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Medizin

Rituximab bei ANCA-Vaskulitis: Premiere einer Transparenz-Studie

Donnerstag, 1. August 2013

Boston – Eine randomisierte Studie in einer eher seltenen klinischen Indikation könnte nicht nur den Betroffenen mit ANCA-assoziierter Vaskulitis nutzen, für die eine Behand­lung mit dem Antikörper Rituximab die bessere Wahl sein könnte. Die Studie im New England Journal of Medicine (2013; 369: 417-427) dürfte auch der Beginn einer neuen Form medizinischen Publizierens sein. Erstmals wird anderen Forschern über ein Internet-Portal Einblick in die Rohdaten der Studie erlaubt.

In den letzten Jahren wurden zahlreiche Initiativen gestartet, um die Qualität medizi­nischer Publikationen zu erhöhen und das (oft verloren gegangene) Vertrauen in die Ergebnisse wieder herzustellen. Die meisten Fachzeitschriften fordern heute die Angabe von finanziellen Interessenskonflikten der Autoren, die Studien müssen vor Beginn registriert werden, und in der Publikation wird auf Mindeststandards zu Patienten­auswahl, Design und Statistik geachtet.

Einblick in die Rohdaten
Der nächste Schritt geht dahin, Kritikern und Meta-Analytikern Einblick in die Rohdaten zu ermöglichen. Kritiker sollen damit die Berechnungen überprüfen können, Meta-Analytiker werden in die Lage versetzt, ihre studienübergreifenden Auswertungen auf ein solides Fundament zu setzen.

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In den letzten Jahren hatte GlaxoSmithKline als erster Konzern angekündigt, die Rohdaten klinischer Studien künftig im Internet zur Verfügung zu stellen, wodurch sich der Konzern auch in der öffentlichen Darstellung vom Konkurrenten Roche abhob, der in den letzten Jahren in eine Transparenzdebatte und das lukrative, aber umstrittene Grippe-Mittel Oseltamivir verstrickt war. Die Arzneimittelagenturen in Europa und den USA haben ebenfalls angekündigt, die für die Zulassung von Medikamenten eingereichten Daten künftig leichter verfügbar zu machen.

Den Anfang machte jetzt aber das Immune Tolerance Network (ITN) der US-National Institutes of Health, das sich um neue Therapien für die Gruppe der Autoimmun­erkrankungen bemüht. Das Consortium hat ein Internetportal ITN TrialShare freige­schaltet, das die Rohdaten der einzelnen Patienten in anonymisierter Form zur Verfügung stellen will. Den Anfang machen jetzt die Ergebnisse der randomisierten doppelblinden RAVE-ITN-Studie, die nach einer Verbesserung und Vereinfachung der Therapie von ANCA-assoziierten Vaskulitiden gesucht hat.

Die ANCA-assoziierten Vaskulitiden umfassen mehrere Autoimmunerkrankungen, deren gemeinsamer Nenner das Auftreten von Anti-Neutrophilen Cytoplasmatischen Antikörpern (ANCA) ist. Zu dieser Gruppe gehören die Granulomatose mit Polyangiitis (GPA, früher: Wegener-Granulomatose) und die mikroskopische Polyangiitis. Die ANCA attackieren die neutrophilen Leukozyten, was vermutlich der Grund für die gravierenden Schäden an den Blutgefäßen ist. Patienten mit GPA hatten früher eine mittlere Lebenserwartung von nur 5 Monaten.

Ein vor vier Jahrzehnten eingeführtes Therapieschema rettet heute den meisten Patienten das Leben. ANCA-assoziierte Vaskulitiden wurden zu einer chronischen Erkrankung. Die Standardtherapie besteht aus einer drei- bis viermonatigen Behandlung mit Cyclophosphamid plus Steroid, gefolgt von einer immunsupprimierenden Erhaltungstherapie mit Azathioprin, das die Patienten täglich einnehmen müssen. Diese Therapie ist allerdings nicht ohne Risiken, nicht selten kommt es zu einer lebensgefährlichen Leukopenie.

Viele Zentren bevorzugen heute eine Therapie mit dem Antikörper Rituximab. Rituximab führt zu einer Depletion der B-Zellen, die vermutlich an der Pathogenese der ANCA-assoziierten Vaskulitiden beteiligt sind, es verschont allerdings die ausgereiften Plasmazellen. Dadurch ist es für die Patienten schonender als die aggressive Standardtherapie mit dem Zytostatikum Cyclophosphamid.

Der Vorteil von Rituximab ist zum einen, dass nur vier Infusionen im Abstand von einer Woche erforderlich sind, um die Patienten langfristig vor den Attacken der ANCA zu schützen. Das Team um John Stone vom Massachusetts General Hospital in Boston hatte bereits vor drei Jahren in einer früheren Publikation zur RAVE-ITN-Studie zeigen können, dass nach 6 Monaten noch 64 Prozent der mit Rituximab behandelten Patienten keine neuen Zeichen einer Krankheitsaktivität hatten im Vergleich zu 53 Prozent unter der Standardtherapie.

Zu einem ähnlich positiven Ergebnis war damals die European Vasculitis Study gekommen (NEJM 2010; 363: 211-220). Basierend auf diesen Therapieergebnissen wurde Rituximab im Jahr darauf zur Behandlung der ANCA-assoziierten Vaskulitis zugelassen.

Die aktuelle Publikation zeigt jetzt, dass der Therapieerfolg von Rituximab (ohne erneute Antikörper-Infusion) bei 39 Prozent auch nach 18 Monaten noch anhielt gegenüber 33 Prozent unter der Standardtherapie (mit fortgesetzter Azathiopringabe). Die Neben­wirkungsrate in den beiden Therapie-Armen war zwar gleich, doch der Verzicht auf die dauerhafte Einnahme von Medikamenten dürfte für die Patienten nicht nur bequemer sein, sie könnte sie auch vor den langfristigen Risiken des Immunsuppressivums bewahren, zu denen Krebserkrankungen, Unfruchtbarkeit und Infektionen gehören. © rme/aerzteblatt.de

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