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Medizin

Internetbasierte Schulung senkt Antibiotika­verordnungen

Freitag, 2. August 2013

dpa

Southampton – Ein Internet-Training, das Ärzten Hilfsmittel zur leichteren Indikations­stellung anbot und im Umgang mit den Patienten schulte, hat in einer randomisierten Studie im Lancet (2013; doi: 10.1016/S0140-6736(13)60994-0) die Antibiotika­verordnungen bei akuten Atemwegserkrankungen deutlich gesenkt.

Viele Ärzte gehen bei akuten Atemwegserkrankungen auf Nummer sicher und verordnen ein Antibiotikum, zumal der Patient im Sprechzimmer dies in der Regel wünscht. Im Ein­zelfall ist diese Entscheidung ohne Risiken, da viele Antibiotika gut verträglich sind. Langfristig fördert die Nonchalance jedoch die Ausbreitung von Antibiotikaresistenzen.

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Als Gegenmittel setzt das „Genomics to Combat Resistance against Antibiotics in Community-acquired LRTI in Europe“ oder Grace-Consortium auf eine verbesserte Ausbildung der Allgemeinmediziner, die sowohl in der Indikationsstellung als auch in der Kommunikation gestärkt werden sollen. Dafür wurden in den letzten Jahren zwei Schulungen entworfen, die jetzt internetbasiert in einer Studie in 246 Arztpraxen aus sechs Ländern (ohne deutsche Beteiligung) getestet wurde.

Die erste Schulung leitete die Ärzte an, in diagnostisch unklaren Fällen, das C-reaktive Protein (CRP) mit einem Schnelltest zu bestimmen, der innerhalb von 3 Minuten ein Ergebnis liefert. Das CRP hilft den Ärzten, schwere untere Atemwegserkrankungen mit dem Verdacht auf eine Lungenentzündung von leichteren Erkrankungen abzugrenzen, die zunächst eine abwartende Haltung erlauben. Die zweite Schulung sollte die kommu­nikativen Fähigkeiten der Ärzte verbessern, die sich häufig mit einem drängenden Verordnungswunsch der Patienten konfrontiert sehen.

Die Studie hatte vier Gruppen. In einer wurden die Ärzte nur in der Anwendung des CRP-Tests geschult. Dies hatte, wie das Team um Paul Little von der Universität Southampton berichtet, eine Reduktion der Antibiotikaverordnungen bei Atemwegs­infektionen um 47 Prozent zur Folge gegenüber einer Kontrollgruppe, in der die Ärzte kein Training erhielten.

In einer dritten Gruppe nahmen die Ärzte nur an einem Kommunikationstraining teil. Die Antibiotikaverordnungen gingen hier um 32 Prozent zurück. Am deutlichsten waren die Auswirkungen in der vierten Gruppe, in der die Ärzte an beiden Schulungen teilnahmen. Die Antibiotikaverordnungen gingen hier um 62 Prozent zurück.

Die beiden Internetbasierten Programme könnten (mit der Ausnahme für die CRP-Tests) mit geringem finanziellen Aufwand auf breiter Ebene eingeführt werden. Es fehlt in der Studie allerdings der Nachweis, dass die Verminderung der Antibiotikaverordnungen nicht doch mit Nachteilen für die Patienten verbunden sind, weil die Behandlung von bakteriellen Pneumonien verzögert werden, gibt der Editorialist Chris van Weel von der Radboud Universität in Nijmegen zu bedenken. © rme/aerzteblatt.de

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