluktuation.“ Die Personalausstattung sei nicht entsprechend gewesen, sagte die Ministeriumssprecherin. Zudem sei mit dem Träger ein Aufnahmestopp bis 31. Januar 2014 vereinbart worden. Derzeit leben in der Einrichtung laut Betreiber 187 Pflegebedürftige, insgesamt gibt es 206 Pflegeplätze.

Die Unternehmensgruppe aus Oberursel (Hessen), die das Heim betreibt, bestätigte, es seien einzelne Defizite festgestellt worden. Sie weist jedoch die Kritik an der personellen Ausstattung zurück: „Wir beschäftigen mehr Mitarbeiter als von den Kassen gefordert“, sagte ein Sprecher. Es seien vier zusätzliche Pflegestellen besetzt. „Das Haus wurde 2011 und 2012 von den Aufsichtsbehörden mit der Note sehr gut bewertet“, betonte Geschäftsführer Humayun Kabir in einer Stellungnahme. Durch den freiwilligen Belegungsstopp könnten sich die Mitarbeiter ganz auf die Pflege konzentrieren.

Nach Angaben des Landesamtes für Soziales waren im Juli in dem Haus 90 Festan­gestellte und 49 Leasingkräfte beschäftigt. In einzelnen Schichten sei teilweise zu wenig und nicht ausreichend qualifiziertes Personal eingesetzt worden. Innerhalb einer Frist von vier Wochen müsse nun ein Personalbindungskonzept erarbeitet und der Geschäftsführung vorgelegt werden, erklärte ein Sprecher des Landesamtes. In dem Papier soll erläutert werden, wie das Pflegeheim dauerhaft Stammpersonal an die Einrichtung binden will.

AOK fordert Pflegebeirat
Der Vorstandschef der AOK Rheinland-Pfalz/Saarland, Walter Bockemühl, forderte als Konsequenz eine verbesserte Rechtsposition für die Pflegekassen. „Wir brauchen für solche Problempflegeheime einen Beirat, in dem Vertreter der Pflegekassen und Patientenvertreter sitzen“, sagte er der Allgemeinen Zeitung aus Mainz.

Dieser „Pflegebeirat“ müsse Einblick in alle internen Abläufe des Hauses erhalten sowie die personelle Ausstattung inklusive Qualifizierung kennen. „Mit dieser internen Kenntnis können wir als Kassen ein Heim in der Krise über einen begrenzten Zeitraum hinweg begleiten und gegensteuern, sobald es erneut Probleme gibt.“

Das Altenheim im Mainzer Stadtteil Finthen war bereits 2007 wegen Pflegedefiziten in die Kritik geraten. Die Heimaufsicht hatte damals den Betrieb untersagt, die Betreibergruppe aber schwere Pflegemängel bestritten. Nach einem gerichtlichen Vergleich wechselte die Einrichtung den Träger. Sie wurde von einer Tochtergesellschaft der Betreibergruppe unter neuem Namen weitergeführt. © dpa/aerzteblatt.de

Anzeige
Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

12.10.17
Pflege: Hessen plant neue Vorgaben für Einrichtungen
Frankfurt am Main – Das hessische Sozialministerium will vor allem neuen Pflegeeinrichtungen strengere Vorgaben beim Bau machen und größere Zimmer für die Bewohner vorschreiben. Bestehende......
02.10.17
Zahl der Beschwerden über Pflegeeinrichtungen in Sachsen-Anhalt steigt
Halle – In Sachsen-Anhalt ist die Zahl der Beschwerden wegen angeblicher Mängel in Pflegeeinrichtungen im zurückliegenden Jahrzehnt deutlich gestiegen. 2016 erreichten 144 Beschwerden die für die......
12.09.17
Pflegeheimkosten: CDU will Kinder von Zuzahlungen entlasten
Düsseldorf – Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Hermann Gröhe (CDU) will im Fall eines Wahlsiegs der Union die Kinder pflegebedürftiger Eltern von Zuzahlungen für eine Heimunterbringung entlasten. „Wenn......
05.09.17
Pflegerat warnt vor Aufweichung der Fachkraftquote in Pflegeeinrichtungen
Berlin – „Finger weg von der Fachkraftquote in stationären Pflegeeinrichtungen“. Diese Warnung hat heute der Deutsche Pflegerat (DPR) ausgesprochen. Hintergrund sind Forderungen des pflegepolitischen......
25.08.17
Mehr Beschwerden bei Heimaufsicht in Berlin
Berlin – Die Zahl der Beschwerden gegen Berliner Alten- und Pflegeheime sowie Behinderteneinrichtungen ist gestiegen. Erreichten die Heimaufsicht 2015 noch 232 Anzeigen, waren es 2016 bereits 260. Das......
22.08.17
NRW-Gesundheits­minister droht Pflegeheimen mit Belegungsstopp
Düsseldorf – Pflegeheime, die immer noch nicht die gesetzliche Einzelzimmer-Quote erfüllen, müssen mit einem Belegungsstopp rechnen. Darauf hat Nordrhein-Westfalens Ge­sund­heits­mi­nis­ter Karl-Josef......
16.08.17
Großbritannien vor Krise in der Altenpflege
London – In den nächsten acht Jahren wird sich in Großbritannien der Bedarf an Pflegeplätzen in britischen Altenheimen verdoppeln. Dann seien 71.000 zusätzliche Betten notwendig, heißt es in der......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige