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Medizin

Gen-Reis soll vor Rotaviren schützen

Montag, 12. August 2013

Tokio – Japanische Forscher haben eine Reissorte entwickelt, die Antikörper gegen Rotaviren produziert. Nach den ersten tierexperimentellen Studienergebnissen im Journal of Clinical Investigation (2013; doi: 10.1172/JCI70266) zu urteilen, könnte der Genreis durchaus Kinder vor einer Infektion mit dem Durchfallerreger schützen.

In den Entwicklungsländern sterben jährlich 600.000 Kinder an Darminfektionen mit Rotaviren. Die beiden Impfstoffe sind für die meisten Länder nicht erschwinglich, und sie waren in klinischen Studien auch weniger wirksam: RotaTeq schützte in einer Feldstudie nur 39,3 Prozent, Rotarix blieb mit einer Effektivität von 61,2 Prozent ebenfalls hinter den Erwartungen zurück. Hinzu kommt, dass viele Kinder erkranken, bevor sie geimpft werden können.

Eine Alternative zur aktiven Impfung könnte eine passive Immunisierung mit Antikörpern sein, meint das Team um Yoshikazu Yuki von der Universität Tokyo. Um die Antikörper in großer Menge zur Verfügung zu stellen, haben die Forscher das Gen für einen Antikörper in das Erbgut einer Reispflanze integriert. Den Antikörper hatten sie zuvor im Blut von Lamas erzeugt. Die Tiere wurden ausgewählt, weil ihr Immunsystem einzelkettige Antikörper bildet, die von der Magensäure nicht zerstört wird.

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Um den Antikörper im Reiskorn produzieren zu können, mussten die Forscher andere Gene für die Herstellung von Speicherproteinen abschalten. Der Genreis kann deshalb das derzeitige Grundnahrungsmittel nicht ergänzen. Die Kinder müssten es zusätzlich als Reispulver (in Flüssigkeit aufgelöst) zu sich nehmen. Erste Experimente an Mäusen zeigen, dass der Genreis die Symptome einer Rotavirus-Infektion abschwächen kann.

Auch die Darmveränderungen waren weniger stark ausgeprägt. Der Genreis erwies sich als widerstandsfähig gegen äußere Einflüsse. Die Antikörper behalten laut Yuki noch nach einem Jahr Lagerung des Reispulvers ihre Fähigkeit, das Virus zu neutralisieren, und selbst das Erhitzen auf 94 Grad Celsius über 30 Minuten soll sie nicht zerstören.

Von einer Vermarktung ist derzeit nicht die Rede. Vor einer Zulassung müssten Schutzwirkung und Sicherheit zunächst in klinischen Studien untersucht werden. Auf die gleiche Art könnten aber auch schützende Antikörper gegen andere Durchfallerreger wie Noroviren erzeugt werden, schreibt Yuki. © rme/aerzteblatt.de

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