Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Frühe Demenz durch Alkohol- und Drogenexzesse im Teenageralter

Dienstag, 13. August 2013

Umea – Eine Demenzerkrankung vor dem 65. Lebensjahr hat ihre Wurzeln häufig schon im Kindes- und Jugendalter. Zu den neun Risikofaktoren, die eine bevölkerungsweite Kohortenstudie in JAMA Internal Medicine (2013; doi: 10.1001/jamainternmed.­2013.9079) ermittelte, gehörten auch häufige Alkoholexzesse und ein Drogenkonsum.

Demenzerkrankungen gelten als schicksalhaft, vor allem wenn sie vor dem 65. Lebens­jahr auftreten. Die „Young-onset“-Demenz YOD ist jedoch möglicherweise nicht nur auf familiäre Formen des Morbus Alzheimer und andere degenerative Hirner­krankungen zurückzuführen. Die Untersuchung von Peter Nordström von der Universität Umea deutet darauf hin, dass es noch andere Ursachen geben könnte.

Der Geriater setzte die ausführlichen Untersuchungsergebnisse von schwedischen Rekruten, die während der Musterung über zwei Tage ausführlichen körperlichen und psychologischen Tests ausgesetzt werden, mit der späteren Diagnose einer YOD in Beziehung. Dabei ermittelte der Geriater neun Risikofaktoren, die zusammengenommen 68 Prozent aller YOD-Diagnosen erklären.

Diese Risikofaktoren waren in der Reihenfolge ihrer Bedeutung Alkoholintoxikationen (Hazard-Ratio HR 4,82), Schlaganfälle (HR 2,96), Einnahme von Antipsychotika (HR 2,75), Depressionen (HR 1,89); Demenz des Vaters (HR 1,65), Drogenintoxikation (HR 1,54), niedrige kognitive Funktion bei der Musterung (HR 1,26), niedrige Körpergröße (HR 1,16) sowie ein hoher systolischer Blutdruck bei der Musterung (HR, 0,90). Letzterer hätte nach den Ergebnissen der Studie eine leicht protektive Wirkung.

Erstaunlich ist, dass neben Hinweisen auf eine genetische Störung (Demenz des Vaters, niedrige kognitive Funktion, niedrige Körpergröße) und unklaren Risiken (Einnahme von Antipsychotika, Depressionen) eine Reihe von modifizierbaren Risikofaktoren (Alko­hol-und Drogenintoxikationen, systolischer Blutdruck vielleicht auch Schlaganfälle) vorliegen, deren Veränderung möglicherweise das Schicksal einer Demenz abwenden könnte.

Belegen lässt sich dies mit der Studie allerdings nicht, da der Alkohol- oder Drogen­konsum auch Folge einer hirnorganischen Störung sein könnte, die die Patienten anfälliger für den Substanzmissbrauch macht.

Nicht ganz von der Hand zu weisen ist allerdings die Vermutung, dass Alkohol- und Drogenexzesse zu schweren Hirnschäden führen, die sich später als Demenz manifestieren. Die YOD ist allerdings relativ selten. Nur 487 von 488.484 untersuchten Rekruten erkrankten vor dem 65. Lebensjahr an einer Demenz. Bei der hohen Prävalenz des Alkoholkonsums bedeutet dies, dass das individuelle Risiko infolge von Alkoholexzessen langfristig eine Demenz zu erleiden, eher gering ist. © rme/aerzteblatt.de

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

17.01.18
Dorf für Demenzkranke soll in Hessen entstehen
Hohenroda – Im osthessischen Hohenroda laufen die Planungen für Hessens erstes Dorf für Demenzkranke. Im Ortsteil Mansbach soll eine Wohnanlage speziell für Menschen mit diesem Krankheitsbild......
12.01.18
Hirnliga fordert nach Pfizer-Aus mehr öffentliche Mittel für Alzheimerforschung
Berlin – Der Pharmakonzern Pfizer hat angekündigt, die Forschung und Entwicklung neuer Medikamente im Bereich der neurodegenerativen Erkrankungen, wie zum Beispiel der Alzheimererkrankung,......
08.01.18
Alzheimer-Protein breitet sich wie Infektion im Gehirn aus
Cambridge – Die intrazellulären Tau-Proteine, die neben den extrazellulären Ablagerungen von Beta-Amyloiden ein zentrales Kennzeichen des Morbus Alzheimer sind, breiten sich offenbar im gesamten......
05.01.18
Modellprojekt in Bayern soll Angehörige von Demenzpatienten entlasten
München – Ein neues Modellprojekt namens „Helfen und selber gesund bleiben“ der Alzheimergesellschaft für den Landkreis Kelheim in Bayern soll pflegende Angehörige von Menschen mit Demenz entlasten.......
02.01.18
Alzheimer: Diabetesmittel könnte Gedächtnisverlust vermindern
Lancaster – Ein Triple-Agonist, der die Wirkung von drei blutzuckersenkenden Magen-Darm-Hormonen kombiniert, hat in einem Mäusemodell des Morbus Alzheimer Amyloid-Ablagerungen vermindert, die Bildung......
29.12.17
Demenzprävention: US-Neurologen raten zu Sport statt Medikamenten
Rochester – Ärzte sollen Patienten mit leichten kognitiven Beeinträchtigungen (MCI) zu sportlichen Aktivitäten ermuntern, statt sie mit Medikamenten zu behandeln, deren Wirksamkeit laut einer......
28.12.17
Ärzte sollen bei Demenzdiagnose Angehörige auf Hilfsangebote hinweisen
Berlin – Angehörige von Menschen mit Demenz brauchen mehr Hilfe. Nötig sind eine frühzeitige und passende Beratung zum Krankheitsbild, zu Entlastungsmöglichkeiten und zu rechtlichen und finanziellen......
VG Wort

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
J
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige