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Medizin

Blutdruck­schwankungen erhöhen Demenzrisiko

Freitag, 2. August 2013

dpa

Leiden – Stärkere Blutdruckschwankungen zwischen den Einzelmessungen waren in einer Beobachtungsstudie im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2013; 347: f4600) bei älteren Patienten mit schlechteren Ergebnissen in kognitiven Tests sowie vermehrten Atrophie­zeichen in den Gedächtniszentren im Gehirn sowie häufigeren Mikroblutungen verbunden.

Neben dem Morbus Alzheimer ist die Atherosklerose eine wichtige Demenzursache. Im Rahmen einer arteriellen Hypertonie sind dabei starke Blutdruckschwankungen ein Hinweis für eine Fragilität der Blutgefäße. Zu den Folgen zählen Mikroinfarkte, die infolge der verbesserten Bildgebung immer häufiger bei älteren Menschen beobachtet werden und die mit einer vaskulären Demenz in Verbindung gebracht werden.

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Ein Team um Simon Mooijaart konnte zu dieser Frage die Daten der PROSPER-Studie auswerten, die an 5461 Patienten im Alter von 70 bis 82 Jahren die Wirkung eines Statins bei älteren Menschen untersucht hat. Am Ende der Studie war bei allen Patienten ausführliche kognitive Tests durchgeführt worden, die Mooijaart mit den Blutdruck­schwankungen im Verlauf der dreijährigen Studie in Verbindung setzte.

Patienten mit den stärksten Schwankungen erzielten später in allen kognitiven Tests die schlechtesten Ergebnisse. Sie patzten häufiger im Stroop-Test, bei dem sie Farbwörter lesen müssen, deren Buchstaben aber die falsche Farbe hatten. Sie waren im „Letter-digit coding“-Test verlangsamt, wo sie Buchstaben bestimmten Symbolen zuordnen mussten. Und Tests zum Kurzeit- und Langzeitgedächtnis deckten größere Lücken auf.

Bei einem Teil der Teilnehmer wurde am Ende der Studie eine Kernspintomographie des Schädels angefertigt. Laut Mooijaart hatten die Patienten mit den größten Blutdruck­schwankungen am häufigsten Atrophiezeichen in den Hippocampi, den Gedächtnis­zentren des Gehirns, und die Zahl der Mikroblutungen war am höchsten.

Diese Befunde unterstreichen den Verdacht, dass die Blutdruckschwankungen ein Marker für vaskuläre Störungen bis hin zu Mikroinfarkten sind, die auch die kognitiven Zentren im Gehirn angreifen. Als Beobachtungsstudie kann die Untersuchung allerdings nicht klären, ob die Blutdruckschwankungen eine Ursache der Demenz sind oder Folge einer allgemeinen Störung der Hirnfunktion, die auch die Blutdruckregulierung beeinträchtigt.

Die Studie unterstreicht aber die Bedeutung kardiovaskulärer Faktoren für die Demenzentwicklung. Mooijaart verweist auf eine kürzlich im Lancet publizierte Studie, nach der die Zahl der Demenzerkrankungen bei älteren Menschen in Großbritannien in den letzten Jahren gesunken ist. Die bessere Behandlung kardiovaskulärer Risiko­faktoren, darunter auch der Hypertonie, könnte seiner Ansicht nach für diese günstige Entwicklung verantwortlich sein. © rme/aerzteblatt.de

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dr.med.thomas.g.schaetzler
am Samstag, 3. August 2013, 11:03

Antihypertensiva unregelmäßig eingenommen?

Ist es nicht eher umgekehrt, dass ein erhöhtes Demenzrisiko zu unregelmäßiger und stark schwankender Einnahme blutdrucksenkender Medikamente führt? Diese Studie mit dem Ergebnis, dass signifikante Blutdruck-Schwankungen angeblich das Demenzrisiko erhöhen, diskutiert an keiner einzigen Stelle, dass dokumentierte stärkere Blutdruckschwankungen bei den 5.461 Teilnehmern der mit 5.804 zwischen 72 und 82 Jahre alten Patienten gestarteten PROSPER-Studie ["The PROspective Study of Pravastatin in the Elderly at Risk"] eher Compliance- und Adhärenz-Probleme darstellen könnten. Und die Demenz damit n i c h t eher Folge der Blutdruckschwankungen, sondern faktische U r s a c h e derselben wäre.

An dem Akronym "PROSPER" erkennt man unschwer, dass die im Deutschen Ärzteblatt exakt referierte Veröffentlichung der niederländischen Forschergruppe ihre Fragestellungen und Schlussfolgerungen einer eigentlich gescheiterten, multizentrischen Pravastatin-Studie s e k u n d ä r aufgepfropft haben. Entlarvend ist auch, dass man Verum- u n d Placebo-Patienten gleichermaßen genommen hatte, weil die Pravastatin-Therapie in der ursprünglich intendierten, prospektiven, randomisierten Verblindung in puncto kognitiver Funktion, strukturellem Hirnvolumen und mikrovaskulärer zerebraler Erkrankungen nichts gebracht hatte ["Participants were included from both the pravastatin and the placebo groups as we previously reported that treatment with pravastatin did not influence cognitive function, structural brain volumes, or indicators of cerebral small vessel disease."].

M. E. ist es ein Zeichen wissenschaftlicher Treuherzigkeit, wenn höhere systolische und diastolische Blutdruck(RR)-Schwankungen ausschließlich im Zusammenhang mit schlechteren Ergebnissen in verschiedenen Bereichen kognitiver Funktion, geringerem Hippocampus-Volumen und Risiken kortikaler Infarkte gesehen werden. Höhere Variabilität des diastolischen RR war mit dem Risiko zerebraler Mikroblutungen assoziiert. Diese Assoziationen seien angeblich u n a b h ä n g i g von anderen kardiovaskulären Risikofaktoren (CVRF). Was die Forschergruppe allerdings dazu antreibt, als spezielle CVRF lediglich den durchschnittlichen systolischen/ diastolischen RR zu erwähnen, bleibt unerfindlich. Hypertensive strukturelleHerzkrankheit, KHK, Vorhofflimmern, Diabetes u. a. hatte man bei den CVRF schlichtweg vergessen? [„Higher visit-to-visit variability in systolic and diastolic blood pressure was associated with worse performance in different domains of cognitive function and lower hippocampal volume and risk of cortical infarcts. Higher variability in diastolic blood pressure was associated with risk of cerebral microbleeds. These associations were independent of various cardiovascular risk factors, in particular average systolic and diastolic blood pressures.”]

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund (z. Zt. Orange/F)
LNS

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