Medizin

Anämie als Demenzrisiko

Donnerstag, 1. August 2013

San Francisco – Eine Anämie könnte bei älteren Menschen die Entwicklung einer Demenz begünstigen. Zu diesem Ergebnis kommt eine prospektive Beobachtungsstudie in Neurology (2013, doi: 10.1212/WNL.0b013e31829e701d). Eine Anämie verschlechtert die Sauerstoffversorgung für das Gehirn, was bei älteren Menschen die kognitiven Fähigkeiten vorübergehend mindern kann.

Wenn es durch den Sauerstoffmangel jedoch zum Absterben von Hirnzellen kommt, kann dies auf Dauer in eine Demenz münden. Kristine Yaffe von der Universität von Kalifornien hat hierzu die Daten der Health, Aging and Body Composition-Studie untersucht, die eine Kohorte von über 70-Jährigen begleitet. Zu Beginn der Studie hatten 393 von 2.552 kognitiv gesunden Teilnehmern eine Anämie, definiert als Hb-Wert unter 13 g/dl bei Männern und unter 12 g/dl bei Frauen.

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Von den 393 Anämie-Patienten entwickelten in den folgenden 11 Jahren 89 Personen oder 23 Prozent eine Demenz. In der Vergleichsgruppe der Senioren ohne Anämie kam es nur bei 17 Prozent zu einer Demenz. Yaffe errechnet daraus eine Hazard Ratio von 1,64, die mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 1,30 bis 2,07 signifikant war, woran sich auch nach Berücksichtigung möglicher anderer Einflussfaktoren wie Alter, Geschlecht, Ethnie, Bildung, Begleiterkrankungen und genetischer Alzheimerrisiken nichts änderte.

Die Studie zeigt erneut, dass die Ablagerung von Amyloiden nicht die einzige Ursache von Demenzen ist und es wie bei der Anämie durchaus Möglichkeiten einer Prävention geben könnte (wobei dies bei der Anämie streng genommen noch in einer Interventionsstudie zu beweisen wäre). © rme/aerzteblatt.de

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