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Medizin

MERS: Dromedare als mögliche Überträger

Freitag, 9. August 2013

Bilthoven – Neben dem Menschen können sich offenbar auch Dromedare mit dem MERS-Virus infizieren, das auf der arabischen Halbinsel in den letzten Monaten zu sporadischen Erkrankungen mit hoher Letalität geführt hat. Dass die Tiere die Viren übertragen können, ist noch nicht bewiesen. Im Hintergrund vermuten die Experten in Lancet Infectious Diseases (2013; doi: 10.1016/S1473-3099(13)70164-6) weiterhin ein Reservoir bei Fledermäusen.

Seit dem letzten Jahr sind 94 Erkrankungen (46 mit Todesfolge) am Middle East Respiratory Syndrom (MERS) dokumentiert worden, das von einem mit dem SARS-Virus verwandten Coronavirus verursacht wird. Experten gehen davon aus, dass es sich nur um die Spitze eines Eisbergs handelt und möglicherweise tausende Menschen betroffen sind.

Die Erkrankungen wurden, wenn man von einigen wenigen Sekundärinfektionen ausgeht, im Osten der arabischen Halbinsel erworben, wo derzeit intensiv nach dem möglichen Reservoir gesucht wird. Da die Erkrankungen nur sporadisch auftreten, dürfte es sich bei MERS um eine Zoonose handeln.

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Deshalb werden die dort lebenden Tiere untersucht. Ein Team um Chantal Reusken vom Rijksinstituut voor Volksgezondheid en Milieu (RIVM) in Bilthoven ist jetzt zusammen mit Virologen der Universität Bonn bei einer in Arabien häufigen Tierart fündig geworden: Das Blut von 50 Dromedaren aus dem Sultanat Oman enthielt Antikörper gegen das MERS-Coronavirus. Bei den Tieren handelte es sich um weibliche Tiere, die vor Jahren bei Kamelrennen eingesetzt wurden, jetzt aber zu Zuchtzwecken verwendet werden.

Die Forscher entdeckten bei ihnen hohe Titer von IgG-Antikörpern, was auf einen wiederholten Viruskontakt in der Vergangenheit hinweist. Eine aktive Infektion konnte in keinem Fall nachgewiesen werden. Den Forschern standen jedoch keine Atemwegssekrete oder Kotproben zur Verfügung, in denen die Viren am ehesten zu vermuten wären.

Dromedare kämen als Überträger durchaus infrage. Sie sind im Mittleren Osten weit verbreitet und es gibt zahlreiche Kontakte mit den dort lebenden Menschen. Dromedare sind Milch- und Fleischlieferanten, und Kamelrennen sind ein beliebtes Spektakel, das viele Zuschauer anzieht. Zumindest bei einem der Erkrankungsfälle war ein Kontakt mit Kamelen dokumentiert. Jetzt dürften die bekannten Fällen nach weiteren Verbindungen zu Dromedaren hin untersucht werden.

Das eigentliche Reservoir wird aber nach wie vor woanders vermutet. Dafür spricht auch der Nachweis von MERS-Antikörpern bei Dromedaren, die auf den kanarischen Inseln gehalten wurden. Hier waren 15 von 105 Tieren seropositiv. Bis auf drei waren alle Tiere (die zu touristischen Zwecken eingesetzt wurden) auf den zu Spanien gehörenden Inseln aufgewachsen. Ein Kontakt zu den im Oman gehaltenen Tieren gibt es nicht. Auch eine Verbindung zu nordafrikanischen Ländern, in denen die Tiere für den Export nach Arabien und andere Länder gezüchtet werden, erscheint Reusken extrem unwahrscheinlich. Drei Tiere waren allerdings aus Marokko importiert worden.

Rinder, Schafe und Ziegen scheiden vorerst als Reservoir aus. Bei 160 Blutproben aus den Niederlanden, Spanien und Chile wurden jedenfalls niemals Antikörper gefunden. Der Verdacht ruht hier weiter auf Fledermäusen. Doch bei diesen Tieren wurden die Viren (oder gegen sie gerichtete Antikörper) niemals gefunden (mit einer einzigen Ausnahme einer in Südafrika heimischen Art). Für die Fledermaus als Überträger spricht, dass sie von anderen mit dem MERS-Erreger nahe verwandten Viren infiziert werden.

Wo und wie sich die 94 Patienten infiziert haben, ist weiterhin unklar. Die Gefahr einer größeren Epidemie wird derzeit als sehr gering eingestuft. Die Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) schätzt den so genannten R0-Wert – die Zahl der Personen, die ein Infizierter ansteckt – auf 1 oder geringer. © rme/aerzteblatt.de

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