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Patient Blood Management: Kluger Umgang mit einer wertvollen Ressource

Montag, 5. August 2013

dpa

Frankfurt/Main – Vor allem in Ferienzeiten und in Hitzeperioden lässt die Blutspende­bereitschaft erheblich nach. Aber auch die demografische Entwicklung trägt mit dazu bei, dass Blut zunehmend zu einer knappen Ressource wird. Denn immer mehr älteren Patienten mit einem wachsenden Transfusionsbedarf stehen immer weniger mögliche Blutspender gegenüber. Die Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) fordert daher seit 2011 die Einführung eines Patient Blood Management (PBM).

Zudem sind Bluttransfusionen immer auch ein potenzielles Risiko für den Patienten. Neueren Studien zufolge könnte die Gabe von Fremdblutkonserven mit einer erhöhten Mortalität, Morbidität  und einem erhöhten Infektionsrisiko verbunden sein.

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Um diesen Problemen zu begegnen und die Patientensicherheit zu erhöhen, hat das Universitätsklinikum Frankfurt zusammen mit den Unikliniken in Bonn, Kiel und Münster ein Projekt Patientenblut-Management gestartet.

Der Einsatz von Fremdblut­trans­fusionen soll dabei durch drei Maßnahmen verbessert werden: durch die spezielle Vorbehandlung von Anämie-Risikopatienten vor elektiven operativen Eingriffen, durch die standardisierte Prüfung, ob eine Bluttransfusion tatsächlich sinnvoll ist, und durch die Minimierung des Blutverlustes während und nach der Operation. Frankfurt übernimmt dabei für Deutschland die Federführung in diesem Bereich der Versorgungsforschung.

„Das ist die erste größere Untersuchung weltweit zu diesem Thema“, erklärte Kai Zacharowski, Direktor der Klinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin und Schmerz­therapie. „Wir freuen uns, dass wir dieses wichtige Anliegen der WHO gemeinsam mit unseren Partnern erstmalig in Deutschland in die Praxis umsetzen können.“ Insgesamt sollen bis Ende 2015 mehr als 100.000 Patienten in die Studie einbezogen werden.

Auch in ökonomischer Hinsicht könnte sich das PBM für die Krankenhäuser rechnen: Das Universitätsklinikum Frankfurt etwa wendet für das Management von Blutkonserven einschließlich Laborleistung derzeit sieben Millionen Euro jährlich auf. Circa zehn Prozent dieser Kosten ließen sich nach Schätzungen der Experten durch das PBM einsparen.

Umgesetzt wird das Projekt in enger Kooperation mit den chirurgischen Kliniken. Während der Implementierungsphase von Juli bis September und in regelmäßigen Abständen danach finden Fortbildungen für Ärzte und Pflegepersonal auf allen chirurgischen Stationen statt, berichteten die Projektkoordinatoren  Patrick Meybohm und Dania Fischer. Nach der vollständigen Einführung wird das PBM-Programm bei allen erwachsenen, stationär aufgenommenen chirurgischen Patienten eingesetzt.

Umsetzung in drei Säulen
Die erste Säule des PBM bilden spezielle Vorbehandlungen von Risikopatienten vor operativen Eingriffen. Durch ein standardisiertes Prüfverfahren wird ermittelt, wie massiv der Blutmangel ist und wie hoch das Risiko für eine Bluttransfusion wäre. Bei Bedarf wird ein interdisziplinäres Fachkonsil einberufen, das vorbereitende medizinische Maß­nahmen festlegt, durch die die Blutarmut reduziert und damit der Einsatz von Blut­konserven ohne gesundheitliche Risiken vermieden werden kann.

Die zweite Säule zielt auf den möglichst rationalen Einsatz der Blutkonserven auf Basis der Querschnittsleitlinien zur Therapie mit Blutkomponenten und Plasmaderivaten der Bundes­ärzte­kammer. Hierfür wurde eine Transfusionsbedarf-Checkliste entwickelt, mit der in jedem Einzelfall die Entscheidung für oder gegen den Einsatz einer Blutkonserve überprüft wird.

Die dritte Säule umfasst weitere Maßnahmen, die den Blutverlust während und nach der OP minimieren. Dazu zählen unter anderem die restriktive Handhabung von Blutent­nahmen, der routinemäßige Einsatz von Cell-Saver-Geräten, die das Patientenblut bei Risikooperationen wieder auffangen, sowie ein Point-of-Care-gestütztes, patientennahes Gerinnungsmanagement.

Die Klinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin und Schmerztherapie des Universitäts­klinikums Frankfurt am Main, koordiniert zusammen mit dem Institut für Transfusions­medizin und Immunhämatologie, DRK-Blutspendedienst Baden-Württemberg – Hessen, das Projekt. 15 weitere Kliniken wollen sich anschließen. Langfristig soll das Konzept auf möglichst viele Krankenhäuser ausgeweitet werden.  Die Begleitforschung zum Projekt übernimmt das Institut für Biostatistik und mathematische Modellierung am Universitätsklinikum Frankfurt. © KBr/aerzteblatt.de

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