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Medizin

Probiotika: Kein Schutz vor Antibiotika-Diarrhö in Studie

Donnerstag, 8. August 2013

Swansea –. Die in den letzten Jahren populär gewordene Prophylaxe einer Antibiotika-assoziierten Diarrhö durch Einnahme von Probiotika hat in der ersten großen rando­misierten Studie an Senioren nicht gewirkt. Laut der Publikation im Lancet (2013; doi: 10.1016/S0140-6736(13)61218-0) konnte weder die Rate von Durchfallerkrankungen noch die Zahl der gefürchteten Clostridium-difficile-assoziierten Diarrhö signifikant gesenkt werden.

Einer von fünf bis zehn Senioren erkrankt während einer Antibiotikatherapie an einer Diarrhö. In den meisten Fällen ist die Durchfallerkrankung selbstlimitierend, bei einigen Patienten kommt es jedoch zu einer Ausbreitung des Problemkeims C. difficile, der durch seine Toxine die Darmwand schädigt und im schlimmsten Fall ein toxisches Megakolon auslösen kann. Die Idee, die Darmflora durch die Einnahme von lebenden Bakterien zu stabilisieren, hat in den letzten Jahren viele Anhänger gewonnen.

Doch die Evidenz ist umstritten. Sie stützt sich derzeit auf Meta-Analysen, deren Aussagekraft durch die Unterschiede im Design der Einzelstudien und der fehlenden Vergleichbarkeit der verwendeten Präparate eingeschränkt ist. Vom PLACIDE-Trial wurden hier für die Gruppe der Senioren definitive Antworten erwartet.

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An der Studie nahmen an fünf Zentren in Wales und England insgesamt 2.941 Patienten im Alter von über 65 Jahren teil, bei denen eine Antibiotikatherapie geplant war. Die Hälfte der Patienten erhielt im Rahmen der Studie über 21 Tage zusätzlich ein Placebo oder ein Probiotikum mit lebenden Milchsäure- und Bifidobakterien.

Das Team um Stephen Allen von der Universität Swansea hat die Studie sorgfältig geplant. Die Randomisierung wurde zentral durchgeführt und weder Patienten noch die behandelnden Ärzte wussten, in welcher Gruppe sie sich befanden. Doch die Probiotika zeigten keinerlei Wirkung.

Wie Allen berichtet, erkrankten ohne Probiotikaschutz 10,8 Prozent der Patienten an einer AAD, mit Probiotikaschutz waren es 10,4 Prozent. Hinsichtlich der Clostridium-difficile-assoziierten Diarrhö (CDAD) wurde immerhin ein Trend zu einer protektiven Wirkung erkennbar: Mit Probiotikaschutz erkrankten 0,8 Prozent der Patienten an einer CDAD, ohne Probiotikaschutz waren es 1,2 Prozent oder etwa ein Drittel mehr. Doch die statistische Auswertung kann hier einen Zufall nicht ausschließen.

Für sich genommen sind die Ergebnisse der Studie negativ. Die Bewertung dürfte jetzt davon abhängen, in welchen Kontext sie mit den anderen kleineren Studien gestellt wird. Allen vergleicht sie in seiner Publikation mit vier weiteren Studien, in denen ebenfalls Milchsäure- oder Bifidobakterien eingesetzt wurden.

Der PLACIDE-Trial hebt hier die frühere Evidenz vollständig auf. Der Editorialist Nick Daneman vom Sunnybrook Health Sciences Centre in Toronto stellt die Ergebnisse in einen breiteren Kontext mit 20 Studien. Nach seinen Berechnungen ändert der PLACIDE-Trial nichts an der Evidenz für eine präventive Wirkung gegen die CDAD. © rme/aerzteblatt.de

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