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KBV und Krankenkassen verhandeln über die Honorare für 2014

Donnerstag, 15. August 2013

dpa

Köln – Seit gestern verhandelt die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) offiziell mit dem Spitzenverband Bund der gesetzlichen Krankenkassen (Spibu) über die Honorar­entwicklung für die rund 140.000 niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte im nächsten Jahr. Die Beschlüsse auf Bundesebene, die nach dem Gesetz jeweils bis zum 31. August jedes Jahres gefasst werden müssen, bilden die Grundlage für weitere Verhandlungen in den Regionen.

Verhandelt wird über die Höhe des Orientierungswerts, anhand dessen die Preise für ärztliche Leistungen berechnet werden. Beraten wird außerdem darüber, wie sich die Krankheitslast der Bevölkerung verändert hat. Diese morbiditätsbedingte Veränderungs­rate ist die Basis für die Honorarverhandlungen der Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) mit den Krankenkassen in den Regionen.

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Die KBV hatte bereits im Vorfeld der ersten Verhandlungsrunde drei wesentliche Forderungen formuliert: Sie will, dass die Veränderung der Morbidität in der Bevölkerung vollständig berücksichtigt wird. Ebenso soll bei der Anpassung des Orientierungswertes der Inflationsausgleich für 2013 in voller Höhe erfolgen. Schließlich sollen die haus- und fachärztlichen Grundpauschalen aus der morbiditätsbedingten Gesamtvergütung herausgelöst und zu festen Preisen vergütet werden.

Die Vertreter von KBV und GKV-Spitzenverband hätten in sachlicher Atmosphäre getagt, erklärte KBV-Sprecher Roland Stahl zum Auftakt der Verhandlungen. Die KBV fordere nicht mehr als das, was das Gesetz vorsehe: die Berücksichtigung der vollständigen Morbi­ditäts­veränderung der Bevölkerung sowie die Berücksichtigung eines Inflationsausgleichs.

Feste Preise für die Grundpauschalen
„Diese beiden Punkte werden wir einfordern“, bekräftigte Stahl. Auch der dritte Punkt – feste Preise für die haus- und fachärztlichen Grundpauschalen – diene der Planbarkeit und Stärkung der Arbeit in der ärztlichen Grundversorgung. Diesen Auftrag hätten die Vertragsärzte und –psychotherapeuten  der KBV im Rahmen einer Befragung zum Sicherstellungsauftrag im Jahr 2012 erteilt. Die Niedergelassenen seien nur dann bereit, den Sicherstellungsauftrag weiterhin zu erfüllen, wenn sich ihre Rahmenbedingungen änderten, vor allem, wenn es feste Preise für ihre Leistungen und damit Verlässlichkeit gebe.

Stahl zufolge ging es bei den Verhandlungen gestern zunächst um wichtige grund­sätzliche Fragen: Welche Faktoren sollen in den Inflationsausgleich einfließen? Wie soll die Morbiditätsrate weiter entwickelt werden?  „Es ging also letztlich um gemeinsame Definitionen“, erläuterte er.

Honorarbericht für das II. Quartal 2012 liegt vor
Wie sich das Honorar der Vertragsärzte im II. Quartal 2012 gegenüber dem Vorjahres­quartal entwickelt hat, geht aus dem jüngsten der regelmäßigen Honorarberichte der KBV hervor, der seit kurzem einsehbar ist. Danach haben sich die Einnahmen der Vertragsärzte und –psychotherapeuten nur gering verändert. Der durchschnittliche Honorarumsatz je Arzt ist im Vergleich zum Vorjahresquartal um 0,7 Prozent gesunken. Je Behandlungsfall stieg das Honorar von Ärzten und Psychotherapeuten jedoch um 0,7 Prozent.

Die regionale Streuung lag dabei zwischen -3,3 Prozent Honorarumsatz je Arzt in Baden-Württemberg und + 2,1 Prozent in Rheinland-Pfalz. Bezogen auf den Behandlungsfall waren es – 2 Prozent in Berlin und + 3,9 Prozent in Bremen. Der Honorarumsatz der ärztlichen und Psychologischen Psychotherapeuten sank bundesweit in den betrach­teten Quartalen um 1,3 Prozent, der Honorarumsatz je Behandlungsfall um 2,2 Prozent.

Insgesamt betrug die Summe der Gesamtvergütungen im betrachteten Quartal knapp 8,1 Milliarden Euro, nur wenig mehr als im Vorjahr. Den durchschnittlichen Honorarumsatz je Arzt beziffert die KBV auf 50.015 Euro. Bei den Hausärzten betrug er im Schnitt 48.872 Euro, bei den Fachärzten 48.943 Euro. Internisten mit Schwerpunkt kommen dabei auf 104.842 Euro, Internisten ohne Schwerpunkt auf 64.473 Euro. Ärztliche und Psychologische Psychotherapeuten erwirtschafteten durchschnittlich 17.967 Euro.

Der Überschuss je Arzt betrug im II. Quartal 2012 durchschnittlich 24.195 und lag damit knapp unter dem im Vorjahresquartal. Auch hier gibt es erhebliche Unterschiede zwischen den Fachgruppen. Während statistisch betrachtet Fachärzte für Hämatologie/Onkologie 46.600 Euro pro Arzt an Überschuss erwirtschafteten, waren es bei den Psychiatern nur rund 18.700 und bei den Gynäkologen etwa 23.000 Euro.

Honorar fließt aus mehreren Töpfen
Die KBV weist allerdings darauf hin, dass die genannten Arztumsätze und -überschüsse keine Honoraranteile aus der selektivvertraglichen Versorgung und aus Integrations­verträgen umfassen. So sank beispielsweise im hausärztlichen Versorgungsbereich in Baden-Württemberg das über die Kassenärztliche Vereinigung (KV) zu verteilende Gesamthonorarvolumen um etwa 3,5 Prozent, eine Folge der 73-b-Verträge (Selektivverträge zur hausärztlichen Versorgung) im Land. Sie werden separat vergütet. Im ganzen Bundesgebiet erhöhte sich im hausärztlichen Versorgungsbereich der Honorarumsatz je Arzt um 0,2 Prozent, je Behandlungsfall um 0,8 Prozent.

Im fachärztlichen Versorgungsbereich ist der Honorarumsatz im II. Quartal 2012 im Vergleich zum Vorjahresquartal dagegen um 1,1 Prozent je Arzt gesunken, je Behand­lungsfall um 0,4 Prozent gestiegen. Auch hier weichen die Ergebnisse je Bundesland und je Fachgruppe zum Teil erheblich voneinander ab. Dies kann unterschiedliche Gründe haben. So weist die KBV darauf hin, dass für die Fachärzte für Hals-Nasen-Ohren­heilkunde 2012 neue Leistungen in den Einheitlichen Bewertungs­maßstab (EBM) aufgenommen wurden, beispielsweise zur Hörgeräte­versorgung, Tinnitus und operativer Nachsorge. Dadurch erhöhte sich der Fachgruppentopf. Der Honorar­umsatz je Arzt stieg in der Folge um 4,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr, der Umsatz je Behandlungsfall um 3,6 Prozent.

Honorarverhandlungen oft noch nicht abgeschlossen
Zwei weitere Aspekte sind bei der Bewertung des Quartalsberichts zu beachten: Häufig sind im II. Quartal die Honorarverhandlungen beziehungsweise Schiedsamtverfahren noch nicht abgeschlossen. Auf das ganze Jahr betrachtet, können Honorarsteigerungen also noch höher ausfallen. Auffallend ist zudem der relativ hohe Anteil der extrabud­getären Gesamtvergütung der KVen. Dieser liegt je nach Bundesland zwischen gut zwanzig und fast 30 Prozent der gesamten Vergütung.

Ergänzend zu den allgemeinen Angaben widmet sich die KBV im Bericht über die Abrechnungsdaten des II. Quartals 2012 einem Sonderthema: den 30 am häufigsten abgerechneten Gebührenordnungspositionen in verschiedenen Abrechnungsgruppen. © Rie/HK/aerzteblatt.de

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