Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Blutzucker als Demenzrisiko

Freitag, 9. August 2013

Washington – Glukose ist der wichtigste Energieträger für das Gehirn. Zu viel Glukose kann dem Gehirn aber auch schaden. Der Grund ist nicht ganz klar, beim Diabetiker dürfte jedoch die begleitende Insulinresistenz und vor allem die Schädigung der Blutgefäße (Makro- und Mikroangiopathie) eine Rolle spielen. Diabetologen stellen die Diagnose eines Diabetes bei einem Nüchternblutzucker von von über 126 mg/dl (7 mmol/l).

Die meisten Diabetiker haben jedoch weitaus höhere Werte. In der Adult Changes in Thought (ACT)-Studie, die seit 1994 eine Gruppe von über 2000 über 65-Jährigen betreut, lag der Blutzuckerwert median bei 175 mg/dl. Die Studienteilnehmer, die zu Beginn sämtlich noch ohne kognitive Einschränkungen waren, werden alle zwei Jahre untersucht. Während der medianen Nachbeobachtungszeit von 6,8 Jahren ist ein Viertel an einer Demenz erkrankt.

Bei den Diabetikern stieg das Risiko ab einem Blutzuckerwert von 160 mg/dl an. Diabetiker mit einem Blutzuckerwert von 190 mg/dl erkrankten zu 40 Prozent häufiger an einer Demenz, wie Paul Crane von der Universität von Washington in Seattle jetzt ermittelt hat (N Engl J Med 2013; 369:540-54). Erstaunlich war nun, dass auch unter den Nicht-Diabetikern eine Assoziation zwischen Blutzucker und Demenzrisiko bestand.

Teilnehmer mit einem Blutzuckerwert von 115 mg/dl, der heute als nur leicht erhöht eingestuft wird, erkrankten zu 18 Prozent häufiger als Teilnehmer mit einem Blutzucker von 100 mg/dl. Ein Schwellenwert war in der Studie nicht erkennbar. Je niedriger der Blutzucker, desto geringer das Demenzrisiko.

Einen Grund für diese Assoziation können die Autoren nicht angeben. Sie halten die Ergebnisse aber für stichhaltig, da die Studie auf mehr als 45.000 Messungen beruht. Darunter waren 10.000 Bestimmung des Blutzuckerlangzeitwerts HbA1c, der über eine Formel in den durchschnittlichen Nüchternblutzucker umgerechnet wurde.

Therapeutische Konsequenzen lassen sich aus den Ergebnissen nicht ableiten, da es sich um eine reine Beobachtungsstudie handelt. Ob die Senkung des Blutzuckers im oberen Normalbereich das Demenzrisiko senken kann, müsste zunächst in einer randomisierten Interventionsstudie belegt werden. So bleibt es bei der kuriosen Einsicht, dass der Brennstoff, der das Überleben der Hirnzellen sicherstellt, möglicherweise auch ihren Untergang begünstigt. © rme/aerzteblatt.de

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

15.10.17
Frühe Hypertonie erhöht bei Frauen Demenzrisiko im Alter
Oakland – Frauen, die bereits vor der Menopause einen erhöhten Blutdruck haben, entwickeln einer Kohortenstudie in Neurology (2017; doi: 10.1212/WNL.0000000000004602) zufolge im Alter häufiger eine......
13.10.17
Ernährung: Linolsäure aus pflanzlichen Ölen könnte Typ-2-Diabetes vorbeugen
Sydney – Eine Diät mit einem hohen Gehalt an Linolsäure, die als Omega-6-Fettsäure vor allem in pflanzlichen Ölen enthalten ist, könnte vor einem Typ-2-Diabetes schützen. Zu diesem Ergebnis kommt eine......
11.10.17
Diabetes: Barrierefreie medizintechnische Hilfsmittel offenbar Mangelware
Berlin – Auf Schäden, die eine Zuckererkrankung in der Netzhaut auslösen kann, hat diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe anlässlich der Aktionstage „Welttag des Sehens“ am 12. Oktober und dem „Tag des......
10.10.17
Insulinpumpen vermindern Hypoglykämien und Ketoazidosen bei jugendlichen Typ 1-Diabetikern
Aachen – Insulinpumpen, die in Deutschland fast jedem zweiten jüngeren Patienten mit Typ 1-Diabetes verordnet werden, können das Risiko von schweren Hypoglykämien und Ketoazidosen senken. Dies zeigen......
05.10.17
Charakter­veränderung kein zwingendes Frühzeichen von Alzheimer
Tallahasse – Veränderungen des Charakters im Erwachsenenalter sollten nicht als das Frühsymptom einer beginnenden Alzheimererkrankung gewertet werden. Zu diesem Schluss kommen Forscher um Antonio......
29.09.17
Aluminiumexposition: Zusammenhang mit Alzheimer-Demenz und Brustkrebs derzeit nicht belegt
Köln – Ein Zusammenhang von Aluminiumbelastung und der Entstehung von Brustkrebs oder Alzheimer-Demenz ist auf der Grundlage der aktuellen Studienlage nicht belegt. Zu diesem Ergebnis kommen Katrin......
25.09.17
Kontinuierliche Glukosemessung vermindert Schwangerschafts­komplikationen bei Typ-1-Diabetike­rinnen
Toronto – Eine kontinuierliche Blutzuckermessung bei Müttern, die an einem Typ-1-Diabetes leiden, könnte die Zahl der Komplikationen bei Neugeborenen wesentlich senken. In The Lancet berichten......
VG Wort

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige