NewsMedizinFDA lässt lang­wirkenden HIV-Inte­grase-Inhibitor zu
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

FDA lässt lang­wirkenden HIV-Inte­grase-Inhibitor zu

Dienstag, 13. August 2013

Rockville – Die US-Arzneibehörde FDA hat den Integrase-Inhibitor Dolutegravir für die Behandlung von HIV-Infektionen zugelassen. Es ist der dritte Vertreter dieser Wirkstoffklasse. Das Medikament muss nur einmal täglich eingenommen werden und benötigt keinen Booster zur Wirkungsverstärkung. Der Hersteller hat auch die Zulassung in Europa beantragt.

Die Integrase ist ein zentraler Bestandteil von Retroviren. Sie benötigen das Enzym, um ihr Erbgut in die Chromosomen der Wirtszelle einzubauen. Eine Blockade kann eine Replikation verhindern. Integrase-Inhibitoren sind eine relativ neue Wirkstoffgruppe. Der erste Vertreter war Raltegravir. Es wurde im Februar 2008 in Deutschland eingeführt.

Raltegravir hat eine relativ kurze Wirkungsdauer und muss deshalb zweimal täglich eingenommen werden. Der zweite Integrase-Inhibitor Elvitegravir wurde im Juni 2013 als Bestandteil einer fixen Kombination eingeführt. Sie enthält noch zwei weitere Wirkstoffe und den Booster Cobicistat, der über die Hemmung eines P450-Enzyms die Wirkung von Elvitegravir verstärkt. Dolutegravir kommt ohne einen solchen Booster aus und es muss nur einmal täglich eingenommen werden.

Anzeige

Der Hersteller hat die Sicherheit und Wirkung von Dolutegravir in vier klinischen Studien an 2.539 Teilnehmern geprüft. In zwei Studien – einmal an therapie-naiven, einmal an vorbehandelten Patienten – wurde Dolutegravir mit Raltegravir verglichen. Die beiden Integrase-Inhibitoren wurden dabei, wie in der antiretroviralen Therapie üblich, mit zwei anderen Wirkstoffen kombiniert. Die einmal tägliche Therapie mit dem Dolutegravir-basierten Regime erzielte dabei die gleiche Wirkung wie die zweimal tägliche Einnahme der Raltegravir-Kombination.

In zwei weiteren Studien – erneut an therapie-naiven und vorbehandelten Patienten – wurde die Dolutegravir-basierte Therapie mit einer fixen Kombination aus Emtricitabin, Tenofovir und Efavirenz verglichen, die ebenfalls nur einmal täglich eingenommen werden muss. Hier erzielte das Dolutegravir-basierte Regime sogar eine signifikant bessere Wirkung (gemessen am Anteil der Patienten mit einer Virussuppression auf unter 50 CD4-Zellen pro Milliliter). In einer fünften Studie wurden Pharmakokinetik, Sicherheit und Wirksamkeit bei Patienten untersucht, die zuvor keine Integrase-Inhibitoren erhalten hatten.

Häufige Nebenwirkungen von Dolutegravir sind Schlafstörungen und Kopfschmerzen. Zu den schweren Komplikationen gehören Überempfindlichkeitsreaktionen sowie Leberfunktionsstörungen bei Patienten, die gleichzeitig mit Hepatitis B und/oder C infiziert sind. Die Fachinformationen schreiben deshalb eine Kontrolle der Leberwerte vor. © rme/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

10. Juli 2020
Berlin – Die Deutsche Aidshilfe hat zum Ende der Internationalen Aids-Konferenz „AIDS2020: virtual“ vor einer Katastrophe im weltweiten Kampf gegen HIV gewarnt. Der Vorstand der Deutschen Aidshilfe
Aidshilfe warnt vor Katastrophe im Kampf gegen HIV
6. Juli 2020
Genf – Die Weltgemeinschaft hat ihre selbst gesetzten Ziele im Kampf gegen HIV und Aids verfehlt. Im vergangenen Jahr haben sich nach Schätzungen 1,7 Millionen Menschen weltweit mit dem Virus
Kampf gegen HIV und Aids: Nicht auf Kurs
17. Juni 2020
Berlin – Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) hat die S1-Leitlinie „Neurosyphilis“ neu aufgelegt. Grund sind steigende Zahlen. 2018 hatte die Zahl der Neuinfektionen mit 7.332 Fällen einen
S1-Leitlinie zur Neurosyphilis neu aufgelegt
15. Juni 2020
Berlin – Immer mehr Menschen wissen, dass HIV unter Therapie nicht übertragbar ist. Rund 18 Prozent der Deutschen ist das mittlerweile bekannt, wie eine heute in Berlin veröffentlichte Umfrage im
Weniger Wissenslücken zur Übertragbarkeit von HIV
18. Mai 2020
Durham/North Carolina − Die intramuskuläre Injektion von Cabotegravir, die nur alle 8 Wochen wiederholt werden muss, hat in einer großen internationalen Studie Männer, die Sex mit Männern haben
PrEP: Intramuskuläre Cabotegravir-Injektionen schützen effektiver vor HIV-Infektion
14. April 2020
Branford, Connecticut − Die zusätzliche Behandlung mit dem Attachment-Inhibitor Fostemsavir, der das Andocken von HI-Viren an CD4-Zellen verhindert, hat in einer klinischen Studie die
HIV: Fostemsavir bei Patienten mit multiresistenter Infektion effektiv
31. März 2020
San Francisco/Oakland – Die Welt-Aids-Konferenz wird aus Sorge vor einer weiteren Verbreitung des neuartigen Coronavirus in diesem Jahr erstmals virtuell abgehalten. Die Entscheidung sei aus Sorge um
VG WortLNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER