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Medizin

Multiple Sklerose: Biomarker erkennt PML-Risiko unter Natalizumab

Montag, 12. August 2013

Münster – Ein internationales Forscherteam hat herausgefunden, warum einige Patienten unter der Therapie mit Natalizumab an einer lebensgefährlichen progressiven multifokalen Leukenzephalopathie (PML) erkranken. Der Grund könnte laut dem Bericht in Neurology (2013; doi: 10.1212/WNL.0b013e3182a351fb) im Mangel eines Adhäsionsmoleküls auf den Abwehrzellen begründet sein.

Der Antikörper Natalizumab gilt als das derzeit wirksamste Medikament zur Behandlung der multiplen Sklerose. Dennoch wird es nur bei schweren Verlaufsformen eingesetzt. Natalizumab verhindert nämlich, dass Immunzellen, die die Myelinscheiden angreifen, die Blut-Hirnschranke passieren. Es macht das Gehirn aber auch anfällig für schwere Infektionen mit dem JC-Virus.

Mit dem opportunistischen Erreger infizieren sich im Verlauf des Lebens die meisten Menschen. Sie erkranken aber nicht, da ein normal funktionierendes Immunsystem die Viren in Schach hält. Ohne diese Kontrolle kann es im Gehirn zu einer PML kommen, die tödlich verlaufen kann. Dies hat dazu geführt, dass Natalizumab bei Patienten, die Antikörper gegen das JC-Virus haben oder mit Immunsuppressiva vorbehandelt sind (die ebenfalls eine Aktivierung des JC-Virus begünstigen) zurückhaltend eingesetzt wird. Ein weiterer wichtiger Risikofaktor ist die Behandlungszeit.

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In Zukunft könnte die Untersuchung von T-Helfer-Zellen weitere Informationen über das individuelle PML-Risiko der Patienten liefern. Das Team um Heinz Wiendl, Direktor der Klinik für Allgemeine Neurologie am Universitätsklinikum Münster, kann zeigen, dass die fehlende Expression von L-Selektin auf den CD4-Zellen eine PML stark begünstigt.

L-Selektin ist ein Adhäsionsprotein auf der Oberfläche der CD4-Zellen. Es beeinflusst, wie das Immunsystem auf Krankheitserreger reagiert. Ein Mangel an L-Selektin hat in einer Kohorte von 224 Patienten das Risiko auf eine PML deutlich erhöht. Der neue Test könnte nach einer ersten Einschätzung der Autoren die Vorhersage einer PML ver­bessern. Er wird die bisherige Risikoabschätzung aber nicht ersetzen, da bei einem negativen Ergebnis – also dem Nachweis von L-Selektin – das Risiko einer PML nicht ausgeschlossen ist, wie die Autoren betonen. © rme/aerzteblatt.de

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