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Politik

Kranken­haus-Bewertung: Hohe Patienten­zufriedenheit, aber auch Unterschiede erkennbar

Freitag, 9. August 2013

dpa

Düsseldorf – Im Bundesdurchschnitt würden 82 Prozent der Patienten ihr Krankenhaus weiterempfehlen. Während Nordrhein-Westfalen dabei mit 80 Prozent (entspricht der Note „gut“) leicht unter diesem Wert liegt, würden in Bayern etwa 84 Prozent der Patienten ihr Krankenhaus weiterempfehlen. Das sind aktuelle Auswertungen der größten Patientenbefragung in Deutschland, des „Patients` Experience Questionnaire“ (PEQ).

Die PEQ-Studie soll Patienten bei der Wahl eines Krankenhauses unterstützen und mehr Transparenz im Hinblick auf die Qualität einer medizinischen Einrichtung ermöglichen. Der Ansatz ist dabei die subjektive Wahrnehmung des Patienten. Diese können nach einem Kranken­haus­auf­enthalt über einen einfach strukturierten Fragebogen die vier Bereiche „ärztliche Versorgung“, „Organisation und Service“ „pflegerische Betreuung“ und „Weiterempfehlung“  bewerten.

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AOK, BARMER GEK und die „Weisse Liste“, ein Projekt der Bertelsmann Stiftung und der Dachverbände der größten Patienten- und Verbraucherorganisationen, führen die Befragung gemeinsam in regelmäßigen Intervallen fünf Mal jährlich durch. Seit dem Start im November 2011 haben sich bundesweit mehr als 1,5 Millionen Versicherte der beiden Krankenkassen an der postalischen Umfrage beteiligt. Die Befragung erfolgt anonym und ist unabhängig von der Erkrankung des Befragten. Aktuelle Ergebnisse aus Nordrhein-Westfalen und Bayern wurden jetzt veröffentlicht.

Hohe Beteiligung
„Bei der schwierigen Entscheidung für ein Krankenhaus können Patientenerfahrungen neben den anderen Informationen zur Qualität und zum Leistungsangebot der Kliniken wichtige Anhaltspunkte liefern. Immer mehr Versicherte wünschen sich solche Informatio­nen im Vorfeld eines Kranken­haus­auf­enthalts“, betonte Matthias Mohrmann, Vorstands­mitglied der AOK Rheinland/Hamburg, bei der Präsentation aktueller Ergebnisse der PEQ-Studie in Düsseldorf. Wie ein Patienten die Qualität der Versorgung während seines Kranken­haus­auf­enthaltes wahrnehme, habe zudem immer auch Einfluss auf seinen Genesungsprozess.

Das große Interesse belegt auch die hohe Beteiligung der Versicherten – ­die Rücklauf­quote lag bundesweit bei 47 Prozent. Von circa 1.900 Krankenhäusern in Deutschland konnten etwa 1.300 Einrichtungen und 4.100 Fachabteilungen in die Bewertung mit aufgenommen werden, berichtete Mohrmann. Dadurch seien deutliche, valide Aussagen möglich. 

Bis heute haben in Nordrhein-Westfalen (NRW) rund 124.000 Versicherte – davon 69.000 aus dem Rheinland – einen Fragebogen ausgefüllt. In Bayern haben sich 137.000 Versicherte beteiligt. Die Ergebnisse der Befragungen werden zusammen­geführt und im Krankenhaus-Vergleichsportal der Weissen Liste sowie in den darauf basierenden Portalen von AOK und BARMER GEK veröffentlicht. Voraussetzung sind mindestens 75 ausgefüllte Fragebögen zum jeweiligen Krankenhaus oder 50 zur jeweiligen Fachabteilung.

„Die Zufriedenheit mit der Versorgung in Krankenhäusern ist insgesamt hoch, aber im Vergleich der einzelnen Häuser oder Fachabteilungen zeigen sich die Unterschiede“,  sagte Heiner Beckmann, Landesgeschäftsführer der BARMER GEK NRW. Vor allem die ärztliche und die pflegerische Betreuung wurden durchweg gut bewertet, wohingegen bei organisatorischen Aspekten wie Entlassorganisation, Wartezeiten und Essensversorgung noch Verbesserungspotenzial bestehe.

Bayern vor NRW
Die bayerischen Krankenhäuser liegen in der Bewertungsquote dabei deutlich vor den mediznischen Einrichtungen in NRW: Während sich in NRW 81 Prozent der Befragten zufrieden mit der ärztlichen Versorgung und 79 Prozent mit der pflegerischen Betreuung zeigten, waren das in Bayern 84 beziehungsweise 83 Prozent (Bundesdurchschnitt: 83 und 82 Prozent). Die Zufriedenheit mit Organisation und Service liegt in NRW bei 76 Prozent, in Bayern bei 80 Prozent (Bundesdurchschnitt: 79 Prozent).

Zwischen den einzelnen Krankenhäusern und Fachabteilungen gebe es teilweise erhebliche Unterschiede, betonten die Experten. Für die Bewertungen spielen Größe und Träger einer Einrichtung allerdings keine Rolle. Auch elektiv arbeitende  Kranken­häuser schnitten nicht grundsätzlich besser ab als Krankenhäuser, die an der Notfall­versorgung teilnehmen. Jüngere Patienten sind jedoch den Auswertungen zufolge generell etwas kritischer als ältere Patienten.

Gründe für das schlechtere Abschneiden der nordrhein-westfälischen Krankenhäuser bei den Zufriedenheitswerten lassen sich Mohrmann zufolge nicht aus den Ergebnissen ableiten. Es könne allerdings sein, dass es in NRW viele ältere Klinken gebe und weniger Investitionsförderung gegeben habe, meinte er. Dafür spricht auch, dass über­durchschnittliche Zufriedenheitswerte eher bei Krankenhäusern in ostdeutschen Bundesländern zu finden sind, die nach der Wende  von Infrastrukturmaßnahmen in besonderem Maße profitiert haben.

Die Befragung sei auch „als Ansporn für die Kliniken gedacht, die jetzt vielleicht noch nicht so gut dastehen“, betonte Mohrmann. „Wir wollen mit PEQ beraten, Benchmarking zur Verfügung stellen und Anreize zur Verbesserung geben.“ Die Öffentlichkeit sei dabei durchaus ein Impuls, um zu Verbesserungen zu kommen. © KBr/aerzteblatt.de

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